Nach dem tödlichen ICE-Unfall in Essen ermittelt jetzt eine Mordkommission. Welche Sicherheitsregeln bei Gleisarbeiten gelten und was noch unklar ist.
Nach dem tragischen Unfall in Essen-Katernberg, bei dem ein Gleisarbeiter von einem ICE erfasst wurde, ist die Trauer groß – aber die Fragen sind es auch. Warum ist das Unglück passiert? Und hätte es verhindert werden können? Klar ist: Die Ermittlungen laufen jetzt auf Hochtouren.1
Die Polizei nimmt die Sache mega ernst. Eine Mordkommission wurde eingerichtet, um die genauen Umstände des Unglücks aufzuklären.1 Das klingt erstmal krass, ist aber bei solchen Todesfällen Standard-Prozedere. Sollte sich herausstellen, dass Sicherheitsvorschriften nicht eingehalten wurden, steht sogar der Verdacht der fahrlässigen Tötung im Raum.1 Ein Bahnsprecher hat gegenüber dem WDR bestätigt, dass die Bahn die Ermittlungen nach Kräften unterstützt.1
Jetzt stellt sich natürlich die große Frage: Wie läuft sowas normalerweise ab, und welche Sicherheitsregeln gibt es überhaupt für Leute, die an Bahngleisen arbeiten? Die Antwort: richtig strenge.1
Bevor überhaupt eine Firma auf Bahngleisen arbeiten darf, muss sie sich an eine zuständige Stelle wenden, die einen verbindlichen Sicherungsplan erstellt.1 In dem ist alles genau festgelegt – von Gleissperrungen über Warnsysteme bis hin zu konkreten Sicherungsmaßnahmen. Ein Sprecher der Deutschen Bahn erklärt das so: Bei Bauarbeiten werden Regelungen zur Sicherheit vorher schriftlich in einer sogenannten Bau- und Betriebsanweisung, kurz Betra, festgehalten. Für jede einzelne Baumaßnahme gibt’s einen individuellen, auf die Gegebenheiten vor Ort abgestimmten Sicherungsplan.1
Richtig spannend wird’s, wenn man sich anschaut, wie Arbeiter überhaupt gewarnt werden, dass ein Zug kommt. Detektoren erfassen die Züge automatisch und lösen dann helles Licht und laute Hupgeräusche aus.1 Zusätzlich gibt’s in bestimmten Fällen extra Sicherheitsleute, die per Signalhorn Alarm schlagen können.1
Auch die Ausrüstung der Arbeiter selbst ist auf Sicherheit gepolt: Neben der typischen orangefarbenen oder neongelben Warnkleidung tragen viele Helme mit integriertem Kopfhörer, über den ein Warnsignal ausgelöst wird, sobald sich ein Zug nähert.1 Diese Systeme müssen laut einem Sicherheitsmitarbeiter vor jedem einzelnen Einsatz getestet werden – gibt’s eine Fehlfunktion, darf gar nicht erst gearbeitet werden.1 Übrigens: Smartphones und private Kopfhörer sind bei Gleisarbeiten absolut tabu.1
Normalerweise werden Gleise bei Arbeiten komplett für den Zugverkehr gesperrt.1 Genau das scheint im Fall von Essen aber nicht passiert zu sein – und das ist jetzt einer der zentralen Punkte, den die Polizei klären muss.1 Warum wurde die Strecke nicht gesperrt? Hat es einen Fehler im Sicherungsplan gegeben, oder hat die Technik versagt? Diese Fragen bleiben bis zum Abschluss der Ermittlungen offen.
Für die Angehörigen des Gleisarbeiters und auch für alle, die im Gleisbau arbeiten, ist dieser Fall ein Schock. Die Ermittlungen der Mordkommission werden zeigen müssen, ob hier menschliches oder technisches Versagen eine Rolle gespielt hat – oder ob es sich um einen tragischen Unglücksfall handelt, bei dem alle Vorschriften eingehalten wurden. Antenne NRW bleibt an dem Thema dran und hält euch auf dem Laufenden, sobald es neue Infos zu den Ermittlungsergebnissen gibt.
Wir informieren dich regelmäßig über aktuelle Nachrichten, Staus und wichtigen Themen - ohne Dich zu nerven!