Fleischkonsum in Deutschland 2025 gestiegen auf 54,9 kg pro Kopf, doch die DGE empfiehlt nur 300 Gramm pro Woche. Zahlen, Trends und was dahintersteckt.
Fleischerei-Sterben hin oder her – auf unseren Tellern landet trotzdem noch ordentlich Fleisch. Aber: Der Trend zeigt seit Jahren klar nach unten, auch wenn’s zuletzt wieder leicht nach oben ging. Wir zeigen euch, was die Zahlen wirklich sagen und warum das Thema gerade für NRW so spannend ist.
2025 lag der Fleischverzehr pro Kopf bei 54,9 Kilogramm, das sind laut der Plattform This Is Vegan 1,4 Kilogramm mehr als 2024. Am meisten gegessen wird Schweinefleisch mit 28,3 Kilogramm, gefolgt von Geflügel mit 14,7 Kilogramm, einem absoluten Rekordwert. Rind- und Kalbfleisch kommt auf 9,7 Kilogramm. Klingt erstmal nach „alles beim Alten“, ist es aber nicht: Verglichen mit 2011, als noch 63,8 Kilogramm pro Kopf verzehrt wurden, isst Deutschland heute rund 14 Prozent weniger Fleisch.
Die Zahlen stammen aus der Versorgungsbilanz Fleisch der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung, die zwischen Verzehr und Verbrauch unterscheidet. Der Verzehr ist das, was tatsächlich gegessen wird. Der Verbrauch ist höher, weil da auch Knochen, Tierfutter und Verluste mit reinzählen. 2025 lag der Verbrauch pro Kopf bei 76,3 Kilogramm.
Seit dem Tiefstand 2022 mit 52,8 Kilogramm pro Kopf steigt der Verzehr wieder leicht an. Laut This Is Vegan liegt das vor allem an Geflügel: Hähnchen und Pute wurden 2025 weniger teurer als andere Fleischsorten und gelten vielen als günstige, vermeintlich gesündere Alternative. Auch beim Rind ging’s trotz höherer Preise leicht nach oben. Ein Rückfall auf die Werte von vor zehn Jahren ist das aber bisher nicht.
Spannend dabei: Mehr Geflügelkonsum heißt auch deutlich mehr getötete Tiere pro Kilo Fleisch, weil ein Huhn eben viel weniger Fleisch liefert als ein Schwein oder Rind. 2025 wurden in deutschen Schlachtbetrieben laut Statistischem Bundesamt 44,9 Millionen Schweine, 2,8 Millionen Rinder und 697,3 Millionen Hühner, Puten und Enten geschlachtet.
Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung, kurz DGE, hat ihre Empfehlung für den Fleischkonsum im Februar 2024 deutlich nach unten korrigiert. Statt wie früher empfohlen gilt jetzt eine Obergrenze von 300 Gramm Fleisch und Wurst pro Woche für die gesunde Allgemeinbevölkerung. Laut Wikipedia-Eintrag zur DGE entspricht das etwa einem Drittel des tatsächlichen Fleischkonsums von 2022. Die Fachgesellschaft mit Sitz in Bonn hat dafür ein neu entwickeltes mathematisches Modell genutzt, das neben Gesundheit auch Nachhaltigkeit und Umweltbelastung berücksichtigt.
Rechnet man den aktuellen Pro-Kopf-Verzehr von 54,9 Kilogramm aufs Jahr runter, kommt man auf gut 1.050 Gramm Fleisch pro Woche. Das ist das 3,5-Fache dessen, was die DGE eigentlich empfiehlt. Und das, obwohl in diesem Durchschnittswert auch alle Menschen mit drin sind, die gar kein Fleisch essen.
Apropos Verzicht: Laut der Allensbacher Markt- und Werbeträgeranalyse ernähren sich inzwischen rund 8,5 Millionen Menschen in Deutschland vegetarisch oder weitgehend fleischfrei, das sind etwa 11,9 Prozent der Bevölkerung. Rund 1,7 Millionen davon leben sogar vegan. Besonders auffällig: Diese Gruppe ist überdurchschnittlich jung, überdurchschnittlich weiblich und lebt oft in Städten, auch bei uns in NRW dürfte das nicht anders sein.
Fleisch bleibt also erstmal Teil der deutschen Ernährung, so viel steht fest. Aber die Richtung ist klar: weniger, dafür bewusster. Die EU-Kommission rechnet für den gesamten Kontinent mit einem weiter sinkenden Fleischkonsum bis 2035, bei gleichzeitig steigendem Geflügel- und sinkendem Rind- und Schweineanteil. Ob daraus eine dauerhafte Trendwende wird oder der Fleischkonsum wieder steigt, bleibt spannend zu beobachten. Fest steht: Die Zeiten, in denen Fleisch einfach selbstverständlich war, sind vorbei.
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