Fast 500.000 Türkinnen und Türken leben in NRW. Zahlen zu Ehen, Geburten und Bildung zeigen, wie eng NRW und die Türkei verbunden sind.
Am 30. Oktober jährt sich das deutsch-türkische Anwerbeabkommen zum 65. Mal. Grund genug, mal genauer hinzuschauen, wie eng NRW und die Türkei eigentlich miteinander verbunden sind. Spoiler: ziemlich eng. Laut dem Statistischen Landesamt IT.NRW lebten Ende 2025 genau 236.240 Türkinnen und 246.795 Türken in Nordrhein-Westfalen. Das entspricht 14,8 Prozent aller Nichtdeutschen im Bundesland. Allein 2025 sind rund 19.200 Menschen aus der Türkei nach NRW gezogen, über 11.000 haben sich einbürgern lassen.
Besonders spannend wird’s beim Blick auf die Eheschließungen: Unter den binationalen Ehen in NRW liegen deutsch-türkische Verbindungen klar vorne. Bei Hochzeiten zwischen deutschen Frauen und ausländischen Männern waren 2025 türkische Männer die häufigste Wahl, mit 1.545 Eheschließungen. Umgekehrt heirateten auch die meisten ausländischen Frauen, die einen deutschen Mann ehelichten, aus der Türkei, hier waren es 754 Fälle. Von insgesamt rund 74.800 Eheschließungen in NRW 2025 hatten zwar bei etwa 85 Prozent beide Partner die deutsche Staatsbürgerschaft, aber die deutsch-türkische Verbindung sticht bei den gemischten Ehen klar heraus.
Auch bei der Geburtenziffer gibt es interessante Zahlen: Türkische Frauen in NRW bekamen 2025 im Schnitt 1,58 Kinder, laut IT.NRW weniger als ausländische Frauen insgesamt (1,88), aber deutlich mehr als Frauen mit deutscher Staatsangehörigkeit (1,21).
Wie sieht’s mit der Sprache zu Hause aus? Laut Mikrozensus sprachen 2025 gut zwei Drittel der türkischen Bevölkerung in NRW-Haushalten neben Deutsch hauptsächlich Türkisch, ein Viertel ausschließlich Türkisch. Nur sieben Prozent gaben an, zu Hause ausschließlich Deutsch zu sprechen.
Im Schuljahr 2025/26 besuchten rund 15.800 Schülerinnen und Schüler mit türkischer Staatsangehörigkeit eine allgemeinbildende Schule in NRW, das sind 0,8 Prozent aller Schüler im Land. An beruflichen Schulen waren es rund 5.100 Schüler beziehungsweise ein Prozent. Auch bei den Azubis mischt die Türkei vorne mit: Mit rund 1.100 neu abgeschlossenen Ausbildungsverträgen 2025 gehört sie zu den Top 5 Herkunftsländern ausländischer Azubis in NRW. An den Hochschulen waren im Wintersemester 2025/26 rund 10.800 Studierende türkische Staatsangehörige, fast die Hälfte von ihnen hat ihre Hochschulzugangsberechtigung sogar in Deutschland erworben.
Anlässlich des Jubiläums gab es auch in Berlin einen Festakt. Bundeskanzler Friedrich Merz würdigte dort die türkischen Gastarbeiterinnen und Gastarbeiter, die laut Deutschlandfunk die industrielle Substanz Deutschlands mit aufgebaut hätten. Gleichzeitig kritisierte Merz, dass Zuwanderer trotz vieler Integrationsanstrengungen teils immer noch wie Fremde behandelt würden. Auch die Migrationsbeauftragte der Bundesregierung, Pawlik, hatte laut Deutschlandfunk im Vorfeld Diskriminierung gegenüber türkischen Menschen in Deutschland angesprochen und der Zeitung Rheinische Post gesagt, wer 120 Prozent geben müsse, um als 100 Prozent zu gelten, sei nicht schlecht integriert, sondern werde schlecht behandelt.
Das Anwerbeabkommen selbst wurde am 30. Oktober 1961 vom Auswärtigen Amt und der türkischen Botschaft in Bonn/Bad Godesberg unterzeichnet. Zwischen 1961 und 1973 kamen dadurch fast 900.000 Menschen zum Arbeiten in die Bundesrepublik und nach Westberlin.
Die Zahlen von IT.NRW zeigen: Die türkische Community prägt NRW bis heute, in Familien, Schulen, Hochschulen und auf dem Arbeitsmarkt. 65 Jahre nach dem Anwerbeabkommen ist klar, dass diese Geschichte längst mehr ist als nur ein Kapitel Vergangenheit, sie ist fester Bestandteil des Alltags in Nordrhein-Westfalen.
Wir informieren dich regelmäßig über aktuelle Nachrichten, Staus und wichtigen Themen - ohne Dich zu nerven!