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Kathis Tod soll nicht umsonst gewesen sein: Charity-Event in Köln für ME/CFS-Aufklärung
26. August 2026

Kathis Tod mit 30 Jahren durch ME/CFS bewegt Köln: Ihre Freundinnen kämpfen mit einem Charity-Event für Aufklärung und strukturelle Veränderungen.

Triggerwarnung: Dieser Artikel thematisiert assistierten Suizid.

Sie wollte eigentlich so gerne leben. Kathi aus Köln war 30 Jahre alt, als sie sich am 3. März 2026 dazu entschied, ihrem Leben durch einen assistierten Suizid ein Ende zu setzen. Die Krankheit ME/CFS hatte ihr das genommen, was ihr am meisten bedeutete: Licht, Bewegung, Musik, Gespräche – einfach das Leben. Ihre Freundinnen kämpfen jetzt dafür, dass ihr Tod etwas bewegt.1

Was ist ME/CFS – und warum ist es so gefährlich?

ME/CFS ist eine neuroimmunologische Krankheit, die in Deutschland laut der Deutschen Gesellschaft für ME/CFS e.V. rund 650.000 Menschen betrifft. Schon kleinste Reize – ein Gespräch, Musik oder Bewegung – können bei Erkrankten zu einer starken Verschlechterung des Zustands führen. Rund ein Viertel der Betroffenen kann das Haus nicht mehr verlassen.1

Charakteristisch ist der sogenannte „Crash“: Wenn die Energiekapazitäten überschritten werden, verschlechtert sich der Zustand der Betroffenen massiv. Genau das passierte auch Kathi. Nach ihrem größten Crash verbrachte sie ihre letzten zwei Jahre nahezu bewegungsunfähig in Dunkelheit und Stille – mit zwei Schlafmasken und Gehörschutz – in ihrem Jugendzimmer. Selbst der Verdauungsprozess löste bei ihr starke Symptome aus, sodass am Ende weder Nahrungsaufnahme noch Medikamente möglich waren.1

„Mittelgradig katastrophal“ – die Versorgungslage in NRW

Kathis Geschichte ist kein Einzelfall. Der Kölner Allgemeinmediziner und Immunologe Dr. Volker Brenn, der ein medizinisches Versorgungszentrum leitet und zu den wenigen Ärztinnen und Ärzten in Köln gehört, die regelmäßig ME/CFS-Betroffene behandeln, nennt die Lage in NRW „mittelgradig katastrophal“. Seine Kapazitäten seien an der absoluten Belastungsgrenze, Wartezeiten hält er selbst für kaum vertretbar.1

Das Problem: Der durchschnittliche Haus- oder Facharzt habe laut Dr. Brenn weder die Zeit noch die Schulung, um solche komplexen Fälle zu begleiten. Viele Ärzte hätten von ME/CFS noch nie gehört – so erging es auch Kathi, die ihre Diagnose erst nach einer monatelangen Odyssee und durch viel eigene Recherche erhielt. Brenn fordert deshalb unter anderem verpflichtende Fort- und Weiterbildungen für medizinisches Fachpersonal.1

Zwar läuft seit Januar 2026 das Programm „Nationale Dekade gegen postinfektiöse Erkrankungen“, das 500 Millionen Euro innerhalb von zehn Jahren in Forschung investieren will – aber davon profitieren nicht nur ME/CFS-Betroffene, sondern auch Long-Covid-Erkrankte. Die deutsche ME/CFS Research Foundation kritisiert die Summe als zu gering: Laut ihrer Modellrechnung verursachen Betroffene jährlich gesellschaftliche Kosten von rund 33 Milliarden Euro.1

„Freu dich nicht zu spät“ – ein Charity-Event für Kathi

Johanna Wolff (31) und Joana Welsing (30), zwei enge Freundinnen von Kathi, haben es sich zur Aufgabe gemacht, ihre Geschichte zu erzählen. Auf Instagram und TikTok klären sie unter dem Namen „Freu dich nicht zu spät“ – Kathis Lebensmotto – über ihren Krankheitsverlauf auf. Fast 40.000 Menschen folgen ihnen bereits.1

Am 6. September veranstalten die beiden ein Charity-Event im Odonien in Köln – einem Ort, an dem Kathi selbst gerne getanzt hat. Das Ziel: Spenden für eine großangelegte Aufklärungskampagne sammeln. Dabei wollen sie bewusst keine privat finanzierte Forschung unterstützen, sondern in strukturelle Veränderungen investieren.1

„Kathi hat bis zuletzt gesagt, dass sie eigentlich so gerne leben würde, wenn ihr Körper und die richtigen Therapien das erlauben würden“, sagt Joana Welsing. Und Johanna Wolff ergänzt: „Kathi war ein Mensch, der so viel Leichtigkeit in das Leben anderer gebracht hat. Ihre Art war sehr, sehr inspirierend.“1

Ein Abschied, der bleibt

Auf ihrer Beerdigung wurde gefeiert – bunte Shirts, Ballons, Kathis liebste Songs. So hatte sie es sich gewünscht. Ihr Tod soll etwas verändern, für all die Menschen, die gerade in ähnlicher Dunkelheit liegen und auf Hilfe warten. Kathis Mutter bringt es auf den Punkt: „Der Tod ihrer Tochter soll nicht umsonst gewesen sein.“1

Wenn du selbst Suizidgedanken hast oder dich in einer schweren Krise befindest, findest du rund um die Uhr anonyme und kostenlose Hilfe: Telefonseelsorge: 0800 / 111 0 111 oder 0800 / 111 0 222. Nummer gegen Kummer (für Kinder und Jugendliche): 116 111.

Quellen

  1. „Kathis Tod soll nicht umsonst gewesen sein“ – Charity-Event in Köln – Kölnische Rundschau


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