Obdachlose Kinder in Neuss: Die verdeckte Not ist real. Was Betroffene erleben & wie Stadt und Hilfen reagieren – aktuelle Einordnung.
Im Rhein-Kreis Neuss sind obdachlose Kinder und Jugendliche offiziell kaum sichtbar – dennoch gibt es laut Schätzungen rund 60 Betroffene, die ohne eigenen gesicherten Wohnraum leben. Eine klare Versorgungslage fehlt, während die Betroffenen im Stadtbild kaum auffallen.
Rebekka Schuh, Leiterin der Neusser Tafel, berichtet: „Es gibt im Rhein-Kreis Neuss rund 60 obdachlose Kinder und Jugendliche, die unversorgt sind und eine Notschlafstelle bräuchten.“ Die Neusser Tafel bietet für diese Jugendlichen seit November einen Mittagstisch mit warmer Mahlzeit an. Die Stadtverwaltung sieht die Problematik jedoch skeptisch und erkennt offiziell keine obdachlosen Kinder und Jugendlichen an. Sozialdezernent Stefan Hahn bezweifelt gar die genannten Zahlen und moniert, der Mittagstisch sei nicht mit der Stadt abgestimmt worden (trailer-ruhr.de).
Das Thema verdeckte Obdachlosigkeit ist kompliziert. Viele Jugendliche sind zwar bei Eltern oder in Heimen gemeldet und gelten formal nicht als obdachlos, leben aber faktisch ohne festen Wohnsitz – sie wechseln zwischen Freunden, Verwandten oder verbringen die Nacht auf der Straße. Häufig stehen zerrüttete Familienverhältnisse, Missbrauch oder finanzielle Not hinter solchen Schicksalen. Auch sind die jungen Menschen im öffentlichen Raum kaum sichtbar, da sie oft gezielt Orte meiden, in denen sie auffallen könnten.
Verdeckte Obdachlosigkeit ist kein alleiniges Problem von Neuss oder dessen Umland. Nach Schätzungen des Bündnisses für Straßenkinder in Deutschland betreuen soziale Einrichtungen deutschlandweit jährlich etwa 9.000 obdachlose Jugendliche. Soziale Hilfen vor Ort setzen oft auf Anonymität und niedrigschwellige Angebote, um Vertrauen aufzubauen. Vielerorts fehlt jedoch die systematische Erfassung und Unterstützung.
Das Spannungsfeld zwischen offizieller Wahrnehmung der Stadt und den praktischen Erfahrungen von Sozialarbeitern bleibt bestehen. Vertreter sozialer Hilfen weisen darauf hin, dass Leugnen der Problematik betroffenen Jugendlichen nicht hilft. Weiterhin bleibt es Aufgabe der Gesellschaft, verdeckte Obdachlosigkeit sichtbar zu machen und die Unterstützungslücken zu schließen.
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