Schriftsteller Navid Kermani rechnet mit Köln ab: Kulturmetropole nur im Selbstbild? Warum die Stadt laut ihm massiv an Boden verliert und was das für NRW…
Köln gilt vielen als eine der lebendigsten Städte in NRW – voller Kultur, Geschichte und Energie. Doch ein renommierter Schriftsteller stellt genau dieses Bild jetzt infrage. Und seine Kritik sitzt tief.1
Navid Kermani – er liebt Köln, keine Frage. Aber genau deshalb nimmt er kein Blatt vor den Mund. In einer scharfen Abrechnung beschreibt er eine Stadt, die sich selbst für eine Kulturmetropole von internationalem Rang hält – und dabei den Blick für die Realität verloren hat.1
Kermani nutzt dabei ein treffendes Bild: Er vergleicht Kölns Selbsteinschätzung mit einem Salto rückwärts, den man als Kind beherrschte. Gefühlt kann man ihn immer noch. Aber eben nur gefühlt. Und genau das trifft es für ihn auf den Punkt: Köln fühlt sich wie eine Weltstadt an – ist es aber längst nicht mehr in dem Maße, wie die Stadt selbst glaubt.1
Was Kermani besonders kritisiert: Verwaltung und Politik irrlichterten zwischen phantasielosen Spardebatten und der gleichzeitigen Schließung aller wichtigen Museen hin und her. Statt Kulturpolitik mit echtem Gestaltungswillen gebe es eine lieblose Mangelverwaltung – und das in einer Stadt, die sich nach außen als Event-Metropole vermarktet.1
Denn genau da liegt für ihn das Problem: Köln hat sich als Event-Stadt positioniert. Große Partys, Karneval, Messen – das alles funktioniert. Aber was ist mit den Museen, den Sammlungen, den einzigartigen Sakralbauten, der vitalen Musik- und Kulturszene? Ohne all das, fragt Kermani, was bleibt dann eigentlich von Köln?1
Die Konsequenzen dieser Entwicklung seien laut dem Schriftsteller für das Stadtbild fatal. Eine Stadt, die im Kulturbereich massiv an Boden verliert, verliert nicht nur Prestige – sie verliert ihren Anschluss an die wirklich großen europäischen Kulturmetropolen. Und das schleichend, fast unbemerkt, weil das Selbstbild der Stadt so hartnäckig ist wie ein alter Reflex.1
Was Kermanis Kritik so stark macht: Sie kommt nicht von einem Feind der Stadt, sondern von jemandem, dem Köln wirklich am Herzen liegt. Das macht seinen Appell umso lauter. Als Menschen in NRW kennen wir das Gefühl, auf unsere Städte stolz zu sein – und das ist auch gut so. Aber vielleicht ist genau jetzt der richtige Moment, um ehrlich hinzuschauen: Hält das, was wir von unseren Städten denken, auch dem zweiten Blick stand?1
Köln hat definitiv das Potenzial, eine echte Kulturmetropole zu sein. Aber dafür braucht es mehr als ein gutes Selbstgefühl – es braucht echten Mut zu Investitionen, offene Museen und eine Kulturpolitik, die diesen Namen verdient. Die Debatte, die Kermani angestoßen hat, ist jedenfalls längst überfällig.1
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