Neue Rekord-Tiefstände am Rhein: In Köln, Bonn, Düsseldorf und Rees wurden historische Niedrigwasser-Werte gebrochen.
Erinnert ihr euch noch, als wir über den historischen Tiefstand des Rhein-Pegels in Köln berichtet haben? Jetzt müssen wir das Thema leider erneut aufgreifen – denn die Lage hat sich nochmal deutlich verschärft. Die anhaltende Trockenheit sorgt in NRW gerade für Zustände, die so noch nie dagewesen sind.1
Gleich vier neue Pegeltiefstand-Rekorde wurden am Rhein gebrochen: in Köln (Freitagabend), in Bonn und Rees (bis Samstagmorgen) sowie in Düsseldorf (Samstagvormittag). In Duisburg-Ruhrort wurde außerdem der bisherige Rekordwert erneut erreicht. Und in Wesel und Emmerich fehlen nur noch ein paar Zentimeter bis zum absoluten Tiefststand.1
Mitten im Rhein bei Leverkusen liegen drei Schiffe: „Einigkeit“, „Recht“ und „Freiheit“. Sie bilden gemeinsam eine sogenannte Schiffsbrücke in der ehemaligen Wuppermündung. Was in den vergangenen Sommern schon dramatisch aussah, ist in diesem Jahr noch extremer. Selbst der mittlere Aalfänger „Recht“ sitzt jetzt komplett auf dem Trockenen. Wo früher zumindest noch eine Pfütze unter dem Rumpf stand, sieht man heute nur noch ausgetrockneten Boden.1
Der Grund für all das: Der Juli war in NRW der trockenste seit Beginn der Wetteraufzeichnungen – und die Flüsse leiden massiv darunter.1
Für die Binnenschifffahrt bedeuten die Niedrigwasserstände echten Stress. Eine behördliche Sperrung des Rheins gibt es laut Fabian Spieß, stellvertretendem Geschäftsführer des Verbands der Deutschen Binnenschifffahrt (BDB), zwar „in aller Regel“ nicht – aber die Schiffe müssen mit deutlich reduzierter Ladung fahren, um durch die Fahrrinnen zu kommen.1
Das klingt erstmal nicht so schlimm, hat aber direkte Folgen: Für die gleiche Menge Fracht werden mehr Schiffe gebraucht, die Kosten steigen. Laut Martin Wolters vom Wasser- und Schifffahrtsamt Rhein seien Industrie und Schifffahrt aber vorbereitet. Der Rhein ist schließlich eine der wichtigsten Transportachsen Europas – pro Jahr werden Hunderte Millionen Tonnen Güter von Basel bis Rotterdam transportiert.1
Auch der Tourismus bekommt die Konsequenzen des Niedrigwassers zu spüren. Die Köln-Düsseldorfer Deutsche Rheinschiffahrt muss wegen des niedrigen Pegels bei mehreren Anlegestellen Ausfälle und Fahrplanänderungen hinnehmen. Beim Feuerwerk „Kölner Lichter“ musste ebenfalls umgeplant werden: Statt der geplanten 26 Schiffe waren nur noch 15 im Einsatz.1
Private Bootsführer stecken größtenteils in ihren Yachthäfen fest und können diese nicht mehr verlassen. Ein Restaurant-Schiff im Yachthafen Oberwinter liegt sogar komplett auf dem Trockenen. Und die Freizeitkapitäne rechnen nicht damit, dass sich die Lage in den nächsten zwei Wochen deutlich verbessert.1
Betroffen sind außerdem die kleineren Flüsse in NRW. Der Kanu-Verband NRW bietet auf seiner Website einen Pegeldienst an – und der zeigt ein ernüchterndes Bild: Sieg, Dhünn, Ahr, Lenne, Diemel und viele weitere Kleinflüsse haben Pegelstände, die fürs Paddeln schlicht zu niedrig sind. Befahrbar war zuletzt nur das Rur-Staubecken bei Heimbach.1
Der aktuelle Tiefstand ist kein Einzelfall – er reiht sich in eine Serie extremer Niedrigwasser-Ereignisse ein, die NRW und ganz Europa in den letzten Jahren immer wieder treffen.2 Die Kombination aus Rekordhitze, ausbleibendem Regen und steigender Nachfrage nach Rheinwasser macht die Lage jedes Mal ein Stück dramatischer. Wer in den nächsten Wochen einen Ausflug ans Wasser plant: Schaut vorher unbedingt auf die aktuellen Pegelstände – und rechnet mit Einschränkungen.1
Wir informieren dich regelmäßig über aktuelle Nachrichten, Staus und wichtigen Themen - ohne Dich zu nerven!