Der Ausbau der Kölner Ost-West-Achse steckt im Dilemma: Tunnel, Förderung und Haushalt bremsen die Linie 1 aus – jahrelanger Stillstand droht.
Wer in Köln täglich mit der Linie 1 unterwegs ist, kennt das Problem: volle Bahnen, wenig Platz, viel Frust. Mehr als 100.000 Fahrgäste nutzen die 26,5 Kilometer lange Stadtbahn-Strecke zwischen Bensberg und Weiden-West jeden Tag. Eigentlich sollte der Ausbau der Kölner Ost-West-Achse endlich Abhilfe schaffen – doch jetzt droht das Projekt in einem jahrelangen Stillstand zu versinken.1
Der Plan klingt zunächst gut: Die Stadt Köln und die Kölner Verkehrs-Betriebe (KVB) wollen auf der gesamten Strecke zukünftig 90 Meter lange Bahnen einsetzen. Dafür müssen 34 von 37 Haltestellen umgebaut und die Bahnsteige verlängert werden. Der Stadtrat hat im April 2025 außerdem beschlossen, dass zwischen Heumarkt und Aachener Weiher ein 2,5 Kilometer langer U-Bahn-Tunnel entstehen soll – allerdings nur, wenn Bund und Land diesen finanziell fördern.1
Hier wird’s kompliziert. Der Verkehrsausschuss des NRW-Landtags hat im November 2025 beschlossen, zunächst nur den oberirdischen Ausbau in den Förderplan aufzunehmen. Verkehrsminister Oliver Krischer argumentiert, dass der Tunnel noch nicht abschließend definiert sei – weil der Stadtrat zusätzliche Prüfaufträge vergeben hat. Geklärt werden soll unter anderem, ob der Tunnel schon in Deutz beginnen und unter dem Rhein hindurchführen könnte, oder ob er bis zur Dürener Straße in Lindenthal verlängert werden sollte.1
Und jetzt kommt das eigentliche Dilemma: Wenn Köln erst mal nur die Bahnsteige verlängert, könnte das später die Förderung des Tunnels gefährden. Denn sind die Kapazitätsprobleme schon teilweise gelöst, sinkt rechnerisch der volkswirtschaftliche Nutzen des Tunnels – und damit die Chancen auf Fördergelder.1
In der Kölner Stadtpolitik brodelt es. CDU, SPD und FDP, die den Tunnel im April 2025 beschlossen hatten, drängen auf Umsetzung. SPD-Politiker Lukas Lorenz macht Druck: „Die politischen Beschlüsse zur Ost-West-Achse sind gefasst – bei Interpretationsschwierigkeiten können wir gerne eine Interpretationshilfe liefern.“ Bürgermeisterin Teresa De Bellis (CDU) weist Gerüchte zurück, sie sei von den Tunnelplänen abgerückt, und befürchtet einen Stillstand durch die „Einmischung des Verkehrsministers in die kommunale Selbstverwaltung“. Ralph Sterck (FDP) klingt ähnlich alarmiert und hofft, dass der Oberbürgermeister den Akteuren „Beine macht“.1
Die Grünen hingegen lehnen den Tunnel weiterhin ab. Ihr verkehrspolitischer Sprecher Lars Wahlen lässt sogar offen, ob die Bahnsteigverlängerungen angesichts der Haushaltslage auf den Prüfstand gestellt werden müssen. Die Linke kritisiert, dass Rat und Mobilitätsausschuss seit über einem Jahr nicht mehr über den Planungsstand informiert wurden.1
Übrigens: Die KVB hat die neuen 90-Meter-Züge beim Hersteller Alstom noch nicht final bestellt. Die Fahrzeuge sollen jeweils aus einem 60-Meter- und einem 30-Meter-Zug zusammengesetzt werden. Bestellt ist bisher nur eine Option für bis zu elf Lang- und 25 Kurzzüge.1
Dass Köln eine Stadt ist, in der Gemeinschaft und kreative Ideen großgeschrieben werden, zeigt sich auch abseits der Verkehrspolitik. In einem früheren Beitrag haben wir bereits über die Waldmesse im Lindenthaler Tierpark berichtet – ein Gottesdienst unter freiem Himmel, der Natur und Gemeinschaft auf besondere Weise verbindet.2 Schön wäre es, wenn auch der Stadtbahnausbau irgendwann ähnlich reibungslos und mit so viel Begeisterung voranschreitet!
Für die mehr als 100.000 täglichen Fahrgäste der Linie 1 bedeutet die aktuelle Lage: Geduld ist gefragt – und zwar viel davon. Solange Förderfragen ungeklärt, Prüfaufträge offen und politische Fronten verhärtet sind, bleibt die Kölner Ost-West-Achse das, was sie schon lange ist: ein großes Versprechen auf eine bessere Zukunft. Wir halten euch auf dem Laufenden, wie es weitergeht!1
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