Das Museum Folkwang in Essen zeigt bis Februar 2027 rund 340 Objekte aus der islamischen Sammlung von Gründer Karl Ernst Osthaus – mit Community-Beirat.
Stellt euch vor, ihr fahrt eigentlich los, um Schnecken und Krebse zu sammeln – und kommt mit einer Leidenschaft fürs Leben zurück. Genau das ist Karl Ernst Osthaus passiert, dem Gründer des Museum Folkwang. Laut Kuratorin Nadine Engel, die der WDR zitiert, reiste Osthaus 1898 nach Tunesien und Algerien und kam dabei erstmals mit der Kultur der Region in Berührung. Ab da war sein „Feuer entfacht“, wie sie es nennt. Das Ergebnis: Noch bevor Werke von Renoir oder van Gogh in seine Sammlung kamen, begann Osthaus auf Reisen durch Nordafrika und Westasien Kunstgewerbe aus dem 4. bis 19. Jahrhundert zusammenzutragen.
Seit dem 6. November 2026 zeigt das Museum Folkwang in Essen unter dem Titel „Nach Damaskus … Karl Ernst Osthaus und die islamischen Künste“, was aus dieser Reiselust wurde. Rund 340 Objekte – Keramiken, Textilien, Metall- und Glasarbeiten – geben laut Museumsangaben Einblick in Osthaus‘ Sammlungspolitik und seinen Blick auf die Kunst der islamisch geprägten Welt. Diese Stücke bildeten einst die „Islamische Abteilung“ des frühen Folkwang in Hagen, die bis etwa 1919 bestand und zu den ersten musealen Sammlungen islamischer Kunst im deutschsprachigen Raum zählt.
Die Schau folgt Osthaus‘ Reiserouten um 1900 und zeichnet wichtige Stationen nach, darunter frühe Ankäufe im Maghreb und im Osmanischen Reich sowie die Beteiligung des Folkwang an der Münchner Ausstellung „Meisterwerke muhammadanischer Kunst“ von 1910. Als besondere Leihgaben kommen eine kostbare Abschrift eines persischen Shāhnāma aus dem 17. Jahrhundert, die normalerweise in Berlin verwahrt wird, sowie ein Gebälkstück des sogenannten Damaskuszimmers aus Dresden nach Essen.
Im Zentrum steht die Frage, wie islamische Kunst im frühen Folkwang-Kontext wahrgenommen und mit europäischer Kunst in Beziehung gesetzt wurde. Laut Museumsangaben treten die historischen Objekte in einen Dialog mit Werken von Henri Matisse, Peter Behrens, Johan Thorn Prikker und Bruno Taut. Fotografien aus dem Umfeld des Folkwang-Verlages zeigen zudem, wie vielfältig die Netzwerke des Museums von Anfang an waren. Ein Schwerpunkt liegt dabei auf den Verbindungen zwischen der Ornamentik islamischer Textilien und Architekturkeramik und moderner Gestaltung. Eine zeitgenössische Position bringt die palästinensisch-saudische Künstlerin Dana Awartani ein, deren Arbeit einen aktuellen Blick auf die historischen Sammlungs- und Ausstellungskonzepte eröffnet.
Besonders spannend ist, wie das Museum die Ausstellung begleitet hat. Wie der WDR berichtet, hat das Museum Folkwang einen Community-Beirat namens „Critical Friends“ mit 15 Mitgliedern gegründet. Sie stammen aus Ländern, die Osthaus einst bereiste – etwa Tunesien, Ägypten oder Syrien – und damit auch aus den Herkunftsländern vieler Exponate. Lena Alekuseiduranie, deren Familie aus Syrien stammt, ist Teil dieses Beirats. Sie berichtet laut WDR, dass sie viel Mitspracherecht hatte und ihre Ideen einbringen konnte, etwa bei einer Sitzecke in der Ausstellung.
Herzstück ist ein zentraler Raum mitten in der Ausstellung mit einem großen Teppich und Sitzhockern, der zur Begegnung einladen soll. Nach Angaben des WDR ist das Ziel, mit der Kunst Verständnis für die islamische Community zu schaffen und Menschen aus den Herkunftsländern dazu einzuladen, sich im Museum repräsentiert zu fühlen.
Die Ausstellung ist laut Museum Folkwang das Ergebnis umfangreicher Forschung, mit der seit 2019 der Bestand der ehemaligen „Islamischen Abteilung“ erschlossen wird. Dank Förderungen des Landes Nordrhein-Westfalen konnten die Objekte bis 2026 restauriert und konserviert werden. Begleitet wird die Schau von einer umfangreichen Publikation mit rund 30 Beiträgen, die die Sammlung in die internationale Museumspraxis einordnen. Unterstützt wird das Projekt unter anderem von der Art Mentor Foundation Lucerne, der Kulturstiftung der Länder und der Kunststiftung NRW.
„Nach Damaskus … Karl Ernst Osthaus und die islamischen Künste“ läuft noch bis zum 21. Februar 2027 im Museum Folkwang in Essen. Der Eintritt kostet 14 Euro regulär und 10 Euro ermäßigt. Geöffnet ist dienstags bis sonntags von 10 bis 18 Uhr, donnerstags und freitags sogar bis 20 Uhr. Montags bleibt das Museum geschlossen.
Wir informieren dich regelmäßig über aktuelle Nachrichten, Staus und wichtigen Themen - ohne Dich zu nerven!