Kölns OB Burmester zieht nach neun Monaten im Amt Bilanz: Erfolge beim Wohnungsbau, Frust über Brückensanierung – und eine zweite Amtszeit fest im Blick.
Torsten Burmester (SPD) ist seit knapp neun Monaten Kölner Oberbürgermeister – und er hat schon einiges bewegt. Im Interview mit dem Kölner Stadt-Anzeiger zieht er eine erste Bilanz, spricht über Erfolge und ernüchternde Erlebnisse. Und verrät: Eine zweite Amtszeit schließt er definitiv nicht aus.1
Burmester ist sichtlich stolz auf das, was in kurzer Zeit auf den Weg gebracht wurde. Konkret nennt er ein neues Suchthilfezentrum, zwei angestoßene Wohnungsbauprojekte und Fortschritte bei der Sauberkeit in der Stadt. Auch die Wirtschaftsförderung hat unter ihm Priorität bekommen.1
Besonders hebt er einen lange schwelenden Konflikt hervor, der jetzt gelöst ist: „Wir haben mit dem Ausbau des Geißbockheims einen Konflikt aufgelöst, der seit zehn Jahren besteht.“ Für ihn ist das ein Zeichen dafür, dass Köln gerade in echter Aufbruchstimmung ist – und das macht ihm, wie er selbst sagt, „sehr viel Freude“.1
Doch nicht alles läuft so, wie Burmester es sich gewünscht hätte. Die angespannte kommunale Finanzlage macht ihm zu schaffen – jeder Euro muss mit Bund und Ländern hart erkämpft werden. Auch die Sanierung der Kölner Brücken, die laut aktuellem Stand bis 2045 dauern soll, ist für ihn eine echte Enttäuschung: „Das hätte ich mir einfacher gewünscht.“1
Auf die Frage, was Städte wie Düsseldorf, München oder Wien von Köln abschauen können, hat Burmester eine klare Antwort: das gesellschaftliche Engagement auf allen Ebenen. Genau das halte Köln zusammen und mache es so attraktiv. Sein persönliches Motto dabei: „Eins nach dem andern.“ Mit neun von 60 Monaten Amtszeit will er sich jedenfalls nicht verzetteln.1
Und dann ist da noch die große Frage: Kandidiert er wieder? Burmester bleibt zwar offiziell vorsichtig – „Dafür ist es noch zu früh“ – macht aber gleichzeitig deutlich, dass der Wille da ist: „Ich habe jedenfalls einen ausgeprägten Ehrgeiz, diese Stadt weiterzuentwickeln – gegebenenfalls auch in einer zweiten Legislatur.“1 Ob er antritt, soll ein Abwägungsprozess mit Familie und Partei klären. Aber klar ist: Er will.
Neben dem Blick nach vorne darf man nicht vergessen, was Burmester aktuell auch innenpolitisch beschäftigt. Wie wir in einem früheren Beitrag berichtet haben, lässt Burmester die sogenannte Coesfeld-Liste mit rund 500 Abschiebefällen in Köln durch Stadtdirektorin Dörte Diemert prüfen.2 Hintergrund: Die Stadt hatte ein Hilfsangebot der Zentralen Ausländerbehörde (ZAB) zur Beschaffung von Reisedokumenten abgelehnt – und geriet damit in die Kritik. Besonders CDU und FDP fordern Transparenz und Rechenschaft vom städtischen Ausländeramt. Die Brisanz des Themas wuchs zusätzlich, als Personen aus der Liste im Zusammenhang mit einem Schusswaffenanfall auftauchten.2 Ein Zeitplan für den Abschluss der Prüfung steht bisher nicht fest.
Neun Monate Amtszeit, erste Projekte umgesetzt, großer Ehrgeiz für die Zukunft – Burmester zeigt sich als OB, der gestalten will. Gleichzeitig stehen mit der Coesfeld-Debatte und den Finanzproblemen echte Herausforderungen im Raum. Wie er die angeht, wird zeigen, ob aus dem Aufbruch eine echte Erfolgsgeschichte für Köln wird. Wir bleiben dran!
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