Fanny und Maike Piepenstock kämpfen mit einer Eisdiele um ihren Familienhof in Schalksmühle – seit 1801 in Familienhand und kurz vor dem Aus.
Stell dir vor, du wächst auf einem Hof auf, der seit über 200 Jahren in deiner Familie ist – und dann droht genau dieser Hof zu verschwinden. Für Fanny und Maike Piepenstock aus Schalksmühle war das bittere Realität. Doch die beiden Schwestern haben nicht aufgegeben. Stattdessen haben sie eine Idee in die Tat umgesetzt, die ihren Familienhof retten könnte: eine eigene Eisdiele.1
Das Problem kennen viele Landwirte in NRW: Vom Milchverkauf allein lässt sich kaum noch eine Familie ernähren. „Aktuell bekommen wir zwischen 35 und 38 Cent für einen Liter Milch. Gleichzeitig sind aber alle Ausgaben teurer geworden“, erklärt Maike Piepenstock.1 Mit 40 Milchkühen kämpfte die Familie schon seit Jahren darum, den Hof wirtschaftlich am Laufen zu halten.
Die Situation wurde so ernst, dass die Piepenstocks den Hof sogar anonym inserierten – um zumindest zu sehen, was er auf dem Markt wert wäre. „Wir waren kurz davor, die Tiere zu verkaufen, das Wohnhaus mit Umlageflächen und allem und hier wegzuziehen“, erinnert sich Fanny.1 Worte, die einem das Herz schwer machen.
Der Hof in Schalksmühle gehört der Familie Piepenstock seit 1801. Für Fanny und Maike ist er nicht nur Arbeitsplatz, sondern echtes Zuhause. In ein paar Jahren wollen sie ihn offiziell übernehmen. „Wir möchten für unser Zuhause kämpfen, dafür, dass das unser Zuhause bleibt“, sagt Fanny.1 Diese Haltung hat die Familie dazu gebracht, gemeinsam nach einem Ausweg zu suchen – und den haben sie gefunden.
Vor fünf Jahren startete die Familie damit, aus der Milch ihrer eigenen Kühe Eis herzustellen und es im Hofladen sowie in Automaten zu verkaufen. Das kam gut an – reichte aber langfristig nicht. Anfang des Jahres reifte dann eine neue Idee: eine eigene Eisdiele.1
Als die Piepenstocks in der Zeitung von einer leerstehenden ehemaligen Konditorei in Ennepetal-Voerde lasen, war der Plan geboren. Das Risiko war trotzdem groß. „Wir wussten vorher nicht, ob die Leute das überhaupt annehmen würden“, gibt Fanny offen zu.1 Mitte Juni eröffnete die Eisdiele „Muh to Go“ – und der Ansturm ließ nicht lange auf sich warten.
Nur wenige Minuten nach dem ersten Öffnen bildete sich die erste Warteschlange. Kundinnen und Kunden kommen sogar extra aus Gevelsberg und Schwelm angereist, nur um das Eis der Piepenstocks zu probieren. „Das Eis ist super lecker und es ist aus der Region“, schwärmt eine Kundin.1
Fanny selbst ist überwältigt von der positiven Resonanz: „Ich hatte noch nie mit so vielen positiven Menschen zu tun.“ Und weiter: „Die Leute kommen teilweise aus Gevelsberg oder Schwelm hierhin gefahren, um das Eis zu essen. Das finde ich wirklich schön. Da geht einem wieder das Herz auf.“1
Die Geschichte der Schwestern Piepenstock zeigt, wie kreative Ideen und echter Kampfgeist einen Unterschied machen können – gerade in der Landwirtschaft, wo der Druck auf kleine Familienbetriebe immer größer wird. Von der Hofmolkerei bis zur Eisdiele: Die Piepenstocks beweisen, dass Tradition und Innovation kein Widerspruch sein müssen. Wer weiß – vielleicht ist „Muh to Go“ erst der Anfang.1
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