Evonik investiert 52 Millionen Euro in eine neue Silikone-Anlage in Essen – mitten in der Debatte um eine mögliche BASF-Übernahme.
Essen bleibt ein Schwergewicht in Sachen Chemie: Evonik hat am Standort Goldschmidtstraße eine neue Produktionsanlage plus Tanklager fertiggestellt – Kostenpunkt: 52 Millionen Euro. Mit dem Ausbau sollen die Kapazitäten für sogenannte organomodifizierte Silikone deutlich steigen. Klingt kompliziert, steckt aber in ganz normalen Alltagsprodukten: In Matratzen, Autositzen, Dämmstoffen, Klebstoffen, Lacken und sogar in Kosmetikprodukten sind diese Silikone als Zusatzstoffe drin.
Essen Goldschmidtstraße ist laut Evonik der zentrale Produktionsstandort für die internationale Silikone-Plattform des Konzerns. Das Werk bildet ein enges Netzwerk mit weiteren deutschen Standorten in Geesthacht, Obernburg und Wittenburg sowie mit Pandino in Italien, Schanghai in China und Hopewell in den USA. Durch die neue Anlage müssen künftig weniger Zwischen- und Endprodukte zwischen den einzelnen Standorten hin- und hertransportiert werden – das soll Engpässe vermeiden und zusätzliches Marktpotenzial erschließen.
Auch die Logistik vor Ort wurde komplett neu gedacht: Eine 150 Meter lange Rohrbrücke verbindet jetzt vier Betriebe und 15 Produktionsanlagen mit dem neuen Tanklager. Fünf Edelstahlbehälter – der größte davon 24 Meter hoch – sorgen dafür, dass wichtige Rohstoffe in großen Mengen vorgehalten werden können. Das Werksgelände ist dadurch von 32 auf 35 Hektar gewachsen.
Der Ausbau fand bei laufendem Betrieb und auf engstem Raum statt. Rund 80 Evonik-Mitarbeiter sowie mehr als 230 Beschäftigte von 25 Fremdfirmen waren daran beteiligt. Essens Oberbürgermeister Thomas Kufen betonte, Investitionen dieser Größenordnung seien gerade in herausfordernden Zeiten ein wichtiges Zeichen für die Essener Wirtschaft, sicherten hochwertige Arbeitsplätze und stärkten die Wettbewerbsfähigkeit.
Die Investition fügt sich in eine größere Strategie ein: Evonik hat für seine sechs großen deutschen Produktionsstandorte – Essen Goldschmidtstraße, Marl, Wesseling, Darmstadt/Weiterstadt, Rheinfelden und Hanau – jeweils ein eigenes Zukunftsprofil festgelegt. Essen soll sich demnach als Kompetenzzentrum für Formulierungen positionieren, also für maßgeschneiderte chemische Rezepturen.
Besonders spannend: Die neue Anlage wurde genau in der Phase präsentiert, in der über eine mögliche Übernahme von Evonik durch BASF diskutiert wird. Wie der stern berichtet, hatte Evonik erst kurz zuvor mitgeteilt, auf Basis der bisher vorliegenden Informationen nicht mit BASF über eine Übernahme zu verhandeln. Der Vorstand bleibe auf die strategische Ausrichtung und Weiterentwicklung von Evonik als eigenständiges Unternehmen fokussiert, hieß es demnach in einer Mitteilung – gleichzeitig signalisierte der Konzern aber Bereitschaft zu einem rein informativen und vertraulichen Austausch mit BASF.
Finanzvorstand Michael Rauch unterstrich laut stern bei der Vorlage neuer Quartalszahlen ebenfalls die Absicht, eigenständig zu bleiben. Evonik sei ein starkes, weltweit führendes Unternehmen in der Spezialchemie, so Rauch demnach in einem Statement auf LinkedIn. Dass das Unternehmen dadurch für andere interessant sei, sei nachvollziehbar – Evonik mache sich aber gerade selbst noch stärker.
Für den Standort NRW ist die Botschaft klar: Trotz Übernahmegerüchten und Marktdruck investiert Evonik weiter kräftig in Essen. Mit der gestärkten Silikone-Plattform und dem neuen Tanklager soll der Standort nicht nur sicherer in der Rohstoffversorgung werden, sondern auch seine Rolle im globalen Produktionsverbund des Konzerns ausbauen. Ob und wie sich die BASF-Debatte weiterentwickelt, bleibt abzuwarten – die 52-Millionen-Investition ist aber schon mal gebaut.
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