Am Kölner Brüsseler Platz eskaliert der Streit zwischen Gastronomie, Anwohnern und Stadt. Die IG Kölner Gastro fordert jetzt endlich politische Führung statt…
Sommerabende, kühle Drinks, gute Musik – der Brüsseler Platz in Köln ist seit Jahren eine der angesagtesten Adressen für alle, die das Kölner Nachtleben lieben. Aber hinter der Party-Fassade brodelt es gewaltig. Anwohner wollen schlafen, Wirte wollen Umsatz machen – und die Stadt Köln steckt mittendrin in einem juristischen Dauerstreit, der jetzt eskaliert ist.1
Das Verwaltungsgericht Köln hat kürzlich entschieden, dass der Betrieb Hallmackenreuther seine Außengastronomie vorläufig weiterhin bis 24 Uhr offen halten darf. Die von der Stadt angeordnete Sperrstunde ab 22 Uhr wurde als fehlerhaft begründet eingestuft.1
Das Problem mit den Gutachten, auf die sich die Stadt stützte: Laut Gericht wurde nicht sauber nachgewiesen, ob der nächtliche Lärm wirklich von der Außengastronomie der Betriebe stammt – oder von Gruppen, die einfach über den Platz ziehen. Außerdem fehle der Nachweis, dass eine Schließung um 22 Uhr wirklich alternativlos sei.1
Wichtig dabei: Das Urteil ist vorläufig und gilt zunächst nur für den klagenden Betrieb. Das Hauptverfahren steht noch aus.1
Die IG Kölner Gastro schaltet sich jetzt mit einer klaren Forderung ein. Geschäftsführerin Maike Block bringt es auf den Punkt: „Wer den Brüsseler Platz ausschließlich Gerichten überlässt, hat die politische Gestaltung dieses Konflikts längst aufgegeben.“1
Was die Betreiber besonders stört: der Wettbewerbsnachteil. Alpay Özgül vom C.C. Kowalski sagt, dass wenige Meter entfernt – etwa auf der Aachener Straße – Außengastronomie bis Mitternacht möglich sei. Am Brüsseler Platz müssen Gäste hingegen um 22 Uhr nach drinnen. Gerade im Sommer, wenn viele erst spät kommen, ein echter Umsatz-Killer.1
Wilke Stroman vom Restaurant rosa bringt es so auf den Punkt: Lebendiges Stadtleben rechts und links des Platzes bis Mitternacht – „aber ausgerechnet hier“ zwei Stunden früher Schluss. Das sei weder für Gäste noch für die Betriebe nachvollziehbar.1
Die IG Kölner Gastro fordert deshalb einen moderierten Runden Tisch – mit Politik, Verwaltung, Anwohnern und Gastronomen. Ziel: eine langfristige, tragfähige Lösung, die alle Seiten mitnimmt.1
Bis dahin pocht die IG auf eine einheitliche Übergangsregel für alle Betriebe am Platz. Christian Becker von Tante Kurt macht deutlich: „Es kann nicht die Lösung sein, dass nun jeder einzelne Betrieb sein Recht selbst einklagen muss.“1
Und Block ergänzt: Seit Jahren werden Entscheidungen getroffen, die anschließend vor Gericht keinen Bestand haben. Das schaffe weder Rechtssicherheit noch Planungssicherheit – und fresse enorme personelle und finanzielle Ressourcen.1
Dabei ist die Stadt Köln selbst in der Zwickmühle: Einerseits hat ein Gericht ein Zwangsgeld festgesetzt, weil Köln die Verpflichtung aus einem OVG-Urteil von 2023 zum Einschreiten gegen nächtlichen Lärm ab 22 Uhr noch nicht ausreichend erfüllt habe. Andererseits kippen pauschale Sperrzeiten vor Gericht, wenn die Begründung nicht wasserdicht ist.1
Heißt konkret: Die Stadt soll die Nachtruhe schützen – darf dabei aber keine schlampig begründeten Verfügungen erlassen. Ein echter Spagat.1
Das „Prozess-Karussell“, wie die IG Kölner Gastro es nennt, hilft niemandem: nicht den Anwohnern, nicht den Wirten und nicht der Stadt. Block fasst es zusammen: „Der Brüsseler Platz braucht kein weiteres Urteil. Er braucht endlich politische Führung.“1
Ob Köln diese Führung jetzt endlich liefert? Das bleibt abzuwarten. Bis dahin bleibt einer der coolsten Plätze der Stadt das, was er gerade leider ist: ein Pulverfass.
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