Rainer Höpken zeigt im Museum Voswinckelshof Dinslaken Fotokunst auf Europaletten. Die Ausstellung „EPAL.art
Hand aufs Herz – wer schaut schon zweimal auf eine Europalette? Rainer Höpken schon. Und genau das macht seine neue Ausstellung „EPAL.art – Fotokunst auf Europaletten“ im Museum Voswinckelshof in Dinslaken zu einem echten Hingucker. Der Dinslakener Künstler beweist: Alltägliche Gegenstände können der coolste Bildträger der Welt sein – wenn man sie mit dem richtigen Blick betrachtet.1
Die Eröffnung lief nicht ganz so, wie man eine klassische Vernissage erwarten würde – und das war auch gut so. Museumsleiter Danny Könnicke verlegte die Vernissage kurzerhand ins Café „Le petit Paris“, das direkt auf der Wiese des Voswinckelshofs aufgeschlagen war. Der Grund: Das nostalgische Zirkus-Café war eigentlich für das Straßentheaterfestival Abfahrt Eins gedacht, bot aber spontan den perfekten Rahmen für die Ausstellungseröffnung.1
Das Herzstück des Cafés ist ein Zirkuswagen von 1942, rot und golden im Stil des Fin de Siècle bemalt und seit 84 Jahren in Familienbesitz. Kunstambiente mal anders – da lohnt es sich doch, vorbeizuschauen, oder?1
Die Geschichte hinter „EPAL.art“ ist fast genauso spannend wie die Werke selbst. 2021 tauchte die Idee erstmals auf – auf Anregung von Udo Buschmann nutzte Höpken für die Kulturkreis-Ausstellung „Alles paletti“ erstmalig eine Europalette als Kunstobjekt. Zwei Jahre später, 2023, ließ er ein Foto direkt auf eine Palette drucken.1
Das Ergebnis? Ein Effekt, den man so schnell nicht vergisst: Die Struktur des ungeschliffenen, abgenutzten Holzes und die Abstände zwischen den Holzlatten erzeugen einen einzigartigen Jalousie-Effekt. Das erste Bild dieser Art, „Monkey House“, hängt seitdem im Treppenhaus des Museums – und das bereits seit drei Jahren.1
Aus einem Experiment wurde eine ganze Werkschau: Jetzt zeigt Höpken insgesamt 14 Paletten – zwölf davon als Bildträger für Fotos, zwei als Kunstobjekte mit Naturthemen. Von weltweit 650 Millionen Europaletten also 14, die jetzt Kunst tragen statt Lasten.1
Im Dachgeschoss des Museums eröffnet sich eine Welt voller Kontraste: Street-Art-Fotografien treffen auf Löwenzahn, der auf dem ehemaligen Bergwerksgelände Lohberg geblüht hat. Einzelne Paletten erhielten aus drucktechnischen Gründen zusätzliche Platten als Unterfütterung – Höpken ließ sie dran. Das Ergebnis: Die Fotos wirken dadurch noch plastischer und dreidimensionaler.1
Besonders traumhaft: Ein Blick in einen Saal des Jagdschlosses Brühl, in dessen Scheiben sich der Wald spiegelt – als seien barocker Prunk und Natur für immer zusammengewachsen. Und am Ende des Saals durchdringt Wurzelholz eine Europalette: „Genesis“ – der Ursprung der ganzen Serie.1
Volker Grans, stellvertretender Bürgermeister der Stadt Dinslaken, betonte bei der Vernissage, wie sehr Höpken darin glänzt, Dinge zu fotografieren, die andere übersehen würden. Und genau das ist es, was „EPAL.art“ so sehenswert macht. Die Ausstellung läuft noch bis zum 30. August – also nichts wie hin!1
Kunst muss nicht immer an weißen Galeriewänden hängen. Manchmal reicht eine Europalette – und ein Künstler, der weiß, was er damit anfangen kann. Schaut vorbei und lasst euch überraschen!
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