Neues Online-Portal aus OWL macht Ahnenforschung einfach: Mit KI werden alte Standesamt-Urkunden lesbar und Familien digital vernetzt.
Ihr wolltet schon immer wissen, woher eure Vorfahren eigentlich kommen? Dann haben wir was für euch: Ein neues Online-Portal namens „depeve“ – kurz für Deutsches Personenstandsverzeichnis – macht genau das jetzt richtig easy. Entwickelt hat es Jan Michael Goldberg, ein 31-jähriger Unternehmensberater und Hobbyhistoriker aus dem Kreis Gütersloh. Wie auf der Plattform genealogy.net berichtet wird, wurde Goldberg schon als Jugendlicher durch die Recherche seiner eigenen Familiengeschichte zu dem Projekt inspiriert.
„depeve“ bündelt historische Geburts-, Heirats- und Sterbeurkunden auf einer durchsuchbaren Webseite – zunächst getestet für den Kreis Gütersloh, mittlerweile aber deutlich breiter aufgestellt. Auf depeve.de könnt ihr nach Vorname, Nachname und Ort suchen, es gibt sogar eine erweiterte Suche mit Berufsangaben, Standesamt und phonetischer Namenssuche nach Kölner Phonetik – perfekt, wenn der Nachname eurer Oma im Laufe der Jahrzehnte mal anders geschrieben wurde.
Die Urkunden selbst stammen aus der Zeit seit Einführung der Standesämter in Preußen im Jahr 1874. Alles, was davor passierte, wurde noch von den Kirchen dokumentiert und taucht hier also nicht auf.
Klar ist: Nicht jede Information ist sofort einsehbar. Laut genealogy.net gelten gesetzliche Schutzfristen – Geburtsurkunden werden erst nach 110 Jahren zugänglich, Heiratsurkunden nach 80 Jahren und Sterbeurkunden nach 30 Jahren. Aktuell sind deshalb Todesdaten bis 1938 und Heiratsdaten bis 1899 im System hinterlegt. Für die Daten greift Goldberg auf das Landesarchiv zurück.
Das eigentliche Highlight: Dank künstlicher Intelligenz werden die oft schwer lesbaren, handgeschriebenen Urkunden in lesbaren Text umgewandelt. Und damit nicht genug – alle Personen, die in den Dokumenten auftauchen, also Braut, Bräutigam, Eltern oder Zeugen, werden mit eigenen Profilseiten verlinkt. Dort sammeln sich dann sämtliche Dokumente, in denen diese Person erwähnt wird. Ein integrierter Stammbaum macht es außerdem möglich, direkt zu Eltern, Geschwistern und Kindern zu springen. So entsteht nach und nach ein riesiges Netzwerk der Bevölkerung von damals.
„depeve“ ist als echtes Community-Projekt gedacht. Wie genealogy.net schreibt, können sich Interessierte kostenlos registrieren und aktiv mitwirken – zum Beispiel, indem sie falsch gelesene Namen oder Daten korrigieren oder fehlende Verknüpfungen zwischen Personen ergänzen. Verbesserungen sind dabei sofort für alle anderen Nutzer sichtbar. Goldberg selbst bittet aktiv um Feedback zur Bedienbarkeit der Seite und hofft, dass sein Projekt als Vorbild für ähnliche Portale in ganz Deutschland dienen kann. Als Inspiration für seine Entwicklung nennt er übrigens das Motto „Immer besser!“ des Unternehmens Miele.
Wer jetzt Lust bekommen hat, selbst auf Spurensuche zu gehen: Auf depeve.de könnt ihr direkt loslegen. Neben der klassischen Namenssuche gibt es auch eine Kartenansicht der Standesämter sowie eine Volltextsuche, die alle hinterlegten Urkunden durchforstet – mindestens drei Zeichen solltet ihr dafür aber schon eingeben.
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