Das Alkoholverbot am Kölner Hauptbahnhof zeigt erste Wirkung – doch die Bahnhofsmission warnt vor einem neuen Problem für obdachlose Menschen.
Seit April gilt am Kölner Hauptbahnhof ein Alkoholverbot – und die ersten Erfahrungen sind gemischt, aber insgesamt positiv. Die Bahnhofsmission zieht jetzt eine erste Bilanz: Besonders an den Wochenenden hat sich die Lage spürbar entspannt.1 Wer schon mal erlebt hat, wie eine Gruppe feierwütiger Junggesellenabschieds-Truppen mit Bierflaschen in der Hand durch den Bahnhof gezogen ist, weiß, wovon wir reden.
Ehrenamtler Christoph Gerwin von der Bahnhofsmission bringt es auf den Punkt: „Die waren nicht unbedingt aggressiv. Aber das bringt unglaublich viel Unruhe.“ Und weiter: „Wir haben auch viele ältere Menschen, die wir hier begleiten. Und die kriegen einfach Angst.“1 Das Verbot sendet laut Gerwin vor allem ein Signal – der Kölner Hauptbahnhof soll als sicherer Ort wahrgenommen werden. Und das klappt offenbar ganz gut.
So weit, so gut. Aber die Bahnhofsmission sieht auch eine Schattenseite des Verbots. Die Teams stoßen bei ihren Rundgängen seltener auf obdachlose und alkoholkranke Menschen – und das ist kein Grund zur Entwarnung.1 Sozialarbeiter Thorsten Krojnewski macht deutlich: „Nur weil die Menschen nicht mehr so sichtbar sind, ist das Problem ja nicht weg.“
Früher war es einfacher, diese Menschen direkt anzusprechen und Hilfe anzubieten. Jetzt besteht die Sorge, dass genau die, die Unterstützung am dringendsten brauchen, schwerer erreichbar sind. Krojnewski fordert deshalb ergänzend zum Alkoholverbot auch politische Maßnahmen – denn ein Verbot allein löst keine sozialen Probleme.1
Der Kölner Hauptbahnhof ist übrigens einer von bereits 30 Bahnhöfen in Deutschland, an denen Alkohol verboten ist. Und die Deutsche Bahn plant, das Verbot auf alle Bahnhöfe bundesweit auszuweiten.1 Der Grund: Schutz der Mitarbeitenden – und weniger Chaos insgesamt. Bahn-Chefin Evelyn Palla fasst die bisherigen Erfahrungen knapp zusammen: „Alkoholfrei heißt: weniger Gewalt und weniger Müll.“1
Das Alkoholverbot am Kölner Hauptbahnhof wirkt – zumindest was das Sicherheitsgefühl und die Ruhe im Bahnhofsalltag angeht. Gerade für ältere Reisende und Menschen, die auf ein entspanntes Umfeld angewiesen sind, ist das eine echte Verbesserung. Gleichzeitig darf nicht vergessen werden, dass vulnerable Menschen dadurch aus dem Blickfeld geraten können. Die Bahnhofsmission leistet hier weiter unverzichtbare Arbeit – und braucht dafür auch die richtigen politischen Rahmenbedingungen.1
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