Das Casamax-Theater in Köln-Sülz schließt nach 40 Jahren seine Türen. Fehlende Förderung und steigende Kosten machen den Betrieb unmöglich.
Schlechte Nachrichten für alle Kulturliebhaber und Familien in NRW: Das Casamax-Theater in Köln-Sülz schließt Ende dieses Jahres endgültig seine Türen. Nach 40 Jahren Kinder- und Jugendtheater an der Berrenrather Straße ist Schluss – und das, obwohl die Bühne zweimal mit dem Kölner Theaterpreis ausgezeichnet wurde und unzählige Schulklassen und Kitagruppen dort unvergessliche Theatermomente erlebt haben.1
Die Gründe sind leider eine ziemlich bittere Kombination aus wegfallender Förderung, gestiegenen Kosten und einem Mietvertrag, der kaum Spielraum lässt. Die beiden Leiterinnen Hille Marks und Ragna Kirck machen daraus keinen Hehl:1
„Das ist natürlich die richtige Entscheidung, aber wir bekommen nicht ausreichend Unterstützung, um die Mindesthonorare auch bezahlen zu können“, erklärt Kirck.1 Durch den Wegfall der Landesförderung konnte das Theater außerdem nur noch ein neues Stück pro Jahr produzieren – statt wie früher für jede Altersgruppe eine eigene Produktion. Dadurch sank natürlich die Attraktivität, Schulen und Kitas kamen seltener.
Obendrauf kommt noch eine Regelung im Mietvertrag, die dem Theater richtig die Hände bindet: Betrieb ist nur bis 20 Uhr erlaubt, Abendveranstaltungen sind verboten. Das Gebäude gehört mittlerweile den Erben des ehemaligen Vermieters, eine Erbin wohnt direkt am Hof.1 Das bedeutet: Keine Abendprogramme, keine Workshops am Wochenende, keine Untervermietung, um zusätzliche Einnahmen zu generieren. Der Traum, das Programm auch auf junge Erwachsene auszuweiten, blieb damit Traum.
Dass es überhaupt so weit kommen konnte, macht das Ende umso trauriger. Die Geschichte des Casamax begann 1985, als Hille Marks das kleine Theater an der Berrenrather Straße als Kulturforum Casa Maximus mietete – mitten in der pulsierenden Theaterszene der 80er-Jahre.1 Nach der Geburt ihres Sohnes verlegte sie sich 2003 auf Kindertheater, und als Ragna Kirck 2013 dazukam, erlebte das Casamax noch einmal einen echten Auftrieb. Zwei Auszeichnungen mit dem Kölner Theaterpreis sprechen für sich.
Im Juni dieses Jahres stand dann die Entscheidung an: Mietvertrag um ein Jahr verlängern – oder nicht? Ohne die Gewissheit, ob die städtische Förderung weiterläuft (das steht erst im Oktober fest), haben Marks und Kirck schweren Herzens Nein gesagt.1
Ganz aufhören will Hille Marks aber nicht. Sie hat schon eine erste Idee parat: Ein Solostück namens „Wer? Wie? Was? Wo? Wal. Warum? Der Wal passt in meinen Smart“ – das sie auf Tour nehmen und an Schulen, Kitas oder anderen Orten zeigen möchte.1 Wer also noch einmal echtes Casamax-Feeling erleben will, sollte sich beeilen: Bis Ende des Jahres gibt es noch einige letzte Gelegenheiten für einen Besuch an der Berrenrather Straße.
Das Casamax-Theater steht stellvertretend für viele freie Theater und Kultureinrichtungen, die trotz großartiger Arbeit und echtem gesellschaftlichen Mehrwert immer wieder ums Überleben kämpfen müssen. Ein echtes Stück Köln geht hier – und das hinterlässt eine Lücke, die so schnell niemand füllen wird.
Wir informieren dich regelmäßig über aktuelle Nachrichten, Staus und wichtigen Themen - ohne Dich zu nerven!