Nach wochenlanger Schuss-Serie in Bielefeld und Ostwestfalen sitzt ein 19-Jähriger in U-Haft. Die Ermittlungen zu den Hintergründen laufen weiter.
Seit rund drei Wochen sorgt eine Serie von nächtlichen Schüssen in Bielefeld, Gütersloh und Herford für Unruhe. Immer wieder werden Geschäfte, Büros und sogar ein Wohnhaus beschossen. Wie Bild berichtet, geriet Ende September zunächst ein Juweliergeschäft in Bielefeld-Brackwede ins Visier, kurz darauf ein Autohaus. Es folgten Angriffe auf ein Immobilienbüro, eine Autovermietung sowie ein Restaurant. Verletzt wurde bei den Taten bislang niemand, trotzdem wächst bei den Betroffenen die Angst.
Nach Angaben von Bild zählte die Polizei bis vergangene Woche bereits elf Attacken auf sieben Geschädigte. Am 14. Oktober wurde auf eine Shisha-Bar in Gütersloh geschossen, vier Tage später traf es eine Autovermietung in Kirchlengern. Die Polizei Bielefeld bestätigt in einer eigenen Mitteilung, dass am 18. Oktober gegen 03:51 Uhr ein unbekannter Täter den Alarm bei der Autovermietung auslöste – die Ermittlungen dazu liegen bei einer eigens eingerichteten Ermittlungskommission. Auch ein weiterer Juwelier in Gütersloh wurde laut Polizei Bielefeld betroffen: In der Nacht von Donnerstag auf Freitag schoss ein unbekannter Täter gegen 01:50 Uhr mehrfach auf das menschenleere Geschäft an der Moltkestraße und flüchtete anschließend.
Einen möglichen Ermittlungserfolg meldete die Polizei Bielefeld bereits am Donnerstag: Nach intensiven Ermittlungen kam es zur Festnahme eines 19-Jährigen. Wie Bild berichtet, stürmten SEK-Beamte am frühen Donnerstagmorgen die Wohnung des jungen Mannes in Steinhagen im Kreis Gütersloh. Der Deutsch-Syrer sitzt inzwischen in Untersuchungshaft. Ihm werden schwere räuberische Erpressung, Sachbeschädigung und Verstöße gegen das Waffengesetz vorgeworfen. Bei der Durchsuchung konnten die Beamten Beweismittel sicherstellen.
Der stellvertretende Bielefelder Polizeipräsident Wolfgang Niewald wird von Bild mit den Worten zitiert, der große Personaleinsatz und die akribische Ermittlungsarbeit hätten sich ausgezahlt. Die Polizei Bielefeld selbst spricht in ihrer Pressemitteilung von einem Ermittlungserfolg nach Schüssen auf mehrere Geschäfte in Bielefeld, Gütersloh und Kirchlengern.
Auffällig ist laut Bild, dass viele der Opfer türkische Geschäftsleute sind. Nach Erkenntnissen der Ermittler geht es den Tätern nicht um direkte Beute, sondern um Einschüchterung und Erpressung. Bei einem der beschossenen Juweliere soll zuvor eine hohe Geldforderung eingegangen sein. Nach Informationen von Bild steckt hinter der Serie möglicherweise die sogenannte Gen-Z-Mafia – eine Gruppe, der häufig junge, hochkriminelle Täter mit Bezug zur Türkei zugerechnet werden. Diese Verbindung ist aber bislang nicht offiziell bestätigt. Wer tatsächlich hinter den Taten steckt und wie viele Personen beteiligt sind, bleibt weiter unklar.
Auch wenn mit der Festnahme des 19-Jährigen ein Teilerfolg gelungen ist, ist die Serie offenbar noch nicht komplett aufgeklärt. Die Ermittlungen laufen bei der Polizei Bielefeld weiter, mehrere Taten in den vergangenen Wochen zeigen, wie hartnäckig die Täter oder die Tätergruppe vorgegangen sind. Betroffene Geschäftsleute in der Region dürften die Entwicklungen in den kommenden Tagen genau verfolgen.
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