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Bäume in NRW am Limit: Hungern und Verdursten gleichzeitig
11. August 2026

Bäume in NRW leiden unter Hitze und Dürre: Sie hungern und verdursten gleichzeitig. Welche Baumarten überleben und was Städte jetzt tun können.

Wenn Blätter im August schon fallen

Eigentlich sollten unsere Bäume jetzt satt grün und voller Energie sein – stattdessen sehen viele Straßen und Wälder in NRW gerade aus wie im Oktober. Braune Blätter, kahle Äste, vertrocknete Kronen. Die anhaltende Hitze macht unseren Bäumen gerade richtig zu schaffen. Und das Problem ist tiefgreifender, als man auf den ersten Blick denkt.1

Warum Bäume gerade doppelt leiden

Klingt krass, aber es stimmt: Bäume hungern und verdursten bei extremer Hitze buchstäblich gleichzeitig. Werner Rolf, Leiter des Fachgebiets Landschaftsplanung, Landschaftsökologie und Naturschutz an der Technischen Hochschule OWL, erklärt warum: Durch die Hitze schließen Blätter ihre Spaltöffnungen, um keinen Wasserdampf zu verlieren. Klingt clever – hat aber einen fetten Haken. Denn dadurch nehmen die Blätter auch kaum noch CO2 auf. Die Photosynthese bricht ein, die Bäume können sich nicht mehr richtig ernähren.1

Und es wird noch schlimmer: Bei extremer Trockenheit kann die Wasserversorgung im Inneren des Baumes komplett abreißen. Luftblasen verstopfen die Leitungsgefäße – Wasser kommt nicht mehr zu den Blättern, die Äste verwelken oder sterben ab. Geschwächte Bäume sind dann auch noch leichte Beute für Borkenkäfer und Pilze.1

Die Zahlen dahinter sind alarmierend

Das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) hat auf Basis von Satellitenbildern festgestellt, dass seit Herbst 2017 rund 900.000 Hektar Waldfläche in Deutschland verloren gegangen sind. Seit 2021 haben sich diese Verluste mehr als verdoppelt. Besonders hart hat es Fichtenwälder in der Eifel, im Sieger- und Sauerland sowie in Ostwestfalen getroffen – dort hat der Borkenkäfer ganze Arbeit geleistet, angetrieben durch Hitze und Dürre.1

Flachwurzler vs. Tiefwurzler – wer überlebt?

Nicht alle Bäume sind gleich schlecht dran. Der entscheidende Faktor ist oft das Wurzelsystem. Tiefwurzler wie Feldahorn oder Traubeneiche kommen auch in trockenen Phasen noch ans Grundwasser. Flachwurzler wie die Fichte sind dagegen auf Wasser im Oberboden angewiesen – und wenn der knochentrocken ist, haben sie keine Chance. Fichten kommen eigentlich aus dem Hochgebirge und sind im Tiefland sowieso fehl am Platz, wenn die Sommer immer heißer werden.1

Laut der Zukunftsbaumliste der Stadt Düsseldorf sind diese Laubbäume besonders fit für heiße Zeiten:1

  • Feldahorn
  • Zierkirsche
  • Amerikanische Stadtlinde
  • Zerreiche

Und auch Waldkiefern, Platanen, Robinien, Mehlbeeren, Ginkgos und Silberlinden gelten laut Werner Rolf als besonders trockenheitstolerant – ihr könntet diese Arten also bald viel öfter in unseren Städten und Wäldern sehen.1

Stadtbäume stecken im Beton fest

Wer mal durch Köln oder Bonn spaziert, kennt das Bild: Bäume, die unten am Stamm fast komplett zugepflastert sind. Das klingt nach Kleinigkeit, ist aber ein echtes Problem. Ein Baum braucht mindestens zwölf Kubikmeter Wurzelraum – und wenn der Bürgersteig drumherum aus Beton besteht, kann kaum Regenwasser versickern. Die Bäume verdursten regelrecht mitten in der Stadt.1

Rolf schlägt deshalb vor, Versickerungsflächen zu schaffen, statt Regenwasser einfach in die Kanalisation abzuleiten. Das würde nicht nur den Bäumen helfen – bei Starkregen könnte es sogar Hochwasserschäden an Gebäuden verhindern. Ähnliche Konzepte funktionieren schon in Kopenhagen und Malmö, wo unterirdische Tunnel und Regenbeete das Wasser klug managen.1

Mischwälder sind die Zukunft

Die gute Nachricht: Es gibt Lösungen. Statt Fichtenmonokulturen setzen Experten zunehmend auf Mischwälder mit natürlicher Vielfalt. „Man weiß, dass durchmischte Wälder mit einer natürlichen Vielfalt besser mit Stresssituationen umgehen können als reine Monokulturen“, sagt Werner Rolf.1 Außerdem helfen sogenannte Schwammlandschaften – also Moore, Auen und Feuchtgebiete – dabei, Wasser zu speichern und in Dürrephasen langsam wieder abzugeben.1

Was wir heute sehen, kommt von gestern

Noch eine wichtige Info zum Abschluss: Das Baumsterben, das wir gerade beobachten, ist laut Rolf gar nicht auf die aktuelle Hitzewelle zurückzuführen – sondern auf Schäden, die schon vor Jahren entstanden sind. Die Folgen des diesjährigen Sommers werden wir wohl erst in ein paar Jahren sehen. Grund genug, jetzt zu handeln – für unsere Bäume, unsere Städte und unsere Region.1

Quellen

  1. wdr hitze geht weiter die baeume hungern und verdursten gleichzeitig 100.html


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