Theaterpremiere in Bochum: Das Prinz Regent Theater bringt den Roman „Als wir Schwäne waren“ über die Hustadt auf die Bühne. Alle Infos zur Uraufführung.
Bochum hat ein neues Theaterstück, das richtig nah dran ist – nämlich direkt am Ort des Geschehens. Das Prinz Regent Theater hat die Uraufführung von „Als wir Schwäne waren“ auf die Bühne gebracht, nach dem Roman von Behzad Karim Khani. Premiere war am 23. Oktober 2026, Regie führte Antigone Akgün. Und worum geht’s? Um das Aufwachsen zwischen Würde und Wut mitten in der Bochumer Hustadt.
Wie nachtkritik.de berichtet, ist die Hustadt im Bochumer Süden eine Siedlung mit echter Geschichte: Ende der 1960er Jahre als Universitätsrahmenstadt erbaut, wohnten hier erst vor allem Studierende und Angestellte der Ruhr-Uni. Als die in den 1980ern weiterzogen, wurden die Wohnungen größtenteils zu Sozialwohnungen. Heute leben hier Menschen aus etwa 50 Nationen – richtig vielfältig also.
Der Roman ist Khanis zweites Buch nach „Hund, Wolf, Schakal“ und diesmal richtig persönlich: Er erzählt von seiner tatsächlichen Vergangenheit in Bochum. Die Bühnenfassung, textlich bearbeitet von Sabine Reich, teilt die Perspektive auf zwei Stimmen auf – den Ich-Erzähler Reza und seine Mutter, gespielt von Jasmina Musić und Damon Zolfaghari.
Nach Angaben von die-deutsche-buehne.de besteht das Bühnenbild bewusst schmucklos aus Pappkartons und einer großen Leinwand. Die Kartons werden immer wieder umgeschichtet und stellen mal einen Wohnblock, mal einen Fernseher dar. Auf der Leinwand sieht man den Protagonisten durch eine karge Wohnlandschaft oder einen deutschen Wald spazieren – die Videos stammen von Mink Joester. Dazu hört man Stimmen von Migranten-Kindern, die von ihren eigenen Erfahrungen mit „Integration“ erzählen.
Auch Kinder und Erwachsene aus der echten Hustadt haben Passagen eingesprochen, die als Tonaufnahmen im Stück laufen. Das weitet die Perspektive, ohne zu dominant zu werden. Grönemeyer und der VfL Bochum kommen genauso vor wie Werbesprüche aus den Achtzigern und ernstere Themen wie ein Brandanschlag auf libanesische Flüchtlinge.
Der Abend schafft laut die-deutsche-buehne.de Raum für beides: lockere Roggenbrot-Debatten zwischen den Kulturen und Erfahrungen mit Ausländerfeindlichkeit. Ein Beispiel: Ein rotes Ziegelstein-Symbol aus Pappe, das der Protagonist von der Galerie auf die Bühne wirft, steht für ein persisches Sprichwort über Ausgrenzung. Am Ende der Geschichte wird der Heranwachsende mit Drogen erwischt und zu einer Bewährungsstrafe verurteilt – nur eine von vielen Stationen auf dem Weg zwischen zwei Welten.
Regisseurin Antigone Akgün bleibt dabei bewusst behutsam und setzt den Fokus aufs gesprochene Wort, wie nachtkritik.de feststellt. Die Inszenierung dauert eine Stunde und 30 Minuten und kommt ohne Pause aus.
Besonders spannend: Das Prinz Regent Theater hat in dieser Spielzeit eine Außenstelle direkt in der Hustadt. Ein Jahr lang nutzt das Theater die Räume des Stadtteil-Treffs IFAK e.V. und den Brunnenplatz als Spielraum. Das passt natürlich perfekt zum Stoff des Stücks – Theater und Lebensrealität rücken so ganz nah zusammen.
Fazit: „Als wir Schwäne waren“ ist mehr als nur eine Bühnenadaption eines Romans. Es ist ein Stück, das zeigt, wie kompliziert und widersprüchlich das Gefühl von Zugehörigkeit sein kann – und das genau dort spielt, wo die echte Geschichte passiert ist.
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