Einer der größten Waffenfunde Deutschlands: Prozess um Waffenlager aus Remscheid beginnt heute in Wuppertal.
Nach dem Fund eines der größten illegalen Waffenlager der vergangenen Jahrzehnte in Remscheid beginnt diese Woche der Gerichtsprozess gegen drei angeklagte Männer. Die Durchsuchung des Gebäudekomplexes in der Remscheider Innenstadt brachte ein riesiges und verstecktes Waffenarsenal ans Licht, das laut Staatsanwaltschaft das Sicherheitsrisiko für Deutschland deutlich macht.
Der Prozess startet am Montag im Landgericht Wuppertal. Drei Männer stehen wegen Verstößen gegen das Kriegswaffenkontrollgesetz und das Waffengesetz vor Gericht. Sie müssen sich für das Lagern und den mutmaßlichen Handel mit Kriegswaffen und anderen illegalen Waffen verantworten. Laut Staatsanwaltschaft drohen ihnen bis zu zehn Jahre Haft. Der Prozess ist bis zum 23. September mit insgesamt zehn Verhandlungstagen angesetzt (ZEIT ONLINE).
Bei tagelangen Durchsuchungen mit rund 200 Einsatzkräften wurden mehr als 300 scharfe Schusswaffen sichergestellt: darunter 125 Maschinengewehre, 67 Maschinenpistolen, 51 Pistolen, 32 Langwaffen (u.a. Präzisionsgewehre), 11 Revolver, 13 Panzerabwehrwaffen und 38 Handgranaten sowie fast 100.000 Schuss Munition. Die Ermittler entdeckten die Waffen in geheimen Kellerräumen, die durch versteckte Türen und Mechanismen besonders getarnt waren.
Die Angeklagten sind ein inzwischen 60-Jähriger, sowie zwei Mitangeklagte im Alter von 38 und 35 Jahren. Die Staatsanwaltschaft wirft dem Hauptangeklagten vor, die Waffen zum Verkauf gelagert zu haben. Er selbst behauptete jedoch gegenüber den Ermittlern, der Großteil sei Teil seiner privaten Sammlung gewesen und er hätte nur einzelne Stücke weiterverkauft. Laut Anklage soll er dem 38-Jährigen sechs Maschinenpistolen und einen Revolver samt Munition verkauft haben. Gemeinsam mit dem 35-Jährigen wurden Teile davon weiterveräußert. Ein Teil der Waffen landete offenbar durch verdeckte Ermittlungen in polizeilichen Händen, was die Ermittlungen ins Rollen brachte (FAZ).
Laut Ermittlungen war das Waffenarsenal in teils schwer zugänglichen, als Museum getarnten Kellerräumen versteckt. Neben Kriegswaffen wurden Uniformen, Fotografien und Propagandamaterial aus dem Zweiten Weltkrieg gefunden. Zwar konnten keine Hinweise auf rechtsextreme Gesinnungen festgestellt werden, dennoch betonte die Staatsanwaltschaft die große Gefahr für die öffentliche Sicherheit durch Menge und Art der sichergestellten Waffen. Mit den Handgranaten und Panzerabwehrwaffen hätte laut Oberstaatsanwalt eine große Zahl an Menschen verletzt oder getötet werden können.
Der Fund und die Entdeckung verdeckter Waffenräume verdeutlichen, wie bedeutend verdeckte und professionelle Ermittlungen für die Sicherheit im Land sind. Das Bundeskriminalamt stuft den illegalen Waffenhandel als eine der gravierendsten Bedrohungen der inneren Sicherheit ein. Der Fall zeigt aber auch die Wirksamkeit der Zusammenarbeit zwischen Polizei, Staatsschutz und Gerichten in Nordrhein-Westfalen.
Der Prozess in Wuppertal wird mit großer Aufmerksamkeit verfolgt. Eine umfassende juristische Aufarbeitung und abschließende Bewertung des Falls ist erst nach Ablauf der zehn angesetzten Verhandlungstage zu erwarten. Die Verteidiger der Angeklagten haben sich bislang nicht zu den konkreten Vorwürfen geäußert (Antenne Düsseldorf).
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