Ehrengräber auf dem Kölner Friedhof Melaten verfallen – und Dombaumeisterin Barbara Schock-Werner nennt das klar eine Schande für die Stadt.
Köln feiert sich gerne selbst – und das völlig zu Recht. Die Stadt hat Geschichte, Charakter und unzählige große Persönlichkeiten hervorgebracht, die die Region bis heute prägen. Doch wer aktuell auf dem Friedhof Melaten unterwegs ist und nach den Ehrengräbern bekannter Kölnerinnen und Kölner sucht, erlebt eine bittere Enttäuschung. Und die hat es wirklich in sich.1
Die Kölner Dombaumeisterin a.D. Barbara Schock-Werner macht kein Geheimnis daraus, wie sie den aktuellen Zustand bewertet: Es ist eine Schande.1 Und wer einmal selbst durch die Alleen auf Melaten geschlendert ist, versteht, was sie meint. Grabstätten, die eigentlich unter städtischem Schutz stehen und als Ehrengräber ausgewiesen sind, wirken teilweise so, als hätte sich seit Jahren niemand mehr darum gekümmert.
Dabei geht es hier nicht um irgendwelche vergessenen Ecken des Friedhofs. Unter den Beigesetzten sind große Namen der Kölner Geschichte – Menschen, die die Stadt kulturell, wirtschaftlich und gesellschaftlich mitgeprägt haben. Genau diese Gräber verfallen zusehends.1
Der Historiker Ulrich S. Soénius führt in der Kölner Stadtanzeiger-Serie „150 aus 150″ regelmäßig die Grabstätten auf Melaten als Teil der sichtbaren Hinterlassenschaften bedeutender Kölnerinnen und Kölner an. Eine tolle Idee – in der Theorie. Wer sich aber tatsächlich auf den Weg macht und diese Orte besucht, erlebt laut Schock-Werner oft eine peinliche Situation. Peinlich für die Stadt, die diese Gräber als Ehrengräber ausgewiesen hat, aber offenbar nicht die Kapazitäten oder den Willen aufbringt, sie entsprechend zu pflegen.1
Das ist ein Problem, das über Ästhetik weit hinausgeht. Es geht um Respekt – gegenüber den Verstorbenen, aber auch gegenüber der eigenen Stadtgeschichte. Wer seinen Ehrengräbern nicht einmal ein würdiges Erscheinungsbild gönnt, sendet ein klares Signal: Diese Erinnerungskultur hat keine Priorität.
Schock-Werner selbst zeigt Verständnis dafür, dass die neue Stadtspitze sich redlich Mühe gibt und dass leere Kassen vieles erschweren.1 Und ja, kommunale Haushalte stehen in ganz NRW unter Druck – das ist keine Kölner Spezialität. Trotzdem: Ehrengräber sind kein Nice-to-have. Sie sind ein aktives Versprechen der Stadt an die Nachwelt, das Andenken besonderer Menschen zu bewahren.
Genau deshalb ist der aktuelle Zustand so schwer zu rechtfertigen. Denn es braucht keine Millionen, um Grabstätten ordentlich zu halten. Was es braucht, ist politischen Willen und ein klares Bekenntnis zur eigenen Geschichte.
Damit Melaten wieder das werden kann, was es verdient – ein Ort der Erinnerung und des Respekts – braucht es konkrete Schritte:
Köln ist stolz auf seine Geschichte – und das völlig zu Recht. Aber Stolz ohne Pflege ist letztlich nur leeres Gerede. Die Ehrengräber auf Melaten sind ein Test: Wie ernst nimmt die Stadt ihr eigenes kulturelles Erbe? Die Antwort liegt gerade buchstäblich im Unkraut.
Wir informieren dich regelmäßig über aktuelle Nachrichten, Staus und wichtigen Themen - ohne Dich zu nerven!