Zu wenige Ausbildungsplätze in NRW: Der DGB fordert einen Zukunftsfonds, die SPD unterstützt, Arbeitgeber lehnen ab. Alle Hintergründe zur Debatte.
In NRW finden immer mehr junge Menschen keinen Ausbildungsplatz. Gleichzeitig bilden immer weniger Betriebe aus. Der Deutsche Gewerkschaftsbund NRW schlägt deshalb einen neuen Weg vor: einen sogenannten Zukunftsfonds Ausbildung. Wie Welle Niederrhein berichtet, bleibt nach Angaben des DGB mehr als jeder fünfte junge Mensch zwischen 20 und 34 Jahren in NRW dauerhaft ohne Berufsabschluss. Die Zahl der Lehrstellen ist in den vergangenen Jahren gesunken, während immer mehr junge Leute eine Ausbildung suchen. Das Problem betrifft also nicht nur einzelne Branchen, sondern den ganzen Arbeitsmarkt im Land.
Der DGB NRW hat ein Konzept vorgestellt, das Unternehmen in die Pflicht nehmen soll. Nach den Plänen sollen Betriebe grundsätzlich 0,5 Prozent ihrer Bruttolohnsumme in den Fonds einzahlen. Bei 200.000 Euro Lohnsumme wären das 1.000 Euro im Jahr. Im Gegenzug sollen Betriebe, die tatsächlich ausbilden, 5.000 Euro pro Azubi und Jahr zurückbekommen. Ausgenommen sind Branchen, die bereits eine eigene Ausbildungsumlage haben, etwa das Bauhauptgewerbe und die Pflege, sowie Bereiche, in denen überwiegend schulisch ausgebildet wird.
Ausgearbeitet hat das Modell Arbeitsmarktforscher Prof. Gerhard Bosch von der Universität Duisburg-Essen im Auftrag des DGB. Laut seinen Berechnungen könnten so jährlich knapp 1,4 Milliarden Euro zusammenkommen, der Großteil davon würde direkt als Zuschuss an Ausbildungsbetriebe fließen.
DGB-Landeschef Thorben Albrecht sieht laut Welle Niederrhein gerade bei kleineren Unternehmen Handlungsbedarf, weil diese zunehmend auf Ausbildung verzichten. Ein finanzieller Anreiz von 5.000 Euro pro Azubi könnte aus seiner Sicht dafür sorgen, dass Betriebe ihre Azubis halten und künftig sogar mehr ausbilden. Gleichzeitig räumt er ein, dass ein Fonds allein nicht alle Probleme löst. Auch bessere Schulen und eine solide Grundbildung seien nötig, damit junge Menschen überhaupt ausbildungsfähig sind.
Nicht alle sind von der Idee überzeugt. Die Arbeitgeberverbände in NRW lehnen den Vorschlag ab. Aus ihrer Sicht löst ein Fonds weder Probleme bei der Ausbildungsreife von Bewerberinnen und Bewerbern noch die Schwierigkeiten, offene Ausbildungsplätze überhaupt zu besetzen. Stattdessen brauche es vor allem eine bessere Vorbereitung in der Schule, so die Argumentation der Arbeitgeberseite.
Rückendeckung bekommt der DGB von der SPD-Fraktion im Landtag NRW. Arbeitsmarktpolitische Sprecherin Lena Teschlade erklärt, ohne Ausbildung fehlten morgen die Fachkräfte und es sei Zeit nachzusteuern. Sie verweist darauf, dass die bestehende Ausbildungsumlage im Bauhauptgewerbe und im Dachdeckerhandwerk bereits zeige, dass ein solches Instrument wirksam sein könne. Besonders kleinere und mittlere Unternehmen sowie Handwerksbetriebe könnten davon profitieren, so die SPD-Fraktion, die die Forderung des DGB NRW nach einem Zukunftsfonds Ausbildung ausdrücklich unterstützt.
Bislang handelt es sich um eine Forderung der Gewerkschaften, ein Gesetz gibt es noch nicht. Ob der Zukunftsfonds Ausbildung tatsächlich kommt, hängt von der weiteren politischen Debatte und von Entscheidungen im Landtag NRW ab. Klar ist aber: Das Thema Ausbildungsplätze bleibt für viele junge Menschen in NRW ein echtes Problem, das die Landespolitik in den kommenden Monaten weiter beschäftigen dürfte.
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