Drei Jahre nach dem tödlichen Zugunglück in Geseke liegt der Untersuchungsbericht vor – der Lokführer soll zwei gravierende Fehler gemacht haben.
Das Zugunglück in Geseke vom 10. September 2023 hat die Region erschüttert – und jetzt, fast drei Jahre danach, gibt es endlich Antworten. Die Bundesstelle für Eisenbahnunfalluntersuchung (BEU) hat ihren Untersuchungsbericht veröffentlicht, und der hat es in sich. Demnach hat der Lokführer des verunglückten Güterzugs wohl gleich zwei gravierende Fehler gemacht, die letztendlich zu seinem Tod geführt haben.1
Eigentlich war der Plan klar: 28 Wagen voller Zement sollten vom Gelände eines Zementwerks in den Geseker Güterbahnhof gebracht werden – aufgeteilt auf sieben Fahrten. Und zwar wegen des Gefälles auf der Strecke. Der Lokführer entschied sich aber offenbar dafür, das Ganze in nur zwei Fahrten zu erledigen, mit jeweils 14 Wagen.1
Warum? Laut Bericht hatte er an diesem Tag noch einen zweiten Job als Lokführer bei einem anderen Unternehmen eingeplant – er wollte wohl einfach schneller fertig werden. Ein abgehörtes Telefonat zwischen dem Lokführer und dem Fahrdienstleiter im Stellwerk Lippstadt macht das besonders deutlich:1
Klingt fast beiläufig – aber genau diese Entscheidung hatte fatale Folgen.1
Dazu kommt Fehler Nummer zwei: Der Lokführer soll die Bremsen vor der Fahrt nicht ordentlich kontrolliert haben. Statt das im ebenen Güterbahnhof des Zementwerks zu erledigen, soll er den Bremstest mitten auf der abschüssigen Strecke durchgeführt haben. Die erste Fahrt lief noch gut. Bei der zweiten versagten die Bremsen komplett – der Zug fuhr quasi ungebremst das starke Gefälle hinunter.1
Durch die extreme Belastung platzte ein Getriebe in der Lok, Öl trat aus und fing Feuer. Aufnahmen einer Überwachungskamera zeigen eine deutliche Rauchwolke während der Unglücksfahrt. In einer Kurve kippte der Zug schließlich um und fiel auf die Hauptstrecke zwischen Lippstadt und Paderborn. Die Lok und 13 der 14 Wagen entgleisten und verteilten sich quer über alle Gleise. Der Lokführer kam dabei ums Leben, der Sachschaden betrug rund fünf Millionen Euro.1
Trotz allem: Der Lokführer konnte kurz vor dem Unglück noch einen Notruf beim Stellwerk absetzen und so die Strecke sperren lassen. Eine Regionalbahn wäre nur wenig später an genau dieser Stelle gewesen – und wäre möglicherweise in die Trümmer gekracht. Sein letzter Akt hat damit wohl viele Menschenleben gerettet.1
Der Lokführer war für eine Leiharbeitsfirma im Einsatz. Die BEU empfiehlt dem Unternehmen, sein Personal künftig besser zu schulen. Die Westfälische Landeseisenbahn WLE, die die Lok vermietet hatte und die Strecke betreibt, treffe laut Bericht keine Schuld. Die Staatsanwaltschaft Paderborn ermittelt weiterhin und will den Untersuchungsbericht jetzt auswerten.1
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