Am Ursulaplatz in Köln gibt es keinen einzigen Spielplatz mehr – stattdessen Leere, Bauzaun und Drogenszene. Was steckt dahinter und wann wird es besser?
Stell dir vor: Freitagnachmittag, Sonne satt, und du suchst einen Spielplatz für die Kleinen. Eigentlich perfekte Bedingungen – wären da nicht die Zustände am Ursulaplatz in Köln. Denn was dich an der Ecke Ursulaplatz und Am Salzmagazin erwartet, ist alles andere als ein Kinderparadies. Kein einziges Spielgerät, gähnende Leere im Sand, dafür Graffiti, ein Bauzaun und – laut Anwohnerinnen und Anwohnern – regelmäßig Obdachlose und Drogensüchtige. Kein Wunder, dass viele sagen: Kinder gibt es hier nicht mehr.1
Die Erklärung der Stadt Köln klingt nüchtern: Die Spielgeräte wurden 2023 abmontiert, weil sie nicht mehr der Verkehrssicherheit entsprachen. Bevor neue aufgestellt werden konnten, startete auf dem Nachbargrundstück eine genehmigte Sanierung eines Wohnhauses – inklusive großer Baugrube. Und die braucht eben Platz, auch auf dem Spielareal. Laut einer Stadtsprecherin kann die Umgestaltung des Spielplatzes erst starten, wenn die private Baustelle komplett abgeschlossen ist.1
Heißt im Klartext: Solange nebenan gebaggert wird, bleibt der Platz eine trostlose Sandfläche. Der Bauherr soll die Arbeiten noch in diesem Jahr abschließen – wann die Stadt dann tatsächlich mit der Erneuerung des Spielplatzes loslegt, lässt sie bislang offen.1
Reinhard Houben, der die FDP/KSG-Fraktion im Kölner Jugendhilfeausschuss vertritt, macht aus seiner Empörung keinen Hehl. „Ich würde hier keine Kinder spielen lassen“, sagt er – und fordert, die Fläche zumindest abzusperren oder zu kontrollieren. Sein Eindruck: Die Stadt lässt das einfach laufen.1
Die Antwort der Stadt? Man habe bewusst auf eine Sperrung verzichtet, damit der Platz weiterhin öffentlich genutzt werden kann. Dem Ordnungsamt lägen keine Beschwerden vor. Houben nennt das eine „schwache Argumentation“ – de facto sei die Fläche nicht als Spielplatz nutzbar, also könne man sie auch absperren. Er hat bereits angekündigt, eine Anfrage im kommenden Jugendhilfeausschuss zu stellen.1
Wer jetzt denkt, das sei ein bedauerlicher Einzelfall, liegt leider falsch. Auch der Spielplatz neben dem Bürgerzentrum Ehrenfeld wartet ohne Rutsche, Klettergerüst und Fußballtore auf bessere Zeiten. Am Brüsseler Platz landen immer wieder Glasflaschen und Scherben im Spielbereich. Und auf dem Spielplatz Auf dem Berlich? Zwei Sandkästen, kaum Geräte, Graffiti – dafür aber immerhin eine funktionierende Wasserpumpe und Schatten spendende Bäume.1
Die Herausforderung ist real: Die Stadt Köln muss stadtweit mehr als 700 Spielplätze betreuen – und das bei knapper Kasse. Zwischen 2018 und 2022 wurden laut dem Bericht „Kommunale Spielraumplanung 2025–2030″ immerhin 465 Spielplätze teilweise oder vollständig saniert oder neu eingerichtet. Das Ziel von zwei Quadratmetern Spielfläche pro Einwohner wurde mit einem Wert von 1,2 Quadratmetern aber deutlich verfehlt.1
Um fair zu bleiben: Die Stadt ist nicht komplett untätig. Der Spielplatz am Rathenauplatz wurde 2019 und 2020 aufwendig saniert und hat jetzt Trampoline, ein riesiges Klettergerüst, eine Seilbahn und einen Wasserspielbereich. Der Wasserspielplatz im Inneren Grüngürtel wurde 2020 komplett erneuert. Im Juli beziehungsweise Oktober 2025 eröffneten zudem die Spielplätze im Johannes-Giesberts-Park und an der Porzer Glashüttenstraße. Bis 2030 sind mehr als 120 Neugestaltungen und Neubauten geplant – darunter auch der Spielplatz an St. Ursula.1
Der Spielplatz Auf dem Berlich soll außerdem durch das Entfernen von dichtem Gehölz und dunklen Ecken heller und besser einsehbar werden – fertig sein soll er im Frühjahr 2027.1
Am Ende bleibt ein bitterer Nachgeschmack. Während die Stadt auf Besserung vertröstet und auf ausstehende Baustellen verweist, warten Familien in Köln auf Spielplätze, die ihren Namen verdienen. Der Ursulaplatz steht dabei symbolisch für ein größeres Problem – und Ratsherr Houben hat völlig recht: Eine Sandfläche ohne Spielgeräte, die regelmäßig von Drogenabhängigen aufgesucht wird, ist kein Spielplatz. Das kann und muss besser gehen.1
Wir informieren dich regelmäßig über aktuelle Nachrichten, Staus und wichtigen Themen - ohne Dich zu nerven!