Baum in Herne kippt fast auf Wohnhaus: Mieter werfen Vonovia vor, Warnzeichen ignoriert zu haben. Alle Fakten zum dramatischen Feuerwehreinsatz in Herne.
Stellt euch vor, ihr sitzt abends gemütlich zuhause und plötzlich hört ihr ein lautes Knacken vor dem Fenster. Genau das ist einem Anwohner der Teutoburgia-Siedlung in Herne am Mittwochabend gegen 22 Uhr passiert.1 Als er rausschaut, sieht er, wie sich eine riesige Kastanie bedrohlich in Richtung Nachbarhaus neigt. 25 Meter hoch, 70 Zentimeter Durchmesser – das Ding hätte ordentlich Schaden anrichten können.1
Die Feuerwehr musste ran und hatte alle Hände voll zu tun. Weil der Baum so riesig war, wurde extra ein Spezialkran aus Bochum angefordert, der den Baumriesen sichern konnte, während er Stück für Stück zersägt wurde. Über vier Stunden hat der Einsatz gedauert.1 Die Anwohner sind jetzt erleichtert, aber auch richtig sauer.
Und genau hier wird’s spannend: Die Mieter sagen, der Baum sei schon lange morsch gewesen. Sie hätten sich deswegen mehrfach an ihren Vermieter, die Vonovia, gewandt und gefordert, dass die Kastanie gefällt wird.1 Mitten im Jahr soll einer Mieterin bei der Gartenarbeit sogar ein Ast auf den Kopf gefallen sein – mit Platzwunde als Folge. Die Reaktion der Objektleitung soll gewesen sein: Man sei gegen Personenschäden versichert.1 Krass, oder? Der WDR konnte diese Aussage zwar nicht unabhängig bestätigen, aber Vonovia geht in der Stellungnahme auch gar nicht auf diesen Vorwurf ein.1 Stattdessen heißt es nur, man habe zwischen einem herabfallenden Ast und einem umkippenden Baum keinen Zusammenhang gesehen.1
Richtig gruselig wird’s, wenn man sich anschaut, was einen Tag vor dem großen Feuerwehreinsatz passiert ist: Da krachte bereits der erste von zwei Stämmen der Kastanie um – direkt auf einen Sandkasten.1 Hätten dort Kinder gespielt, nicht auszudenken. Eine Anwohnerin war zu diesem Zeitpunkt gerade bei der Gartenarbeit, nur 20 Zentimeter vom Stamm entfernt. „Ich hätte tot sein können“, erzählt sie schockiert.1 Die Objektleiterin habe daraufhin zwar Fotos gemacht und versprochen, sich bald um den Rest des Baumes zu kümmern – richtig schnell ging das aber offenbar nicht.
Die Mieter berichten, dass es jeden Tag im Baum geknarzt und geknackt habe. Sie hatten ein schlechtes Gefühl, denn der Baum sei schon vor Jahren mit einem orangenen Kreuz als morsch markiert worden.1 Vonovia widerspricht dem komplett und schreibt, der Baum sei nie als morsch gekennzeichnet worden.1 Fakt ist aber: Am Stamm wuchsen Pilze – und die gelten oft als Anzeichen dafür, dass ein Baum sich von innen zersetzt.1 Die Mieter fragen sich zurecht, warum Experten das nicht früher bemerkt haben sollten.
Das Wohnungsunternehmen weist die Vorwürfe der Untätigkeit zurück. Laut eigener Aussage lässt Vonovia alle Bäume einmal im Jahr von einem zertifizierten Gutachter checken – die Kastanie sei zuletzt im Juli begutachtet worden, ohne dass Handlungsbedarf festgestellt wurde.1 Nachdem der erste Stamm umkippte, sei sofort ein Notfallauftrag rausgegangen und ein Hubsteiger angefordert worden, wegen der Dunkelheit habe man aber nicht mehr handeln können.1 Vonovia-Sprecherin Christina Jordan sagt: „Wir sind sehr erleichtert darüber, dass niemand beim Umkippen des Baumstämmlings verletzt wurde.“1
Und was sagt die Stadt Herne dazu? Die stellt klar: Es war kein städtischer Baum, die Verantwortung liegt beim Eigentümer – in diesem Fall also bei Vonovia.1 Eine gesetzliche Frist, wie schnell ein Eigentümer bei einem gefährlichen Baum reagieren muss, gibt es laut Stadt nicht.1
Für die Bewohner der Siedlung in Herne ist nach dieser Horrornacht erstmal eine lange Zeit des Bangens vorbei. Die Gefahr durch den morschen Baum ist gebannt. Trotzdem bleibt bei vielen das Gefühl, dass der Vermieter früher auf ihre Sorgen hätte hören müssen. Jetzt hoffen sie zumindest darauf, dass Vonovia für die zerstörten Gartenmöbel aufkommt.1 Ob da noch mehr nachkommt, bleibt abzuwarten – wir halten euch auf dem Laufenden.
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