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Köln streicht über 410 Parkplätze – und weitere Stadtteile sollen folgen
18. August 2026

Köln hat über 410 Parkplätze gestrichen, damit Feuerwehr und Rettungsdienste freie Fahrt haben. Jetzt sollen weitere Stadtteile folgen – doch ein Zeitplan…

Zu eng für die Feuerwehr: Köln räumt Parkplätze ab

Wer in der Kölner Innenstadt ein Auto hat, kennt das Problem: Parkplätze sind Mangelware. Doch jetzt werden es noch weniger – und das mit einem handfesten Grund. Mehr als 410 Stellplätze am Straßenrand sind bereits weggefallen, weil auf vielen Straßen neben parkenden Autos schlicht kein Platz mehr für Feuerwehr und Rettungsdienste bleibt.1 Dass ausreichend Platz auf der Fahrbahn lebensrettend sein kann, zeigt auch ein früherer Beitrag über einen Wohnungsbrand in der Paderborner Innenstadt, bei dem die Feuerwehr mit einem Großaufgebot im Einsatz war.2

Die 3,05-Meter-Regel – was steckt dahinter?

Die Stadt Köln macht’s klar: Mindestens 3,05 Meter müssen auf der Fahrbahn frei bleiben, damit Einsatzkräfte im Notfall durchkommen. Diese Zahl ergibt sich aus der maximal zulässigen Fahrzeugbreite von 2,55 Metern plus einem Sicherheitsabstand von 50 Zentimetern.1 Klingt logisch – aber warum ist das jetzt erst ein Problem? Laut der Stadt liegt das auch daran, dass Autos über die Jahrzehnte schlicht breiter geworden sind. Besonders SUV-Modelle haben dazu beigetragen, dass der Platz auf vielen Straßen immer knapper wird.1

Schon fast durch – aber längst nicht fertig

Im Frühjahr 2025 hatte das städtische Mobilitätsdezernat angekündigt, rund 450 Stellplätze in der Innenstadt zu streichen. Laut einem Stadtsprecher ist das Projekt mittlerweile fast abgeschlossen – noch sind aber nicht alle Bewohnerparkgebiete in der Innenstadt überprüft worden.1 Und danach geht’s weiter: Die Verwaltung plant, die Überprüfung auf das gesamte Stadtgebiet auszuweiten. Dicht besiedelte Viertel wie Nippes, Ehrenfeld oder Sülz stehen dabei im Fokus. Einen konkreten Zeitplan gibt es allerdings noch nicht. Bis eine systematische Prüfung der Außenbezirke startet, wird die Stadt vor allem auf Beschwerden von Anwohnern oder Meldungen von Rettungskräften reagieren.1

Nicht nur Parkplätze weg – auch Querparken verboten

In der Landgrafenstraße in Lindenthal zeigt sich, wie eine solche Neuordnung konkret aussehen kann. Dort wurden laut Stadt allerdings keine legalen Stellplätze gestrichen. Stattdessen hat man auf unerlaubtes Querparken auf dem Gehweg reagiert: Autos sollen jetzt längs parken, neu montierte Fahrradbügel sollen das Querparken verhindern. Der Gehweg ist dadurch barrierefrei nutzbar – und die verengte Fahrbahn soll den Verkehr zusätzlich beruhigen.1

Politisch heiß diskutiert – Widerstand aus mehreren Ecken

Nicht alle finden die Maßnahmen gut. Die Mittelstands- und Wirtschaftsunion Köln (MIT) kritisiert, dass Stellplätze gestrichen werden, ohne dass zuvor tragfähige Alternativen geschaffen wurden – zum Beispiel bessere ÖPNV-Angebote, Park-and-Ride-Anlagen oder Quartiersgaragen.1 CDU-Landtagskandidat Oliver Kehrl geht noch weiter und kündigt eine juristische Prüfung an. Seine Forderung: Für jeden entfallenden Stellplatz müsse die Stadt nachvollziehbar begründen, warum er gestrichen wird und warum kein milderes Mittel möglich sei.1

Auch aus der Nachbarschaft gibt es Gegenwind: Im Griechenmarktviertel hat Planungsingenieur Christof Preiß eine Petition gestartet. Er wirft der Stadt vor, pauschal vorzugehen und die örtlichen Verhältnisse nicht ausreichend geprüft zu haben. Eigene Messungen hätten gezeigt, dass die Mindestbreite von 3,05 Metern in vielen Fällen gar nicht unterschritten werde. Er fordert unabhängige Einzelfallprüfungen, stärkere Kontrollen gegen tatsächlich behinderndes Parken und bauliche Lösungen – bevor Parkplätze gestrichen werden.1

Weniger Autos, mehr Kühle – der VCD sieht noch einen Vorteil

Der Verkehrsclub Deutschland (VCD) Köln bringt noch einen weiteren Aspekt ins Spiel: Weniger parkende Autos bedeuten auch mehr Schutz vor Hitze. Geparkte Fahrzeuge speichern Wärme, blockieren die Luftzirkulation und belegen Flächen, die für Bäume oder Grün genutzt werden könnten. Für den VCD ist die Mobilitätswende deshalb auch eine Maßnahme gegen die Überhitzung der Stadt – mehr Platz für Schatten, Grün und sichere Wege.1

Fazit: Sicherheit ja – aber wo bleibt der Plan?

Die 3,05-Meter-Regel ist ein echtes Sicherheitsargument, das niemand wegdiskutieren kann. Trotzdem fehlt bislang ein klarer Fahrplan dafür, wie und wann die restlichen Stadtteile überprüft werden. Und solange Quartiersgaragen und Parkleitsysteme auf sich warten lassen, heißt es für viele Kölnerinnen und Kölner: Die Parkplatzsuche wird noch stressiger.1

Quellen

  1. Fahrbahnbreite: Mehr als 410 Stellplätze in der Kölner Innenstadt gestrichen – weitere Stadtteile sollen folgen – Kölner Stadt-Anzeiger
  2. Wohnungsbrand in Paderborner Innenstadt: Feuerwehr mit Großaufgebot im Einsatz – Antenne NRW


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