Ein neues Handyvideo zeigt den Beginn des Polizeieinsatzes gegen Pedro Corona in Köln. War der 30-Jährige wirklich aggressiv?
43 Sekunden. So lange dauert ein Handyvideo, das jetzt im Fall Pedro Corona für mächtig Aufsehen sorgt. Der 30-jährige Kölner Erzieher ist seit einem Polizeieinsatz in seiner Wohnung schwerstbehindert – und nun haben Angehörige auf seinem Handy eine Aufnahme entdeckt, die zeigt, wie der Einsatz begann. Für seinen Anwalt ist das ein entscheidendes Beweismittel.1
Aufgenommen wurde das Video am 8. April um 19:34 Uhr. Pedro Corona steht dabei an seiner geschlossenen Wohnungstür und richtet die Kamera seines Handys auf den Türspion. Auf der anderen Seite im Hausflur: eine Rettungsärztin und zwei Polizisten. Corona fragt immer wieder: „Warum soll ich rauskommen? Warum muss ich aufmachen?“ – ruhig, orientiert, ohne erkennbare Aggression.1
Rechtsanwalt Simón Barrera Gonzàles war sofort klar, was das bedeutet: Sein Mandant wusste offenbar gar nicht, dass er zwangsweise in eine psychiatrische Klinik eingeliefert werden sollte. Genau das macht die Aufnahme so brisant.1
An dem Tag hatte der 30-Jährige psychische Probleme. Freunde machten sich Sorgen um ihn und riefen den Rettungsdienst. Die Notärztin sprach zunächst mit Pedro Corona – und entschied nach dem Verlassen der Wohnung, ihn mithilfe der Polizei in eine Klinik einzuweisen. Ihrer Einschätzung nach ging von ihm eine erhebliche Fremdgefährdung aus.1
Das Handyvideo legt jedoch nahe: Pedro Corona wusste nichts davon. Er stand hinter seiner Tür, stellte Fragen und wartete auf Antworten – die er offenbar nie bekam.1
Für Anwalt Barrera Gonzàles ist das Video ein wichtiger Puzzlestein. Es stellt die zentrale Frage des Falls neu: War Pedro Corona wirklich so aggressiv, dass ein gewaltsamer Polizeieinsatz gerechtfertigt war – oder zeigt das Gegenteil? Seit dem Einsatz in seiner Kölner Wohnung ist der Erzieher schwerstbehindert. Das hat nicht nur sein Leben, sondern auch das seiner Familie für immer verändert.1
Der Fall Pedro Corona ist mehr als eine juristische Auseinandersetzung. Er wirft grundlegende Fragen auf: Wie geht die Polizei mit Menschen in psychischen Ausnahmesituationen um? Welche Rechte haben Betroffene? Und was passiert, wenn Kommunikation im entscheidenden Moment fehlt? Das neu aufgetauchte Video gibt dem Ganzen eine neue Dimension – und könnte dafür sorgen, dass diese Fragen endlich Antworten bekommen.1
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