Rund 10.000 Menschen in Köln sind wohnungslos. Ein Aktionstag am Ebertplatz will Sichtbarkeit schaffen und Vorurteile abbauen – weil es wirklich jeden treffen…
Köln, Ebertplatz: Ein Rad dreht sich – und bleibt plötzlich stehen. Auf einem der Felder steht die Frage: „Du warst im Krankenhaus und bist danach wieder auf der Straße. Wo gehst du hin?“ Ein Mann, der offenbar selbst wohnungslos ist, antwortet: „Nirgends. Keine Ahnung, das ist dann schlecht.“ Genau solche Momente soll der Aktionstag gegen Wohnungslosigkeit sichtbar machen – und Menschen ins Gespräch bringen, die bisher kaum Berührungspunkte mit dem Thema hatten.1
Der Aktionstag findet am bundesweiten Tag der wohnungslosen Menschen statt. Das diesjährige Motto: „Hinschauen. Aktiv werden. – Gemeinsam gegen Wohnungsnot.“ Organisiert wird er von verschiedenen Trägern und Initiativen der Kölner Wohnungslosenhilfe.1
Die Zahlen sind erschreckend: Laut Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe e.V. (BAGW) sind rund 10.000 Menschen in Köln wohnungslos – etwa 400 davon leben akut auf der Straße. Damit gehört Köln zu den Brennpunkten in Nordrhein-Westfalen.1
„Das größte Problem ist der fehlende Wohnraum“, erklärt Jane van Well vom Sozialdienst Katholischer Männer Köln. Viele Betroffene seien eigentlich bereit, selbstständig zu leben – es fehle jedoch schlicht an den Möglichkeiten, den Weg dorthin zu gehen. Und Deborah Blum vom Diakonischen Werk Köln und Region ergänzt: „Viele Menschen meinen, es müsste eigentlich leicht sein, aus der Wohnungslosigkeit herauszukommen.“ Die Realität sei aber oft viel komplizierter.1
Sarah-Fee Jackmuth vom Träger „Auf Achse/Kjsh e. V.“ bringt es auf den Punkt: „Ich sage immer, die Menschen sind nicht betroffen, sondern getroffen von Wohnungslosigkeit. Es kann jeden treffen.“ Für sie liegt die Verantwortung auch klar bei der Politik: „Das sind strukturell bedingte Probleme. Wir brauchen von der Politik eine Haltung, die gesellschaftlichen Zusammenhalt fördert, nicht spaltet.“1
Auf dem Ebertplatz haben sich am Aktionstag unterschiedliche Stände versammelt – mit Infos zu Hilfsangeboten rund um Wohneinrichtungen und medizinische Unterstützung. Außerdem gab es kostenloses Essen, Getränke, Live-Musik und sogar eine Tischtennisplatte. „Wir wollen betroffenen Menschen natürlich einen Tag gestalten, der ihnen gefällt“, so Blum.1
Zum ersten Mal fand die Veranstaltung auf dem Ebertplatz statt – in den vergangenen Jahren war der Rudolfplatz der Ort des Geschehens. Das Angebot war dadurch etwas schlanker als gewohnt, weil der Bühnenwagen nicht auf den Platz passte. Jackmuth zieht trotzdem ein positives Fazit: „Es ist eigentlich schön hier, wir wurden hier mit offenen Armen empfangen. Und das ist ja auch ein Ort, an dem viele Menschen so schon viel Zeit verbringen.“1
Die Situation ist komplex: Ob Paare, Frauen oder Personen mit Hund – für viele Betroffene sind Wohnunterkünfte schwer zu finden, weil ihre Bedürfnisse so unterschiedlich sind. Umso wichtiger, dass bestehende Angebote weiter finanziert werden. Van Well blickt mit Blick auf den aktuellen Haushalt mit Sorge in die Zukunft: „Es darf keine finanziellen Kürzungen geben. Das ist fatal für diese bestehenden Angebote. Es ist so wichtig, dass wir die weiterführen können.“1
Der Aktionstag macht klar: Wohnungslosigkeit ist kein individuelles Versagen – sie ist ein gesellschaftliches Problem, das uns alle angeht. Hinschauen ist der erste Schritt. Aktiv werden der nächste.
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