Essen hat 50 Stadtteile mit ganz unterschiedlichem Ruf. Wir checken die offiziellen Zahlen zu Bevölkerungsdichte und Fläche und schauen, ob Klischees wirklich…
Jeder kennt das: Sag den Namen eines Stadtteils und sofort hat jeder eine Meinung dazu. Essen hat ganze 50 Stadtteile in neun Stadtbezirken, wie aus der offiziellen Übersicht der Stadt Essen hervorgeht. Von Kettwig bis Katernberg, von Rüttenscheid bis Vogelheim – die Unterschiede zwischen den Vierteln sind riesig. Aber stimmen die Klischees eigentlich, die man so über bestimmte Ecken der Stadt hört? Schauen wir uns die Fakten mal genauer an.
Laut Wikipedia gehört der Stadtbezirk III mit Altendorf, Frohnhausen und Holsterhausen zu den dichtest besiedelten Gebieten der Stadt. Frohnhausen bringt es auf über 32.000 Einwohner bei einer Fläche von nur 3,62 Quadratkilometern – das macht über 9.000 Menschen pro Quadratkilometer. Auch Altendorf ist mit knapp 9.300 Einwohnern pro Quadratkilometer ordentlich vollgepackt. Solche Viertel haben oft mit dem Image zu kämpfen, „problematisch“ zu sein, einfach weil hier auf engem Raum viele Menschen leben.
Ganz anders sieht es auf der Essener Ruhrhalbinsel aus. Der Stadtbezirk VIII mit Heisingen, Kupferdreh, Byfang und Überruhr kommt nur auf 1.553 Einwohner pro Quadratkilometer. Noch grüner und ruhiger wird es im Bezirk IX rund um Werden, Kettwig und Bredeney: Hier leben gerade mal 967 Menschen pro Quadratkilometer. Diese Stadtteile gelten traditionell als die „guten“ Adressen Essens – mit entsprechend besserem Ruf.
Die Stadt Essen selbst stellt über ihr Portal „Ein Blick auf Stadtteile“ detaillierte Datenblätter zu jedem einzelnen Viertel zur Verfügung. Dort lassen sich die Zahlen für jeden Stadtteil im Vergleich zum jeweiligen Stadtbezirk und zur Gesamtstadt einordnen. Genau das ist wichtig, wenn man über Stadtteile mit schlechtem Ruf sprechen will: Eine hohe Bevölkerungsdichte allein sagt noch nichts darüber aus, wie lebenswert ein Viertel wirklich ist.
Nehmen wir das Südostviertel in der Essener Innenstadt. Mit über 13.000 Einwohnern pro Quadratkilometer ist es sogar noch dichter besiedelt als Frohnhausen oder Altendorf. Trotzdem denkt bei „Südostviertel“ nicht jeder sofort an Probleme – viele verbinden damit vor allem die Nähe zur City. Das zeigt: Der Ruf eines Stadtteils hängt von viel mehr ab als nur von Einwohnerzahlen pro Quadratkilometer.
Essen ist eben eine Stadt der Gegensätze. Während Altenessen-Nord und Altenessen-Süd zusammen auf über 44.000 Einwohner kommen und zu den bevölkerungsreichsten Gegenden zählen, gibt es mit Schuir im Bezirk IX einen Stadtteil mit gerade einmal 1.710 Einwohnern auf 6,72 Quadratkilometern. Das ist quasi dörfliche Idylle mitten im Ruhrgebiet.
Auch Kettwig, erst 1975 eingemeindet, hat mit seinen 18.290 Einwohnern auf 15 Quadratkilometern einen völlig anderen Charakter als die dicht bebauten Innenstadtviertel. Wer durch Essen fährt, merkt schnell: Zwischen Katernberg im Norden und Werden im Süden liegen Welten – nicht nur geografisch, sondern auch was Bebauung, Grünflächen und gefühltes Lebensumfeld angeht.
Ob ein Essener Stadtteil tatsächlich einen schlechten Ruf verdient, lässt sich nicht an einer einzigen Zahl festmachen. Bevölkerungsdichte, Fläche und Einwohnerzahl – all das liefert die offizielle Statistik der Stadt Essen zuverlässig. Was so ein Viertel aber wirklich ausmacht, erfährt man am besten, wenn man selbst mal durchspaziert. Vorurteile halten sich hartnäckig, aber die Fakten zeigen: Essen ist vielfältiger, als mancher Ruf vermuten lässt.
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