Kölner Studierende zeigen, wie Architektur Obdachlosen helfen kann – zum Beispiel mit Schließfächern aus Stromkästen. Die Ausstellung läuft noch bis 9.
Stell dir vor, du trägst deinen gesamten Besitz jeden Tag mit dir – Kleidung, Dokumente, alles. Kein Zuhause, kein sicherer Ort, nichts. Genau das ist die Realität von Tausenden Menschen in Köln. Laut der Technischen Hochschule Köln gelten über 11.000 Menschen in der Stadt als wohnungslos, mehrere Hundert leben direkt auf der Straße – und Hilfsorganisationen gehen sogar von einer deutlich höheren Dunkelziffer aus.1
Jetzt zeigen Kölner Studierende, dass Architektur mehr kann als schöne Gebäude entwerfen. Sie haben sich ein Semester lang intensiv mit dem Thema Obdachlosigkeit auseinandergesetzt – und die Ergebnisse sind wirklich beeindruckend.
Die Fakultät für Architektur der TH Köln hat in Kooperation mit der Köln International School of Design (KISD) die Ausstellung „Leben unter demselben Himmel“ ins Leben gerufen.1 Zu sehen ist das Ganze noch bis zum 9. August – und zwar an zwei Orten:
Der Eintritt ist frei – also nichts wie hin!1
Den theoretischen Rahmen für das Projekt setzte Prof. Dr. Rainer Schützeichel mit seinem Seminar zu Infrastrukturen der Obdachlosigkeit. Prof. Dr. Michel arbeitete mit Studierenden an Entwürfen für temporäre Notunterkünfte – er selbst hat beim Bau der Notunterkunft „o16″ in Frankfurt mitgeholfen.1
Besonders spannend: Die Studierenden haben sich nicht einfach hingesetzt und theoretisch geplant. Sie haben sich mit Menschen ausgetauscht, die selbst betroffen sind – zum Beispiel mit Linda Rennings, die lange selbst auf der Straße lebte und 2014 den Verein „HIK Heimatlos in Köln e.V.“ gründete.1
Aus diesen echten Gesprächen entstanden echte Ideen. Eine davon hat uns besonders geflasht: Die Studentinnen Lara Fodler und Maja Thomas von der KISD entwickelten ein Konzept, bei dem ein gewöhnlicher Stromkasten zu einem versteckten Schließfach umgebaut wird. Der Grund? Im direkten Austausch mit Betroffenen erfuhren sie, wie unglaublich belastend es ist, den gesamten Alltag – von der Kleidung über Dokumente bis hin zu persönlichen Habseligkeiten – ständig mit sich tragen zu müssen.1 So ein Schließfach klingt erstmal klein, könnte aber im Alltag Wohnungsloser einen riesigen Unterschied machen.
Was diese Ausstellung so besonders macht: Sie zeigt, dass Lösungen für gesellschaftliche Probleme nicht immer von oben kommen müssen. Manchmal sind es Studierende, die frisch und unvoreingenommen auf ein Thema schauen – und dabei auf Ideen kommen, auf die andere nicht gekommen wären. Architektur und Design als Werkzeuge für mehr soziale Gerechtigkeit? Ja, bitte mehr davon!
Wenn du in Köln bist oder in der Nähe, schau unbedingt vorbei. Die Ausstellung ist kostenlos, die Ideen sind inspirierend – und vielleicht verlässt du den Ebertplatz mit einem ganz neuen Blick auf die Stadt und ihre Menschen.1
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