Die Kölner Autorin Hanka Meves holt die fast vergessene Expressionistin Olga Oppenheimer mit ihrem Roman „Der Künstlerinnen-Klub“ zurück ins Licht der…
Kennt ihr Olga Oppenheimer? Wahrscheinlich nicht – und genau das ist das Problem. Die Kölner Expressionistin, 1886 geboren und 1941 ermordet, gehört zu den Frauen, die die Geschichte fast vollständig vergessen hat. Jetzt holt sie die Kölner Autorin Hanka Meves zurück ins Rampenlicht – mit ihrem zweiten historischen Roman „Der Künstlerinnen-Klub“, der gerade im Emons Verlag erschienen ist.1
Meves stieß auf Oppenheimer, während sie ihren ersten Roman über die Kölner Komponistin Maria Herz schrieb. Das verbindende Element der beiden Bücher ist der Kunstsammler Richard Götz, der aufgrund seiner jüdischen Herkunft in den 1930er-Jahren in die USA floh und in beiden Romanen als Perspektivfigur auftaucht.1
Götz war 1912 im Arbeitsausschuss der legendären Sonderbund-Ausstellung in Köln – einer Schau, die 25.000 Besucher anzog und Werke für 300.000 Mark verkaufte. Dort hingen Bilder von Kandinsky, Marc, Macke, aber auch van Gogh, Cézanne, Gauguin und Picasso. Und eben auch von Olga Oppenheimer – als eine der wenigen Frauen überhaupt.1
Olga Oppenheimer war keine stille Beobachterin. Von 1911 bis 1913 betrieb sie gemeinsam mit ihrer Freundin Emmy Worringer den Gereonsclub in Köln – eine Malschule, einen Ausstellungsort und Treffpunkt für Künstler, Sammler und Kunstbegeisterte aus der ganzen Region. Zu Gast war dort auch August Macke, der 1911 sogar eine „flammende Rede“ hielt. Gezeigt wurden Werke der sogenannten neuen Künstler, die später als die Blauen Reiter Kunstgeschichte schreiben sollten.1
Meves bringt es auf den Punkt: „Es war die Geschichte dieser beiden Frauen, die mich fasziniert hat. Die machen etwas zu einer Zeit, in der man in Köln nicht einmal Kunst studieren kann. Und dann gründen die so einen Club. Wie können die das?“1
Macke wurde ein Star der Moderne – Oppenheimer nicht. Der Unterschied? Mackes Frau bewahrte seinen gesamten Nachlass und sorgte dafür, dass er nicht in Vergessenheit geriet. Olga Oppenheimer hatte niemanden, der das für sie tat.1
Nach der Hochzeit mit Adolf Worringer, dem Bruder ihrer Freundin Emmy, und der Geburt zweier Kinder erkrankte Oppenheimer während des Ersten Weltkriegs an Depressionen. 1918 kam sie in eine psychiatrische Einrichtung bei Neuwied. Die Nazis zerstörten ihre Patientenakte – die Erinnerung an sie wurde bewusst ausgelöscht. Nur zehn Bilder von ihr sind heute noch bekannt, ein Original hängt aktuell im Foyer des Zeughauses in Köln.1
Wie schon in ihrem Debüt mischt Meves im „Künstlerinnen-Klub“ Fiktion und historische Fakten. Die fiktive Figur Mimi – ein junges Mädchen aus der Eifel, das nach Köln zieht und Kellnerin im Zoologischen Garten wird – beobachtet die aufblühende Kunstszene von außen. Sie ist die Figur, durch die wir Köln als boomende Stadt erleben, in der der Kaiser zu Besuch kommt und die Hohenzollernbrücke eröffnet wird.1
Für das Buch recherchierte Meves zwei Jahre lang in rund 20 Archiven, darunter das Historische Archiv Köln und das NS-Dokumentationszentrum. Letzteres stellte den Kontakt zu den Nachfahren Oppenheimers her, die Meves bei der Stolpersteinverlegung an der Bodinusstraße traf. Sie durfte sogar ins Familienarchiv schauen.1
Passend zur Buchveröffentlichung zeigt das Kölnische Stadtmuseum noch bis zum 13. September eine Ausstellung im Foyer des Zeughauses, die ebenfalls an Olga Oppenheimer erinnert. Dass Ausstellung und Roman sich zeitlich überlappen, sei laut Meves „ein purer Zufall“ – ein schöner aber.1
Wer das Buch live erleben möchte: Die Premierenlesung von „Der Künstlerinnen-Klub“ findet am Freitag, 4. September, um 18 Uhr im Kölnischen Stadtmuseum statt. Am Montag, 7. September, liest Meves um 19.30 Uhr im Domforum. Der Eintritt kostet jeweils fünf Euro.1
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