Hornissenstiche in NRW werden gefährlicher: Eine Frau aus Coesfeld wurde ohnmächtig. Was du jetzt wissen musst und warum du Nester nie selbst entfernen…
Einfach ein paar Blätter zupfen, frische Luft schnappen, entspannter Gartentag – und plötzlich alles schwarz. Genau das passierte Annette Sunderhaus aus Coesfeld. Die 76-Jährige wurde in ihrem Garten von Asiatischen Hornissen attackiert, mindestens zwei Mal gestochen – einer der Stiche traf sie direkt in die Schläfe. Was danach passierte, klingt wie ein Albtraum: Sie schleppte sich ins Haus, musste sich übergeben und wurde ohnmächtig. Als sie wieder zu sich kam, kroch sie auf allen Vieren zu ihrem Telefon und rief den Rettungsdienst.1
„Mein Kopf tat so weh, als ob er gleich platzt. Es war nicht zum Aushalten“, beschreibt sie die Situation. Der Rettungsdienst brachte sie sofort in eine Klinik.1
Was so dramatisch klingt, ist leider kein Einzelfall – und das Problem wächst rasant. Die Asiatische Hornisse breitet sich in Nordrhein-Westfalen massiv aus. Im vergangenen Jahr wurden nach Angaben von Imker Klaus Maresch rund 7.000 Nester entfernt. In diesem Jahr könnten es bereits mehr als 20.000 werden – und das könnte erst der Anfang sein.1
In Köln-Chorweiler zum Beispiel hing ein Nest mit rund 6.000 asiatischen Hornissen 15 Meter hoch in einem Baum über einer Straße. Nur mit voller Schutzmontur und einer Hubleiter konnten Imker und Baumpflegeprofis das Nest entfernen. Danach landet es übrigens – kein Witz – für mindestens 48 Stunden in der Tiefkühltruhe, bevor es in die Müllverbrennung geht. Denn die Asiatische Hornisse überlebt auch bei kühlen Temperaturen erstaunlich lange.1
Imker Klaus Maresch ist eindeutig: Hornissennester entfernen sollten immer Profis übernehmen. „Wir hatten erst letzte Woche einen Unfall, bei dem ein Mitarbeiter ins Krankenhaus musste. Es sind bei solchen Aktionen schon Leute auf der Intensivstation gelandet.“1
Wer ein Nest entdeckt, kann es ganz einfach online über entsprechende Portale melden. Im öffentlichen Raum übernehmen in der Regel Stadt oder Kommune die Kosten. Im eigenen Haus oder Garten zahlen Eigentümer selbst – je nach Aufwand meist zwischen 150 und 350 Euro. Die gute Nachricht: Die Rechnung kann häufig bei der Gebäude- oder Hausratversicherung eingereicht werden.1
Und noch ein Tipp von Maresch: Vorsicht bei Schnäppchenangeboten und Anbietern, die nur Barzahlung akzeptieren. „Das ist inzwischen schon ähnlich wie bei Schlüsseldiensten: Betrüger locken mit günstigen Preisen, und dann zahlt man gerne mal das Dreifache.“1
Warum können Hornissenstiche solche extremen Reaktionen auslösen, obwohl Annette Sunderhaus gar keine Allergie hat? Arzt Dr. Lars Herda, Leiter der Notfallambulanz am Clemenshospital in Münster, erklärt es so: „Grundsätzlich ist die Asiatische Hornisse nicht giftiger als andere Insekten. Aber sie hat einen längeren und breiteren Stachel. Die Stiche sind nicht giftiger, aber schmerzhafter.“1
Dazu kommt: Die Asiatische Hornisse hat einen viel größeren Verteidigungsradius als einheimische Hornissenarten und reagiert aggressiver, erklärt Imker und Hornissen-Fachmann Andre König.1
Der Fall von Annette Sunderhaus macht deutlich: Die Asiatische Hornisse ist in NRW längst kein exotisches Randthema mehr. Wer im Garten unterwegs ist, sollte Augen und Ohren offen halten – und im Zweifelsfall lieber einmal mehr aufpassen, als einmal zu wenig.1
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