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Vom Kaninchen zum Elefanten: Die Traumtierärtzin des Kölner Zoos
28. Juli 2026

Sandra Marcordes ist leitende Tierärztin im Kölner Zoo und betreut rund 800 Arten. Wie sie ihren Kindheitstraum wahr gemacht hat, erfährst du hier.

Mit fünf Jahren wusste sie es schon

Manche Menschen träumen als Kind davon, Tierärztin zu werden – und vergessen es wieder. Sandra Marcordes nicht. Schon mit fünf oder sechs Jahren stand für sie fest, was sie mal werden will. Und heute? Ist sie leitende Tierärztin im Kölner Zoo – und das seit ganzen zehn Jahren. Ein Traumjob, den sie sich mit echtem Biss erkämpft hat.1

Die erste Bewährungsprobe kam früh: Mit elf Jahren schrieb sie einen wissenschaftlichen Aufsatz, um ihre Eltern davon zu überzeugen, ihr ein Kaninchen zu erlauben. Denn die wollten ursprünglich keine Haustiere. Der Aufsatz überzeugte – und Sandra bekam ihr Kaninchen. Wen wundert’s also, dass sie heute zu Hause Katzen, Vögel aus Madagaskar und – natürlich – Kaninchen hält?1

Von der Fossa bis zum Elefantenbullen

Wer denkt, eine Zootierärztin hat einen überschaubaren Job, liegt ziemlich daneben. Sandra Marcordes kümmert sich zusammen mit ihrer Kollegin Elisabeth Hembach um 11.000 bis 12.000 Tiere und rund 800 Arten. Vom fünf Gramm leichten Gecko über Orang-Utans, Leoparden und Schlangen bis hin zum 4.500 Kilo schweren Elefantenbullen Tarak – alles landet auf ihrem Behandlungstisch.1

„Ich bin das Gegenteil von einer Spezialistin“, sagt sie selbst. Und das stimmt im besten Sinne: Ihre Doktorarbeit schrieb sie über Narkosen für Fossas – eine Raubtierart, die es nur auf Madagaskar gibt. Für bestimmte Operationen, vor allem bei Menschenaffen, zieht sie Humanmediziner hinzu. Und wenn der Geißbock Hennes der IX. schwächelt? Dann sind externe Experten gefragt. „Hennes genießt bei uns Sonderrechte“, sagt sie lachend.1

Ein Tag im Zoo – kein Tag ist wie der andere

Was ein normaler Arbeitstag so bringt? An einem heißen Julimorgen zum Beispiel: 33 Enten aus den Niederlanden entwurmen, die wegen nicht artgerechter Haltung beschlagnahmt wurden. Dann kommt ein Anruf aus dem Aquarium – eine Langnasennatter hat Hautprobleme. Die 211 Gramm leichte Schlange bekommt eine Vitamin-A-Spritze, weil ein Mangel des Vitamins das Häuten erschwert. Und im Keller des Aquariums badet eine Schildkröte mit einem Loch im Panzer in schwarzem Tee – die Gerbstoffe helfen beim Nachwachsen des Panzers.1

Klingt wild? Ist es auch. Aber genau das macht den Job aus.

Artenschutz ist ihr Herzensthema

Für Sandra Marcordes steht ihre Arbeit „immer im Zeichen des Artenschutzes“. Sie ist überzeugt: Zoos sind notwendig – nicht nur zur Haltung von Wildtieren, sondern auch zur Zucht und Aufklärung. Denn der Mensch hat viele Lebensräume der Wildtiere zerstört und gefährdet sie weiterhin.1

Ihr wissenschaftlicher Anspruch geht dabei weit über den Kölner Zoo hinaus: Aktuell arbeitet sie mit 60 Kolleginnen und Kollegen an einem Standardwerk zur Behandlung von Wildtieren. Blutwerte, Hormonwerte und Erkenntnisse aus Operationen werden über das „Zoologische Informations-Management-System“ (ZIMS) mit Tierparks weltweit geteilt. Marcordes hat zum Beispiel Tapire gegen Mykobakterien behandelt – etwas, das zuvor noch keine Tiermedizinerin getan hatte.1

Beliebt? Eher nicht – und das ist ihr egal

Die Tierärztin macht sich keine Illusionen darüber, wie ihre Patienten sie sehen: „Wir Tierärzte galten immer als unbeliebteste Mitarbeiter im Zoo, weil wir den Tieren Spritzen geben und Dinge tun, die wehtun können.“ Seit viele Säugetiere mit Belohnungen trainiert werden, wenn sie stillhalten sollen, hat sich das etwas gebessert. Aber ihr ist das ohnehin egal: „Ich bin nicht Tierärztin geworden, um besonders beliebt bei meinen Patienten zu sein.“1

Vor zehn Jahren wechselte sie vom Duisburger Zoo nach Köln – und hat ihren Traumjob gefunden. Verheiratet ist sie mit dem Vogelkurator des Zoos, Bernd Marcordes. Die Hochzeitsreise? Natürlich durch sieben Zoos in Indonesien, inklusive Orang-Utan-Beobachtung im Regenwald. Manche leben ihren Traum einfach zu 100 Prozent – Sandra Marcordes ist so eine.1

Quellen

  1. Kölner Zoo: Die Frau, die schon als kleines Mädchen Tierärztin werden wollte – und sich den Traum erfüllte – Kölnische Rundschau


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