Jeden Dienstag heißt es im Boni Center Witten: Ruhe statt Rummel. Die „Stille Stunde“ im Supermarkt soll Menschen mit Einschränkungen entspanntes Einkaufen…
Kein Radio, keine Durchsagen, kaum Klappern an der Kasse – in Witten gibt’s seit dem 22. September eine echte Besonderheit im Supermarkt. Das Boni Center bietet jeden Dienstag von 15 bis 17 Uhr eine sogenannte „Stille Stunde“ an. Wie come-on.de berichtet, weist ein Plakat am Eingang auf die Aktion hin. In dieser Zeit verzichtet der Markt komplett auf Musik und Lautsprecheransagen.
Auch Kundinnen und Kunden sind in der Zeit gefragt, Rücksicht zu nehmen: Lautes Telefonieren ist nicht erwünscht. An den Kassen werden Geräusche reduziert, und das Personal räumt nur das Nötigste in die Regale, damit die Gänge möglichst frei bleiben. Eigentlich sollte es laut come-on.de auch gedimmtes Licht geben – das lässt das Gebäude aber leider nicht zu.
Der Grund für die Aktion: Ein normaler Supermarkt mit Hintergrundmusik, hellem Licht und vollen Gängen kann für manche Menschen ganz schön stressig sein. Besonders Menschen mit nicht sichtbaren Beeinträchtigungen reagieren oft sensibel auf Geräusche und andere Reize. Aber auch wer eine Sehbehinderung hat oder in der Mobilität eingeschränkt ist, profitiert von freieren Wegen und weniger Trubel in den Gängen.
Angestoßen hat das Ganze die Behindertenkoordinatorin der Stadt Witten, Andrea Heucken. Sie hat mehrere Supermärkte angesprochen und für die Teilnahme geworben, wie come-on.de berichtet. Heucken ist laut einer Mitteilung der Stadt Witten seit dem 1. Juli als Behindertenbeauftragte im Amt und bringt fast vier Jahrzehnte Erfahrung aus der Wittener Stadtverwaltung mit – unter anderem war sie im Wohnungsamt, im Bürgerberatungsdienst sowie im Jugend- und Schulamt tätig. Zu ihren Aufgaben als Behindertenbeauftragte gehört es, Bauprojekte auf Barrierefreiheit zu prüfen und Fachgutachten für Neubauten zu erstellen – und eben auch, sich für Angebote wie die stille Stunde starkzumachen.
Nach Angaben von come-on.de sei die Resonanz auf die Aktion in Witten durchweg positiv gewesen. Sogar für den anstehenden Wittener Weihnachtsmarkt sei eine stille Stunde in Planung – Details dazu gibt es laut come-on.de aber noch nicht.
Eine Unternehmenssprecherin des Boni Centers sagte gegenüber come-on.de, das Angebot sei „sehr gut angelaufen“, die Rückmeldungen überwiegend positiv. Viele Kundinnen und Kunden würden sich laut Sprecherin ausdrücklich freuen, dass der Markt mit der stillen Stunde einen Beitrag zum Thema Inklusion leistet. Spannend dabei: Das Angebot erreicht offenbar auch Menschen, an die es ursprünglich gar nicht gerichtet war. Neben Kundinnen und Kunden mit Einschränkungen nutzen laut Sprecherin auch andere die ruhige Zeit zum Einkaufen – einfach, weil sie die entspanntere Atmosphäre schätzen.
Ob und wie das Angebot künftig ausgebaut wird, lässt das Unternehmen laut come-on.de noch offen. Die positive Resonanz motiviere aber dazu, die stille Stunde weiterzuentwickeln. Konkrete Pläne dazu nannte die Sprecherin bislang nicht. Fest steht: In Witten zeigt ein Supermarkt gerade ziemlich eindrucksvoll, wie viel Wirkung so eine kleine Veränderung im Alltag haben kann – und dass Inklusion manchmal einfach mit etwas mehr Ruhe anfängt.
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