Pendlerchaos in NRW: Zugausfälle, falsche Infos und die nächste Vollsperrung ab 21. August zwischen Köln und Düsseldorf. Was du jetzt wissen musst.
Eigentlich gelten die Sommerferien für Bahnpendler im Rheinland als die ruhigste Zeit des Jahres – weniger Gedränge, kaum Verspätungen, und vielleicht sogar ein Sitzplatz. In diesem Sommer ist das kompletter Unfug. Seit Ende Juni läuft auf der Strecke zwischen Köln und Aachen so ziemlich alles schief, was schiefgehen kann.1
Dabei schreiben wir nicht zum ersten Mal über Chaos in NRWs öffentlichem Raum: Schon in einem früheren Beitrag zu Bürgerinitiativen in NRW haben wir gezeigt, wie engagiert Menschen in der Region sind, wenn es um ihre Lebensqualität geht.2 Genau diese Energie wäre jetzt auch gegenüber der Deutschen Bahn mehr als angebracht.
Pendler Christian Freimuth bringt es auf den Punkt: Von „unhaltbaren Zuständen“ spricht er, und das ist kaum übertrieben. Seinen Schilderungen zufolge wurden Fahrgäste mitten auf der Strecke – in Köln-Hansaring, in Horrem, in Sindorf – ohne Vorwarnung aus dem Zug befördert, weil dieser vorzeitig wendete.1
„Dann steht man dort. Ungeplant. Ohne Getränke. Ohne Infos. Nur mit dem Versprechen, der nächste Zug folge in Kürze“, so Freimuth. Selbst Lokführer hätten ihm von ihrem Stress berichtet, an den Endhaltestellen in Düren und am Flughafen Köln/Bonn innerhalb von fünf Minuten wenden zu müssen.1
Der traurige Höhepunkt: Am 4. August wurden nahezu alle Züge der S 19 – der einzig verbliebenen Verbindung zwischen Köln und Düren – gestrichen. Schienenersatzverkehr? Fehlanzeige. Stattdessen warteten Pendler bei 30 Grad auf hoffnungslos überfüllte S-Bahnen, die zusätzlich noch alle Reisenden der ausgefallenen Regional-Express-Züge RE 1 und RE 9 aufnehmen mussten.1
Der Ursprung des Chaos: Die Strecke zwischen Düren und Köln war wegen Bauarbeiten vom 26. Juni an – bis auf die S-Bahn – gesperrt. Kurz vor Ende der Arbeiten entgleiste am 24. Juli ein Bauzug bei Kerpen-Horrem. Dabei wurden zwei Weichen so stark beschädigt, dass sie komplett neu angefertigt werden mussten. Erst seitdem läuft der Zugverkehr wieder einigermaßen stabil.1
Kommunalpolitiker Friedrich Jeschke von der Volt-Fraktion im Regionalrat Köln spricht von „irreführender und unzureichender Fahrgastinformation“. Im DB-Navigator seien immer wieder Verbindungen angezeigt worden, die gar nicht existierten – dazu widersprüchliche Infos auf verschiedenen Portalen. Immerhin habe go.Rheinland irgendwann Schnellbusse ohne Zwischenstopp zwischen Köln und Aachen eingesetzt.1
Wer dachte, das Schlimmste sei vorbei, wird leider enttäuscht: Vom 21. August bis zum 4. September fährt zwischen Köln-Mülheim und Düsseldorf Hauptbahnhof rein gar nichts mehr. Keine Fernzüge, keine Regionalzüge. Die S-Bahnen fallen auf dieser Strecke sogar bis zum 4. Dezember aus.1
Der Grund: Laut DB InfraGo werden knapp acht Kilometer Gleise erneuert – inklusive 8.000 Schwellen, 6.500 Tonnen Schotter und verschiedener Nebenarbeiten. Das ist nur machbar, wenn der Betrieb auf einer der meistbefahrenen Verbindungen Deutschlands komplett eingestellt wird.1
Für Pendler im Regionalverkehr bedeutet das konkret:
Obendrauf kommt: Über die Ausweichroute via Wuppertal und Hagen können wegen Schäden an der Wupperbrücke bei Opladen deutlich weniger Züge umgeleitet werden als ursprünglich geplant. Die Bahn verspricht zumindest einen Zwei-Stunden-Takt im Fernverkehr ab Köln und Düsseldorf.1
Christian Freimuth hat Beschwerden beim Kundendialog von DB Regio eingereicht – bislang ohne Antwort. Der Verkehrsverband go.Rheinland verwies ihn weiter an die DB-Transportleitung. „Die Nerven liegen blank. Und am Ende wieder: Wir bitten um Entschuldigung. Man kann das echt nicht mehr hören“, sagt er.1
Für alle Pendler zwischen Köln, Aachen und Düsseldorf gilt: Den Bahnalltag jetzt besonders sorgfältig planen, Verbindungen mehrfach checken – und vielleicht ein paar Wasserflaschen einpacken. Sicher ist gerade gar nichts.
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