Das Bielefelder Projekt BieNe gewinnt eine UN-Auszeichnung für die Wiederherstellung von Lebensräumen für blütenbesuchende Insekten in der Stadt.
Kleine Flächen, große Wirkung: Das Projekt „BieNe – Bielefelder Netz für Blütenbesucher“ ist als Gewinnerprojekt der UN-Dekade zur Wiederherstellung von Ökosystemen ausgezeichnet worden. BfN-Präsidentin Sabine Riewenherm übergab die Auszeichnung am 2. Oktober in der Kleingartenanlage „Am Meierhof“ in Bielefeld. Hinter dem Projekt stecken die Biologische Station Kreis Paderborn-Senne e.V. und der Naturwissenschaftliche Verein für Bielefeld und Umgegend e.V.
Wie das Bundesamt für Naturschutz mitteilt, überzeugte BieNe die Jury vor allem durch die Kombination aus konkreten Maßnahmen, einem breiten Bildungsangebot und der Einbindung vieler engagierter Menschen. Im UN-Dekade-Projektwettbewerb 2025 stand die Wiederherstellung von Stadtnatur im Fokus – und genau da setzt BieNe an: Das Ziel ist, Lebensräume für blütenbesuchende Insekten in Bielefeld und Umgebung wiederherzustellen.
Was das Projekt konkret bewirkt hat, kann sich sehen lassen. Laut Angaben des Bundesamtes für Naturschutz wurden seit Projektbeginn mehr als 220 Beratungen durchgeführt, bei denen Menschen Unterstützung bei der naturnahen Gestaltung ihrer Gärten und Grünflächen bekommen haben. Vier Insektenschaugärten machen die Maßnahmen direkt erlebbar und sollen zum Nachmachen anregen.
Besonders hervorgehoben wird die Multiplikationswirkung des Projekts: 23 Projektpartner unterstützen die Initiative, dazu kommen eigens ausgebildete Insektenbotschafterinnen und -botschafter, die ihr Wissen weitergeben. So ist nach und nach ein Netzwerk aus naturnahen Flächen und engagierten Menschen entstanden, die sich gemeinsam für mehr biologische Vielfalt in Bielefeld einsetzen.
Die Vereinten Nationen haben die Jahre 2021 bis 2030 zur UN-Dekade zur Wiederherstellung von Ökosystemen erklärt. Ziel ist es, die fortschreitende Zerstörung von Ökosystemen weltweit zu stoppen und geschädigte Lebensräume wiederherzustellen. Das Bundesumweltministerium und das Bundesamt für Naturschutz zeichnen im Rahmen der UN-Dekade jährlich herausragende Projekte in Deutschland aus. Eine Jury aus Ministerium, Bundesamt, Mitgliedern des Wissenschaftlichen Beirats und jungen Partnerinnen und Partnern der UN-Dekade wählt dafür pro Bewerbungsrunde sechs Gewinnerprojekte aus, die als Best-Practice-Beispiele dienen sollen. Die nächste Wettbewerbsrunde ist für 2027 geplant.
Der Erfolg von BieNe fällt dabei in eine Zeit, in der auch rechtlich einiges in Bewegung ist: Seit August 2024 gibt es mit der EU-Wiederherstellungsverordnung erstmals ein verbindliches Instrument für die Wiederherstellung der Natur in der Europäischen Union. Das übergeordnete Ziel ist, bis 2030 auf mindestens 20 Prozent der geschädigten Land- und Meeresfläche der EU entsprechende Maßnahmen umzusetzen. Die Verordnung nimmt dabei ausdrücklich auch städtische Ökosysteme in den Blick: Bis 2030 darf die nationale Gesamtfläche an Stadtgrün und die Baumkronenfläche nicht sinken, ab 2031 soll es sogar einen steigenden Trend geben.
Projekte wie BieNe zeigen laut Bundesamt für Naturschutz, welches Potenzial in Gärten und städtischen Grünflächen steckt, wenn es um die Wiederherstellung von Lebensräumen geht. Gerade für blütenbesuchende Insekten können so auf kleinem Raum wertvolle Biotope entstehen. Die prämierten Projekte der UN-Dekade dienen dabei auch als praktische Beispiele für die Umsetzung der EU-Wiederherstellungsverordnung in Deutschland – ein Beleg dafür, dass Naturschutz nicht nur auf dem Land, sondern auch mitten in der Stadt funktionieren kann.
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