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Pfarrer Franz Meurer: Der Mann, der Vingst und Höhenberg lebendig hält
7. August 2026

Pfarrer Franz Meurer prägt Vingst und Höhenberg seit über 30 Jahren mit sozialen Projekten. Im September geht er in den Ruhestand – ein Blick auf sein…

Ein Veedel, ein Pfarrer, unzählige Geschichten

Wenn du wissen willst, was ein Kölner Veedel wirklich ausmacht, musst du einfach mit Franz Meurer durch Vingst und Höhenberg spazieren. Der 74-jährige Pfarrer von St. Theodor und St. Elisabeth kennt jeden Kiosk, jede Kneipe und fast jeden Menschen hier – und das seit über 30 Jahren. Doch im September geht er in den Ruhestand. Grund genug, noch einmal genau hinzuschauen, was er in diesen Stadtteilen hinterlässt.1

„Ömesons“ – so funktioniert Solidarität auf Kölsch

Der Rundgang beginnt im Keller der Kirche St. Theodor. Auf 1000 Quadratmetern lagern hier Kinderkleidung, Schuhe, Schulranzen und Fahrräder. Kein Witz: 3000 Fahrräder gibt Meurer und sein Team jedes Jahr kostenlos an Bedürftige aus.1 „Hier sehen Sie, wie sich Armut in einem reichen Land bekämpfen lässt – nicht durch Politik, sondern mit Spenden und Freiwilligen“, sagt er. Den Schlüssel für Kirche und Kleiderkammer hat er 587 Mal nachmachen lassen – damit jeder, der sich ehrenamtlich engagiert, jederzeit rein und raus kann.

Am Kiosk an der Lustheider Straße macht Meurer kurz halt. „Der Kiosk ist der Flurfunk des Veedels“, sagt er. Wer mit ihm unterwegs ist, muss Schritt halten – der Mann ist ständig in Bewegung und zitiert dabei nebenbei Philosophen und Soziologen.1

Selbstwirksamkeit statt Stillstand

Vingst soll nicht nur funktionieren – es soll leben. Meurer hat einmal über 100.000 Osterglocken pflanzen lassen und Beete angelegt. Heute machen das die Bewohnerinnen und Bewohner selbst. „Du kannst nur einen Anstoß geben. Das ist Selbstwirksamkeit“, erklärt er.1 Auf dem Schulhof der Katharina-Henoth-Gesamtschule trifft er Schulleiter Martin Süsterhenn. Jeden Morgen werden dort Butterbrote für über 1300 Schülerinnen und Schüler geschmiert. „Ohne Pfarrer Meurer wäre Vingst nicht da, wo es heute ist“, sagt Süsterhenn. „Wenn er im September in den Ruhestand geht, ist das ein riesiger Verlust für das Veedel.“1

Currywurst, Kölsch und ehrliche Kneipen

Ein Stopp, der nicht fehlen darf: der „Vingster Pohl“ in der Waldstraße. Seit den 1960er-Jahren treffen sich hier die Menschen auf ein Kölsch – für 2 Euro das Glas. Die Einrichtung wirkt, als wäre die Zeit stehen geblieben, und genau das liebt Meurer daran. Bei seiner Lieblingsspeise – Currywurst mit Fritten – erfährt er, wo im Veedel der Schuh drückt und welche Geschichten gerade die Runde machen.1 „Wenn man die bürgerliche Mitte verliert, kann man ein Viertel nicht entwickeln“, sagt er mit vollem Mund.

HöVi-Land: Das 87. Kölner Veedel

Das Herzstück von Meurers Arbeit liegt am Rand von Vingst: das HöVi-Land. Seit 30 Jahren entsteht hier jeden Sommer ein Zeltdorf für rund 500 Kinder. Drei Wochen Ausflüge, Frühstück, Mittagessen – und das für gerade mal 45 Euro pro Kind.1 Das gesamte Ferienprogramm kostet rund 200.000 Euro, finanziert durch treue Sponsoren. Renate Wesierski kocht seit Jahren ehrenamtlich in der Feldküche mit: „Pastor Meurer ist immer gekommen. Ich hatte früher manchmal schwere Tage.“ Für Meurer ist HöVi-Land mehr als ein Ferienlager: „Drei Wochen erleben die Kinder hier Gemeinschaft. Das prägt für die restlichen 365 Tage im Jahr.“1

Ab in den Ruhestand – aber nicht weit weg

Nach einer Herzoperation muss Meurer kürzertreten. Er zieht in ein Seniorenwohnheim nach Köln-Kalk – bleibt also rechtsrheinisch und nah an „seinen“ Veedeln. „Ich werde weiterhin Blumen verschenken“, sagt er zum Abschluss des Spaziergangs und drückt der Autorin einen Strauß in die Hand.1 Einen Mann wie Franz Meurer ersetzt man nicht einfach – aber das, was er in Vingst und Höhenberg aufgebaut hat, lebt weiter. Und das ist vielleicht sein größtes Geschenk an diese Veedel.

Quellen

  1. Mit dem Pfarrer durch Vingst und Höhenberg: Franz Meurer zeigt, weshalb seine Veedel so lebenswert sind – Rundschau Online


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