Die Haltestelle am Kölner Hansaring gilt als ekligste der Stadt. Jetzt haben Stadt, KVB, DB und AWB gemeinsam geputzt – und weitere Aktionen sind bereits…
„Hotel Crystal Meth“ – so nennen die Reinigungsteams die U- und S-Bahn-Haltestelle am Kölner Hansaring intern. Und ehrlich gesagt: Der Name sagt eigentlich alles. Überfüllte Mülleimer, dreckige Sitzbänke, weggeworfene Spritzen und in manchen Ecken ein Uringeruch, der einem die Nase zuhält. Die Haltestelle am Hansaring gilt als eine der ekligsten in ganz Köln.1
Der Hintergrund: Seitdem die Drogenszene rund um den Neumarkt verdrängt wird, haben sich immer mehr Suchtkranke am Hansaring niedergelassen. Verwinkelte Ecken, überdachte Abgänge und unterirdische Bahnsteige machen den Ort für Drogenabhängige attraktiv – und für alle anderen zunehmend unangenehm.1
Die Stadt Köln hat das Problem erkannt und am Dienstag eine große Putzaktion gestartet. Gemeinsam mit den Kölner Verkehrsbetrieben (KVB), der Deutschen Bahn und den Kölner Abfallwirtschaftsbetrieben (AWB) wurde hier medienwirksam saubergemacht.1
Dass der Hansaring so schwer in den Griff zu kriegen ist, liegt auch an der unübersichtlichen Zuständigkeit: Für das S-Bahn-Gleis ist die Deutsche Bahn verantwortlich, die Ab- und Aufgänge fallen in den Bereich der AWB – und im U-Bahn-Bereich ist die KVB zuständig. Drei verschiedene Unternehmen, ein riesiges Problem.1
Allein die KVB gibt rund drei Millionen Euro im Jahr aus, um ihre Haltestellen zu reinigen. Alexandra Rohlmann, Finanzvorständin der KVB, bringt das Dilemma auf den Punkt:
„Was es so schwierig macht, ist dass binnen kurzer Zeit innerhalb von 24 Stunden Graffiti und Vandalismus wieder da sind, als ob vorher gar nicht gereinigt wurde. Es ist wirklich eine Sisyphusarbeit.“1
Und genau das ist das frustrierende an der ganzen Sache: Kaum ist geputzt, sieht es kurz darauf schon wieder aus wie vorher. Trotzdem wollen Stadt, KVB, Deutsche Bahn und AWB nicht aufgeben und weiter gemeinsam dranbleiben.
Kölns Oberbürgermeister Torsten Burmester (SPD) war bei der Aktion selbst mit dabei und machte klar, dass es sich dabei nicht um eine einmalige PR-Aktion handeln soll:
„Es ist wichtig, wie wir selber mit unserer Stadt umgehen, gemeinsam für Sauberkeit sorgen und dann nicht nachlassen in dem Bemühen, nicht nur einmalig hier, sondern das ist eine Daueraufgabe für uns alle.“1
Sauberkeit sei dabei nicht nur eine Frage der Optik – sie wirke sich direkt auf das Sicherheitsgefühl der Fahrgäste aus. Ein Punkt, den wohl die meisten von uns nachvollziehen können: Wer sich an einer Haltestelle unwohl fühlt, meidet sie lieber.
Der Hansaring war erst der Anfang. Die nächste gemeinsame Putzaktion ist bereits geplant – als nächstes soll der Bahnhof Ehrenfeld gründlich unter die Lupe genommen werden. Auch dort sieht es laut Berichten nicht viel besser aus.1
Langfristig setzt Oberbürgermeister Burmester außerdem auf das neue Suchthilfezentrum am Perlengraben. Er hofft, dass das Angebot dazu beitragen wird, die Situation in und an den Kölner Haltestellen spürbar zu verbessern.1
Bleibt zu hoffen, dass aus dem „Hotel Crystal Mess“ irgendwann wieder eine ganz normale Haltestelle wird – wo man einfach nur auf seine Bahn wartet.
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