Leverkusens OB Hebbel fordert vier Autospuren auf der Mülheimer Brücke – die Leverkusener Grünen widersprechen. Was hinter dem regionalen Streit steckt.
Die Mülheimer Brücke sorgt gerade für jede Menge Gesprächsstoff – und das nicht nur in Köln. Nachdem wir euch in einem früheren Beitrag bereits über die geplante Nachtsperrung Ende Juli informiert haben, gibt es jetzt eine neue Entwicklung: Leverkusens Oberbürgermeister Stefan Hebbel (CDU) mischt sich in die Kölner Verkehrsdiskussion ein – und das ziemlich deutlich.1
Im Kölner Stadtrat fordern die Grünen mit einem Antrag, dass nach der laufenden Sanierung der Mülheimer Brücke jeweils eine Fahrspur pro Richtung für den Radverkehr reserviert werden soll. Auch Kölns Verkehrsdezernent Ascan Egerer will das prüfen lassen.1 Damit würden künftig nur noch zwei Autospuren statt vier übrig bleiben.
Und genau da hört für Leverkusens OB Hebbel der Spaß auf. Er ließ über eine Mitteilung seiner Stadtverwaltung ausrichten: „Die Mülheimer Brücke hat eine zentrale Bedeutung für die Verkehrsanbindung Leverkusens. Verkehrsströme enden nicht an Stadtgrenzen, weshalb Entscheidungen über die Verkehrsinfrastruktur in Köln auch erhebliche Auswirkungen auf Leverkusen haben.“1 Hebbel spricht sich klar für vier Kfz-Spuren aus – Radfahrstreifen auf der Fahrbahn? Nein danke.
Die Leverkusener Grünen lassen Hebbels Vorstoß nicht einfach so stehen. Fraktionsvorsitzende Claudia Wiese kontert: „Der Antrag der Kölner Grünen ist ein wichtiger Impuls, jahrzehntelang gewachsene Verkehrsstrukturen in einer Großstadt neu zu denken. Davon kann auch Leverkusen profitieren.“1 Ihr Argument: Wer in Radverkehr und ÖPNV investiert, entlastet am Ende auch die Straßen für alle, die wirklich auf ihr Auto angewiesen sind. Mobilität ende eben nicht an Stadtgrenzen – in beide Richtungen gedacht.
Was dabei gerne vergessen wird: Die Mülheimer Brücke ist gerade für Radfahrende aus Leverkusen die wichtigste Route über den Rhein und in die Kölner Innenstadt.1 Und der Radverkehr zwischen den beiden Städten hat dem Anschein nach in diesem Jahr deutlich zugenommen – möglicherweise befeuert durch ausgebaute Radwege entlang der Bundesstraße 8, die Ausweisung der Düsseldorfer Straße in Mülheim als Fahrradstraße sowie den hohen Benzinpreis.1
Während der laufenden Generalsanierung – die seit April 2018 läuft und am Ende mehr als eine halbe Milliarde Euro kosten wird – müssen sich Radfahrende und Fußgänger aktuell einen sehr schmalen Streifen teilen.1 Auch die bereits bekannte Nachtsperrung vom 30. auf den 31. Juli (22 Uhr bis 5 Uhr) betrifft den Kfz-Verkehr – Fahrräder, Stadtbahnen und Fußgänger sind davon nicht betroffen, der Autoverkehr wird über die Zoobrücke umgeleitet.2
Die Debatte ist noch lange nicht entschieden. Klar ist: Was auf der Mülheimer Brücke nach der Sanierung passiert, ist keine rein Kölner Angelegenheit mehr. Ob am Ende Autos oder Räder mehr Platz bekommen – das dürfte die Region noch eine Weile beschäftigen. Wir halten euch auf dem Laufenden!
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