Frauenobdachlosigkeit in Köln ist oft unsichtbar und gefährlich. Diana hat es selbst erlebt und kämpft jetzt mit dem Verein OMZ für echte Lösungen wie Housing…
Stell dir vor, du verlierst deine Wohnung. Kein Dach, kein Bett, kein sicherer Ort. Was jetzt? Für viele Frauen beginnt dann ein Leben im Verborgenen – und genau das macht ihre Situation so gefährlich. Diana war selbst zweieinhalb Monate obdachlos in Köln und weiß, wovon sie redet. Ihre Geschichte zeigt: Frauenobdachlosigkeit sieht anders aus, als wir denken – und sie ist viel häufiger, als sie wahrgenommen wird.1
Wenn wir an Obdachlosigkeit denken, haben die meisten von uns ein bestimmtes Bild im Kopf: ein Mann, verwahrlost, irgendwo unter einer Brücke. Frauen passen nicht in dieses Bild – und das hat einen Grund. Diana erklärt es so:1
„Frauen pflegen sich mehr und es gibt halt ein bisschen die Kleidung. Man kann sich Kleidung nehmen, man kann duschen. Das wird viel mehr von Frauen wahrgenommen als von Männern. Der Mann gibt dann ganz auf und dem ist dann auch egal, wie er aussieht. Die Frau hat da irgendwie – selbst in den schlimmsten Momenten muss sie noch irgendwie gut aussehen. Die schämen sich.“
Wer nicht auffällt, bekommt auch weniger Hilfe. Das ist die bittere Kehrseite dieser unsichtbaren Obdachlosigkeit. Und wer sich versteckt, ist meistens allein unterwegs – in einer Lage, in der jeder falsche Ort, jede falsche Bekanntschaft schnell gefährlich werden kann.1
Bevor Frauen auf der Straße landen, schlafen viele erstmal bei Freunden oder Bekannten. Klingt erstmal nach einer Lösung – ist es aber oft nicht. Diana beschreibt, wie dieser vermeintliche Rettungsanker sich schnell als Sackgasse entpuppt:1
„Man schläft von Couch zu Couch. Im Zwei-Drei-Wochen-Takt passt das dann nicht mehr. Die meisten, die einen aufnehmen, sind ja natürlich Männer, und das will man auch nicht unbedingt. Dann sucht man sich wieder was Neues, und dann erlebt man auch manchmal Übergriffe – dass der Mensch meint, wenn man da wohnt, dass er einen auch anfassen kann.“
Ein Satz, der sitzt. Denn für obdachlose Frauen geht es nicht nur um Kälte, Hunger und fehlende Hygiene. Es geht um Sicherheit. Um Grenzen. Um die Angst, ausgeliefert zu sein.1
Was wirklich hilft? Diana sagt: mehr Unterkünfte, mehr echte, geschützte Plätze. Genau dafür setzt sich der Kölner Verein „Obdachlose mit Zukunft“ (OMZ) ein. Vereinsvertreter Kalle Gerigk bringt es im Gespräch mit Radio Köln auf den Punkt:1
„Die Lösung ist Housing First. Das heißt, Obdachlose brauchen erst mal ein Dach über dem Kopf. Dann kann man sich um alle anderen Probleme kümmern. Aber wenn du kein Dach über dem Kopf hast, hast du andere Sorgen, als dich vielleicht um Ämter oder irgendwelche Anträge zu kümmern.“
Der Gedanke dahinter ist simpel, aber kraftvoll: Wer ständig damit beschäftigt ist, einen sicheren Schlafplatz zu finden, kann kaum Termine wahrnehmen, Anträge ausfüllen oder Perspektiven planen. Stabilität beginnt mit einer Tür, die man hinter sich schließen kann.1
Konkrete Hilfe gibt es jetzt durch die Bethe-Stiftung, die dem Verein OMZ 6.000 Euro Fördergeld übergeben hat. Damit soll Wohnraum geschaffen werden – vor allem für obdachlose Frauen. Kalle Gerigk zeigt sich tief bewegt:1
„Diese 6.000 Euro sind weit mehr als nur Geld. Sie sind ein Zeichen, dass die Menschen, die auf der Straße leben, nicht vergessen werden.“
Auch Diana findet klare Worte: „Ich weiß, wie es sich anfühlt, vergessen zu werden. Diese Unterstützung zeigt uns: Wir sind nicht allein. Sie gibt Menschen Hoffnung und die Kraft, wieder an eine Zukunft zu glauben.“1
Laut Schätzungen leben aktuell rund 500 obdachlose Menschen in Köln. Jeder einzelne ist einer zu viel – und bei Frauen bleibt ein Teil des Problems oft unsichtbar.1
Diana erzählt ihre Geschichte nicht, um Mitleid zu bekommen. Sie erzählt sie, damit wir verstehen, wie schnell man „unsichtbar“ werden kann. Eine gekündigte Wohnung, ein Bruch in der Familie, ein Jobverlust, eine Krankheit – und dann beginnt der Weg von Sofa zu Sofa. Für OMZ ist das Fördergeld deshalb auch Rückenwind für eine Idee, die in Köln immer wieder diskutiert wird: Obdachlosigkeit nicht nur verwalten, sondern wirklich beenden. Und dabei diejenigen nicht zu übersehen, die am leichtesten durch jedes Raster fallen.1
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