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Bewährungsstrafen für tödlichen Hauseinsturz

Fast fünf Jahre nach einem Hauseinsturz mit zwei Toten in Düsseldorf hat das Landgericht sein Urteil verkündet. Es gab auch Freisprüche.

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Hauseinsturz Düsseldorf Gerhard Berger/dpa

Düsseldorf (dpa) - Fast fünf Jahre nach dem Hauseinsturz mit zwei Toten in Düsseldorf sind drei Verantwortliche zu Bewährungsstrafen verurteilt worden. Das Düsseldorfer Landgericht sprach sie wegen fahrlässiger Tötung und fahrlässiger Baugefährdung schuldig. Sie hätten ihre Sorgfaltspflichten verletzt und damit den Tod von zwei Menschen verursacht, sagte der Richter. Dies gelte für Planung, Vorbereitung, Überwachung und Ausführung der Arbeiten.

Der damalige Bauleiter erhielt mit zwei Jahren Haft die höchste Strafe. Die Architektin des Projekts wurde zu einem Jahr und zehn Monaten verurteilt, ein Abrissunternehmer zu einem Jahr. Freigesprochen wurden ein Statiker und ein Rohbauer. 

120 Tonnen Deckenlast

Bauarbeiter waren damals angewiesen worden, eine tragende Wand zu durchbrechen und nur Pfeiler stehenzulassen. Die Stärke der Pfeiler sei auf Wunsch der Bauherrin nochmals reduziert worden. Sie hätten die Deckenlast von 120 Tonnen nicht tragen können. 

Der Rohbau-Unternehmer sei nicht in die Planungen eingebunden und am Unglückstag nicht vor Ort gewesen und damit unschuldig. Der Statiker habe die Anweisung erteilt, das Mauerwerk zu prüfen, sei aber ignoriert worden. Die Durchbrüche der tragenden Wand seien ohne Ausführungsplanung, ohne Statik-Prüfung von einer dafür nicht qualifizierten Firma durchgeführt worden.

Sachkenntnis nicht geprüft

So habe die Architektin einem 61-jährigen Solinger die Bauleitung übertragen, «ohne seine Sachkenntnis zu überprüfen». Der Bauleiter, so der Richter, sei gelernter Elektriker und habe Erfahrungen mit dem Bau von Fertighäusern, aber nicht mit solchen Bauprojekten.

Das Gebäude in einem Hinterhof sollte saniert werden. Dabei war im Erdgeschoss die tragende Wand durchbrochen worden, was das Haus am 27. Juli 2020 zum Einsturz brachte. Zwei Bauarbeiter im Alter von 35 und 39 Jahren wurden unter tonnenschweren Trümmern begraben und kamen ums Leben.

«An dem Bauvorhaben haben zu viele inkompetente Menschen in führender Position mitgearbeitet», hatte der Staatsanwalt kritisiert. Der Prozess am Düsseldorfer Landgericht hatte im Oktober vergangenen Jahres begonnen. Die Verteidiger der Architektin kündigten an, gegen das nicht rechtskräftige Urteil in die Revision zu gehen.

© dpa-infocom, dpa:250403-930-422949/1