Primark hat in Essen Metallgitter angebracht, um Obdachlose fernzuhalten. Was dahintersteckt und wie die Reaktionen ausfallen, erfährst du hier.
Hast du schon mal etwas gesehen, das aussieht wie eine liegende Alu-Leiter mit Zacken obendrauf? Genau so sieht es am Seiteneingang der Primark-Filiale am Essener Kennedyplatz aus. Denn dort hat der Textil-Discounter Metallgitter fest an Außenwand und Boden verschraubt – und das mit einem klaren Ziel: Obdachlose sollen hier nicht mehr schlafen oder sich länger aufhalten können.1
Auf Anfrage des WDR erklärt die Pressestelle des Unternehmens, dass die bauliche Maßnahme verhindern soll, „dass der Bereich als langfristiger Aufenthaltsort genutzt wird.“ Im Eingangsbereich des Essener Stores hätten Wohnungslose häufiger übernachtet und seien auch zu Öffnungszeiten dort anzutreffen gewesen.1
Das Unternehmen betont gleichzeitig, dass es sich der schwierigen Lage bewusst ist. Von der Pressestelle heißt es wörtlich: „Wir wissen, dass Wohnungslosigkeit für die betroffenen Menschen mit äußerst schwierigen Umständen verbunden ist und es hierfür keine einfachen Lösungen gibt.“ Mit den Gittern wolle man erreichen, dass Mitarbeitende und Kunden freien Zugang zum Geschäft haben.1
Ob die Maßnahme das gewünschte Ergebnis bringt, ist allerdings fraglich: Beobachtungen zeigen, dass wohnungslose Menschen sich trotz der Gitter darunter zum Schlafen hingelegt haben.1
Auf der WDR-Facebook-Seite hat der Post zu den Gittern ordentlich Fahrt aufgenommen. Die Reaktionen könnten unterschiedlicher kaum sein.1
Der Begriff, den einige Nutzerinnen und Nutzer in der Diskussion verwenden, lautet „defensive Architektur“. Damit ist eine Gestaltung gemeint, die bestimmten Gruppen den Aufenthalt an einem Ort unangenehm machen oder sie ganz fernhalten soll.1 Ob Metallstacheln auf Fensterbänken, schräge Sitzflächen oder eben solche Gitter – all das fällt in diese Kategorie und ist seit Jahren umstritten.
Die Gitter am Essener Primark sind mehr als nur Metall an einer Wand – sie zeigen, wie komplex das Thema Wohnungslosigkeit im öffentlichen Raum ist. Die Diskussion darüber, wer unsere Innenstädte nutzen darf und wie wir als Gesellschaft mit obdachlosen Menschen umgehen, ist längst überfällig. Wie siehst du das? Schreib’s uns gerne – denn solche Debatten gehören genau hierhin: mitten in NRW, mitten zu uns bei Antenne NRW.
Wir informieren dich regelmäßig über aktuelle Nachrichten, Staus und wichtigen Themen - ohne Dich zu nerven!