Warnstreiks in NRW: Die IG Metall startet in Bielefeld und über zwei Dutzend weiteren Betrieben – wir zeigen euch, worum es im Tarifstreit wirklich geht.
Wir hatten es euch schon in einem früheren Beitrag angekündigt: Die IG Metall NRW macht ernst. Nach dem Ende der Friedenspflicht sind die Warnstreiks in der Metall- und Elektroindustrie jetzt tatsächlich gestartet – und zwar pünktlich am Sonntagabend. Los ging’s bei Gestamp Umformtechnik GmbH in Bielefeld, wie Radio Bielefeld berichtet. Um 22 Uhr war dort eine Kundgebung geplant, und damit war der Startschuss für die Aktionswelle in ganz NRW gegeben.
Am Montag ging’s dann richtig rund: Laut der Nachrichtenagentur dpa waren Gewerkschaftsmitglieder in landesweit mehr als zwei Dutzend Betrieben aufgerufen, sich an den Warnstreikaktionen zu beteiligen. Damit ist klar: Das bleibt kein Einzelfall in Bielefeld, sondern zieht sich quer durchs Land. Grund für die ganze Aktion sind die festgefahrenen Tarifverhandlungen zwischen IG Metall und den Arbeitgebern der Branche.
Die Fronten sind nach wie vor ziemlich verhärtet. Die Arbeitgeber hatten in der zweiten Verhandlungsrunde ein erstes Angebot auf den Tisch gelegt: eine Einmalzahlung plus eine Entgelterhöhung von 1,3 Prozent – das Ganze bei einer Laufzeit von 26 Monaten. Begründet wurde das Ganze mit der angespannten wirtschaftlichen Lage und hohen Kostenbelastungen für die Industrie in Deutschland.
Die IG Metall sieht das komplett anders und fordert fünf Prozent mehr Geld bei einer deutlich kürzeren Laufzeit von zwölf Monaten. IG Metall-Verhandlungsführer Knut Giesler wird laut dpa mit den Worten zitiert, das Angebot liege weit unter der Inflation, obwohl die Wirtschaft erste Erholungssignale sende. Das Angebot gleiche weder die gestiegenen Lebenshaltungskosten aus, noch biete es Perspektiven für Investitionen, Beschäftigungssicherung oder die Zukunft der Industriestandorte.
Die Dimension des Ganzen ist schon beachtlich: In NRW sind laut IG Metall rund 640.000 Menschen in der Metall- und Elektrobranche beschäftigt. Mit den Warnstreiks wollen die Beschäftigten jetzt ganz klar machen, dass sie eine spürbare Verbesserung des Angebots erwarten – und dass sie bereit sind, dafür auch mal die Arbeit ruhen zu lassen.
Ganz vorbei ist die Sache noch lange nicht. Die dritte Verhandlungsrunde zwischen IG Metall und den Arbeitgebern ist nach Angaben der Gewerkschaft für den 9. November angesetzt. Bis dahin bleibt also erstmal abzuwarten, ob sich beide Seiten noch annähern – oder ob es weitere Warnstreiks in den Betrieben NRWs geben wird. Für die Beschäftigten in der Branche heißt es also: Augen und Ohren offenhalten, denn die nächste Runde kommt bestimmt.
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