Beim Kölner Miqua-Bau stehen 33,7 Millionen Euro Fördergelder auf dem Spiel – und das Land NRW hält sich bei einer möglichen Rückforderung bisher bedeckt.
Köln steckt gerade mitten in einigen großen Bauprojekten – und nicht alle laufen reibungslos. Während wir in einem früheren Beitrag bereits über die Generalsanierung der Agneskirche für 13 Millionen Euro berichtet haben, geht es beim Museum im Quartier – kurz Miqua – um ganz andere Dimensionen. Hier stehen bis zu 33,7 Millionen Euro Fördermittel auf dem Spiel.1
Das Miqua ist ein ambitioniertes Kulturprojekt direkt vor dem Historischen Rathaus in der Kölner Innenstadt. Es besteht aus einem oberirdischen Jüdischen Museum und einem unterirdischen Rundgang durch die Archäologische Zone. Klingt spannend – und das ist es auch. Aber der Bau läuft schon seit Jahren nicht so, wie ursprünglich geplant.1
Nach mehrjährigen Verzögerungen steht jetzt ein neuer Fertigstellungstermin: Ende 2028. Doch genau dieser Termin ist der Knackpunkt. Denn wenn der Bau nicht rechtzeitig fertig wird, könnte die Stadt Köln die kompletten Fördermittel in Höhe von 33,7 Millionen Euro zurückzahlen müssen. Die Stadt selbst hat das am 7. August bestätigt: „Eine Fertigstellung des Miqua nach diesem Termin könnte eine (teilweise) Rückforderung von Fördermitteln nach sich ziehen.“1
Und das Land NRW? Hält sich bisher bedeckt. Ein Sprecher des Ministeriums für Heimat, Kommunales, Bau und Digitalisierung sagte lediglich, die Frage lasse sich nicht abschließend beantworten, „da dem Ministerium bisher keine Informationen vorliegen, die eine Rückzahlungsprüfung auslösen würden.“1 Klare Ansage sieht anders aus.
Damit ihr das Ausmaß des Problems wirklich versteht: Beim Baubeschluss 2011 ging die Verwaltung noch von Gesamtkosten in Höhe von 51,7 Millionen Euro aus. Inzwischen sind die Gesamtkosten auf satte 230 Millionen Euro explodiert.1 Die 33,7 Millionen Euro Fördergelder machen dabei gerade mal 14,7 Prozent der Gesamtkosten aus – den Rest, also 85,3 Prozent, trägt die Stadt Köln selbst. Das ist eine Hausnummer.
Der NRW-Steuerzahlerbund hat das Miqua-Projekt bereits 2024 in seinem Schwarzbuch unter die Lupe genommen – und kein gutes Haar daran gelassen. Für Köln sei die Entwicklung „fatal“, vor allem wegen der finanziell ohnehin schlechten Lage der Stadt. Der Steuerzahlerbund machte dabei auch auf ein grundsätzliches Problem aufmerksam: „Zunächst sieht es danach aus, als ob so ein Projekt mit Landesförderung leicht zu stemmen sei. In der Regel erhöhen sich aber die Fördermittel nicht, wenn es zu Baukostensteigerungen kommt.“1
Was das Ganze noch komplizierter macht: Vor allem weitere archäologische Funde könnten den Bau erneut ausbremsen. Die Stadt Köln hat selbst eingeräumt, auf solche Entdeckungen müsse gegebenenfalls „auch baulich reagiert werden“, wenn sie von der Denkmalpflegekommission als schützenswert eingestuft werden.1 Beim Bau unter der Kölner Innenstadt ist das kein unwahrscheinliches Szenario – der Boden dort steckt voller Geschichte.
Ob Köln die Frist hält und die Millionen-Förderung behalten darf, bleibt abzuwarten. Das Miqua ist ein kulturell bedeutsames Projekt – aber auch ein finanzielles Hochrisiko-Unterfangen für die Stadt. Wir bleiben für euch dran und halten euch auf dem Laufenden, sobald es neue Entwicklungen gibt.1
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