34 ukrainische Waisenkinder aus Polizeifamilien verbringen drei Wochen in NRW und machen Halt in Köln. Die IPA organisiert die bewegende Ferienfreizeit.
Manche blödeln miteinander, andere zücken schnell ihr Handy für ein Selfie. Wer die Gruppe vor dem Kölner Dom beobachtet, könnte sie fast für eine ganz normale Reisegruppe halten – wären da nicht die auffälligen gelb-blauen Farbakzente in der Kleidung. Doch hinter den lachenden Gesichtern stecken Geschichten, die einem das Herz schwer machen. 34 Kinder im Alter von vier bis 14 Jahren aus ukrainischen Polizeifamilien verbringen drei Wochen in NRW – auf Einladung der International Police Association (IPA). Ihre Väter sind tot, schwer verwundet oder befinden sich in Kriegsgefangenschaft.1
Die ukrainische Botschaft hatte im vergangenen Jahr das Bundesinnenministerium gefragt, ob Deutschland den Kindern und ihren Familien eine Auszeit ermöglichen könne. Das Ministerium gab die Anfrage an die Bundesländer weiter – und die IPA in NRW machte es möglich. Es ist bereits die zweite Ferienfreizeit, die die Berufsvereinigung von Polizisten organisiert. Finanziert wird die Reise, die bis zu 35.000 Euro kostet, hauptsächlich über eine Spendenaktion. NRW-Innenminister Herbert Reul unterstützt das Projekt als Schirmherr.1
Untergebracht ist die Gruppe auf einem Polizeigelände im münsterländischen Selm. Von dort aus geht es quer durch NRW: Erlebnisbad, Wildpferdepark, Sommerrodelbahn, Aquazoo, Moviepark – und natürlich Köln. Der Besuch in der Domstadt ist einer der letzten Punkte auf der Agenda.1
Die 13-jährige Mariia aus Luzk, einer Stadt in der Westukraine, reist mit ihrer Großmutter und ihrer Schwester. Ihr Vater wurde im Krieg schwer verwundet, ihre Mutter ist in russischer Kriegsgefangenschaft – oder tot. Sicher weiß das niemand. Trotzdem lächelt Mariia, wenn sie über die Zeit in Deutschland spricht: „Ich mag die Leute hier. Sie sind nett und höflich zu uns. Ich fühle mich gut hier.“1
Auch Olga aus Kyjiw sieht beim Besuch in Köln zum ersten Mal den Kölner Dom. Der Vater ihrer Töchter Eva (8) und Mia (6) ist im Krieg getötet worden. „Die Situation in unserem Land ist instabil, es gibt Nächte, in denen wir nicht schlafen können“, sagt die 33-Jährige. „Hier können wir uns entspannen und die Ruhe genießen.“1
Drei Psychologinnen begleiten die Gruppe. Inna, eine von ihnen, beobachtet schnell positive Veränderungen: „Sie sind lebendig, sie lachen, die Mütter gehen offener aufeinander zu.“ Wie man in der Ukraine sage: Die Gruppe habe hier einen „Schluck des Lebens“ bekommen – eine Erinnerung, die sie für immer behalten werde.1
Konrad Bröker, Leiter der IPA NRW, blickt nach den drei Wochen erschöpft und stolz zugleich. „Wenn man das Leid der Familien mitbekommt, ist da jede Hilfe geboten“, sagt der pensionierte Polizei- und Verwaltungsbeamte, der die Gruppe rund um die Uhr begleitet hat.1
Am Donnerstagmorgen, noch vor Sonnenaufgang, bricht die Gruppe Richtung Ukraine auf. Olga freut sich auf die Arbeit in ihrer Konditorei in Kyjiw, auf den Alltag, auf das Vertraute. Und Mariia? Sie vermisst ihre Familie, ihre Freunde, ihr Bett – und ihren Gitarrenunterricht. Angst, sagt sie, habe sie keine.1
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