In Köln-Stammheim führen Angehörige selbst eine Demenz-WG – und zeigen, wie Pflege im Alter persönlich, familiär und selbstbestimmt aussehen kann.
Ein Pflegeheim kam für Andrea Schlösser nie infrage. Als ihre Mutter 2022 mit vaskulärer Demenz und Alzheimer diagnostiziert wurde, war schnell klar: So wie bisher geht es nicht weiter — aber ein klassisches Heim sollte es nicht sein. Ihr Vater hatte kurz vor seinem Tod 2019 sieben Wochen in Kurzzeitpflege verbracht und diese Zeit als die schlimmste seines Lebens beschrieben. Das hat Spuren hinterlassen.1
„Wenn ich meine Mutter aus ihrem Haus raushole, weil es nicht mehr anders geht, möchte ich sie in ein häusliches Umfeld holen“, erklärt Schlösser. Ihr Versprechen an die Mutter: eine andere Lösung finden. Und genau das hat sie getan.1
Über Monika Schneider von Wohnkonzepte Schneider stieß Schlösser auf das sogenannte Kölner Modell — eine selbstverantwortete Wohnform, bei der die Bewohnerinnen und Bewohner als Gesellschaft bürgerlichen Rechts (GbR) organisiert sind. Eine Person übernimmt dabei stellvertretend die Interessen aller in der GbR.1
So entstand die Demenz-WG Stammheimer Ufer: mit großem Garten, nur wenige Minuten vom Rhein entfernt. Schlössers Mutter lebt dort nun schon seit einigen Jahren gemeinsam mit sieben Mitbewohnerinnen und Mitbewohnern. Jede Person hat ein eigenes Zimmer mit Bad, alle weiteren Räume und den Garten werden geteilt.1
„Mir war es super wichtig, mitgestalten zu können“, sagt Schlösser. Als Tochter einer Bewohnerin ist sie gleichzeitig Geschäftsführerin der Stammheimer Ufer GbR. Die Angehörigen treffen alle Entscheidungen gemeinsam, sorgen dafür, dass die WG gemütlich, ordentlich und sicher ist — und feiern gemeinsam Karneval und Weihnachten.1
Für Schlösser ist die WG mehr als nur eine Wohnform: „Wenn ein Familienmitglied so krank und reduziert in der Selbstständigkeit ist, hat man als Angehörige häufig das Gefühl, alleine zu sein mit allem. Hier geht es aber allen so.“ Diese Gemeinschaft unter den Angehörigen beschreibt sie als eine Art Selbsthilfe — und als erweiterte Familie.1
Tagsüber sind zwei Pflegekräfte vor Ort, nachts eine. Sie übernehmen klassische Pflegeaufgaben wie Waschen, Toilettengänge und Unterstützung beim Essen — aber sie kochen auch, machen die Wäsche und verbringen echte Zeit mit den Bewohnerinnen und Bewohnern. „Es ist eine ganz andere Arbeit als in der ambulanten Pflege oder in Heimen“, betont Schlösser.1
Seit Januar 2025 arbeitet die WG Stammheimer Ufer mit den Krankenpflegediensten Köln zusammen. Geschäftsführerin Barbara Prinz beschreibt den Umgang dort als „sehr persönlich und familiär — das ist für die Bewohnerinnen, die Pflegenden und das Personal toll.“ Seit 2023 betreuen die Krankenpflegedienste Köln Demenz-WGs in der Stadt.1
Die Krankenpflegedienste Köln wurden 1991 als ambulanter Pflegedienst gegründet. Fünf Jahre später kam die Tagespflege hinzu, die vergangenes Jahr in neue Räume in Köln-Braunsfeld umgezogen ist. Dieses doppelte Jubiläum — 35 Jahre Pflegedienst, 30 Jahre Tagespflege — feierte der Dienst Anfang September in den neuen Räumlichkeiten.1
Für Prinz geht es bei allen Pflegeformen um denselben Grundsatz: „Es geht immer auch darum, zu verhindern, dass Menschen vereinsamen, egal in welcher Pflegeform.“ Ob ambulante Pflege, Demenz-WG oder Tagespflege — Selbstständigkeit und Selbstbestimmtheit so lange wie möglich erhalten, das ist das Ziel.1
Wir informieren dich regelmäßig über aktuelle Nachrichten, Staus und wichtigen Themen - ohne Dich zu nerven!