Ein Zeppelin misst seit August 2026 die Luftqualität über NRW – von Köln bis Essen. Was steckt hinter der spannenden Forschungskampagne der Uni Köln?
Hast du in den letzten Tagen einen Zeppelin über Köln, Düsseldorf oder Essen gesehen und dich gefragt: „Was macht der denn da?“ Keine Panik – der ist nicht einfach so auf Sightseeing-Tour! Seit dem 3. August sind Forschende der Universität zu Köln und des Forschungszentrums Jülich mit einem Zeppelin vom Typ NT (Neue Technologie) über der Metropolregion Rhein-Ruhr unterwegs, um unsere Luft unter die Lupe zu nehmen.1
Die beiden Atmosphärenchemiker Juniorprofessorin Dr. Eva Pfannerstill und Dr. Georgios Gkatzelis suchen in der Luft nach sogenannten flüchtigen organischen Verbindungen – kurz VOC. Das klingt erstmal mega kompliziert, ist aber gar nicht so weit weg von unserem Alltag: Eine dieser Substanzen kennst du zum Beispiel als den typischen Tannenduft im Wald!1 In der Atmosphäre können diese Gase zu winzigen Partikeln reagieren, die sowohl das Klima als auch die Luftqualität beeinflussen.
Juniorprofessorin Pfannerstill erforscht dabei vor allem, wie Umweltstress – zum Beispiel durch Schädlinge – die Wechselwirkung zwischen Wald und Atmosphäre verändert. Dr. Gkatzelis hat dagegen die Städte im Fokus: Er will verstehen, welche Emissionen entstehen, die nicht aus Verkehr oder Industrie stammen – sondern zum Beispiel aus ganz normalen Haushaltschemikalien.1
Gute Frage! Der Zeppelin bietet nämlich echte Vorteile gegenüber anderen Forschungsplattformen. „Durch seine langsame und stabile Flugweise können wir hochpräzise Messungen in niedriger Flughöhe durchführen und Gebiete gezielt überfliegen“, erklärt Juniorprofessorin Pfannerstill.1 Das Luftschiff ist überwiegend zwischen 100 und 300 Metern Höhe unterwegs – und das mit einer Geschwindigkeit von gerade mal 65 km/h. So ein gemächliches Tempo hat also durchaus seinen wissenschaftlichen Sinn!
Damit das alles klappt, wurde der Zeppelin mit richtig schwerem Gerät ausgestattet: Die wissenschaftlichen Messgeräte in der Passagierkabine bringen zusammen satte 780 Kilogramm auf die Waage. Unter anderem steckt dort ein Massenspektrometer drin. Zusätzlich wurde in den Nasenmast an der Spitze des Zeppelins ein neu entwickeltes hochauflösendes Windmesssystem eingebaut.1 Aus einem Zeppelin, der sonst für Rundflüge genutzt wird, wird so für zwei Wochen eine echte Hightech-Forschungsplattform – wie geil ist das bitte?!
Die gesamte Messkampagne dauert zwei Wochen. Wann genau die jeweils rund siebenstündigen Flüge stattfinden, hängt stark vom Wetter ab. Die Routen über die Metropolregion wurden nach wissenschaftlichen Kriterien exakt geplant – neben Städten wie Köln, Düsseldorf und Essen stehen auch Waldgebiete auf dem Programm.1 Außerdem werden Vergleichsflüge zu Waldmesstürmen in der Eifel und in Loobos in den Niederlanden sowie zur Jülicher Fernerkundungs-Messplattform JOYCE unternommen.
Die gesammelten Messdaten sollen zu hochaufgelösten Karten über Emissionen von flüchtigen organischen Verbindungen entlang von Stadt-Wald-Gradienten verarbeitet werden. Aber der Zeppelin ist dabei nicht allein: Die Kampagne ist eng verknüpft mit der gleichzeitig laufenden VITAL II-Messkampagne des Instituts für Geophysik und Meteorologie der Uni Köln sowie mit weiteren Aktivitäten, bei denen zum Beispiel ein Messfahrrad und ein mobiles Labor in Köln zum Einsatz kommen.1 Alle Daten zusammen sollen helfen, Luftqualitätsmodelle weiter zu verbessern – und damit letztlich auch unser Verständnis davon, wie sich der Klimawandel auf die Luft auswirkt, die wir täglich atmen.
Also, wenn du den Zeppelin das nächste Mal am Himmel siehst – jetzt weißt du, was da oben wirklich abgeht. Ziemlich beeindruckend, was Wissenschaft so alles auf die Beine stellt, oder? Bleib gespannt, was die Forschenden aus ihren Daten herausholen – wir bei Antenne NRW halten dich auf dem Laufenden!
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