Schaupflügen im Vöckenberg

Am ersten Septembersonntag (1.9.) haben die Heimatfreude Stockum Düren und die HLANZ Freunde Ruhrgebiet zum Schaupflügen in den Wittener Vöckenberg eingeladen. Die Besucher kamen zahlreich und das Wetter hat mitgespielt.

Ankündigung des Schaupflügens.

„Wir haben das Wetter so ausgesucht, dass es nicht mehr so ganz heiß ist aber auch trocken. Der Termin Anfang September hat sich bewährt“,

sagt Wolfang Lippert, Vorsitzender des Vereins Heimatfreunde Stockum Düren

Einige Besucher haben sich modetechnisch auf ein schlechteres Wetter eingestellt, wie die zwei Damen an Rande des Feldes, die mit bunten Gummistiefeln sich farbig von den restlichen Besuchern abheben.

„Wir haben Matsche und Dreck erwartet“,

sagt die Dame, ihr Sohn habe aber schon bemängelt, dass ihre knöchelhohen Gummistiefel so kurz ausfallen. Die Freude ihrer Kinder, stehe im Vordergrund, sagen die Damen und die leckeren Getränke natürlich auch.

Am Würstchenstand steht Lippert höchstpersönlich, bereits nach zwei Stunden sind alle Würstchen weg, an der Kuchentheke stehen Christel, Siegrun und Brigitte, die auch sehr erfolgreich hausgebackenen Kuchen verkauften, 18 Stück sind fast alle durch die Besucher verzehrt worden.

Die HLANZ Freunde brachten zum Vöckenberg fast 50 Trecker mit, mit 88 Jahren dürfte der älteste Traktor dem Landwirt Heinrich Wilhelm Düren gehören. Der Stockumer erklärte den Besuchern wie Pflügen funktioniert.

„Früher hat man beim Pflügen den Boden umgedreht, damit hatte man weniger Unkrautsamen. Heute wird gegrubbert, um Kosten zu sparen. Wir haben die doppelte Arbeitsleistung zwischen Pflügen und Grubbern bei dem gleichen Spritverbrauch. Grubbern ist nichtwendende Bodenbearbeitung, während das Pflügen wendende Bodenbearbeitung ist“,

sagt Düren.

„Bei Grubbern bleibt die ganze Humusschicht oben, früher haben wir die durch Pflanzen gebildete frische Humusschicht immer vergraben, das machen wir bei einer modernen Landwirtschaft bei weitem nicht mehr.“

Unter die Besucher mischt sich auch die Stockumer Pastorin Aletta Dahlhaus.

„Ich habe mir die verschiedenen Trecker angeguckt, weil ich das aus meiner Heimat auch kenne. Mein Vater war im Heimatverein, deshalb habe ich auch geschaut nach LANZ Bulldog und Porsche Diesel und sowas, das fand ich ganz spannend.“

Alle Marken kenne Dahlhaus nicht.

„So ein bu bu bu bub vom LANZ kenne ich ganz gut und ich kenne das mit Pferdepflügen, das haben wir auch schon mal gemacht.“

Ihr Vater war eigentlich Bauunternehmer, aber uneigentlich hatte die Familie Pferde und habe von Hand gepflügt.

Auch der Stockumer Bernd Wittke ist auf dem Bauernhof großgeworden. Er kam zum Schaupflügen, um alte Freunde wiederzusehen und neue Leute kennenzulernen. Vom Stand mit dem neuen Kalender der Heimatfreunde Stockum Düren kann er sich nicht losreißen. Zwölf neue Luftaufnahmen aus Stockum des bekannten Fotografen Hans Blossey haben die Heimatfreunde zu einem Kalender binden lassen und verkaufen diesen während des Schaupflügens und in ihrem Heimatstübchen an der Hörder Straße 367.

Ob seine Heimat unverändert erhalten bleibt, das zweifelt der Stockumer an. Die Pläne der Stadt den Vöckenberg in ein Gewerbegebiet umzuwandeln, beunruhigen den Stockumer.

„Es ist vielleicht einer der letzten Veranstaltung hier, vielleicht machen wir in zwei Jahren neuteeren des Hofes von Stratmann, statt des Schaupflügens. (…) Das Oberwasser wird weggeleitet, die Temperaturen steigen, mit allen Nachteilen.“

Konfrontiert mit dem Argument, ob die Arbeitsplätze nicht wichtig wären, stimmt er schon zu, meint jedoch auf Qualität der Arbeitsplätze solle mehr geachtet werden, damit nicht nur Arbeitsplätze im Niedrigsektor im Paketverteilzentren entstehen.

Auch Sandra Herzig spricht sich für den Erhalt der Frischluftschneise im Vöckenberg aus, sie möchte nicht ersticken. Das ganze Gebiet belüfte Stockum und die ganze Stadt Witten.

„Im Sommer kriegt man nicht so gut Luft, dann ist es gut, dass wir hier sind und Luft kriegen,“

und ist von den Argumenten der Stadt nicht überzeugt, dass die Luftschneise zugebaut werden kann.

Herzig möchte mit ihrem Kaltblutpferd in zwei Jahren vorführen, wie mit einer Pferdestärke gepflügt wurde. Die Stockumerin hat deshalb Kontakte zu den Heimatfreunden geknüpft.

Zum sechsten Mal veranstalteten die beiden Stockumer Vereine das Schaupflügen im Vöckenberg. Die Veranstaltung findet im Wechsel mit dem Schaudreschen alle zwei Jahre statt. Im nächsten Jahr findet das Schaudreschen auf dem Hof Bangert mitten im Stockum neben der Sparkasse statt, dann wird es wieder Süßigkeiten für Kinder im Stroh geben.