Serious Games verbinden Gaming mit politischer Bildung – auf der Gamescom in Köln wurden gleich mehrere spannende Titel vorgestellt. Was steckt dahinter?
Stell dir vor, du zockst ein richtig cooles Detektivspiel – und lernst dabei ganz nebenbei etwas über die RAF und den Terrorismus der 70er Jahre. Klingt komisch? Genau das steckt hinter dem Konzept der sogenannten Serious Games. Und die sind gerade voll im Kommen! Auf der diesjährigen Gamescom in Köln wurden gleich mehrere solcher Spiele vorgestellt, die Unterhaltung und politische Bildung clever verbinden.1
Serious Games sind Computerspiele mit einem pädagogischen Mehrwert. Sie sollen das Demokratieverständnis stärken, über Extremismus aufklären oder historische Ereignisse erlebbar machen – ohne dabei wie ein trockenes Lernprogramm zu wirken. Denn das wäre auf Gamingplattformen laut bpb-Gamesreferent Felix Zimmermann ein absolutes No-Go: „Dann wird das niemand freiwillig spielen.“1
Die Idee ist simpel, aber smart: Die Leute sollen ein Spiel wegen seines Settings oder Gameplays starten – und den pädagogischen Inhalt kriegen sie eher so nebenbei mit. Genau wie bei einem guten Song, den du erst 20 Mal hören musst, bevor du merkst, was der Text eigentlich bedeutet.
Eines der Highlights auf der Gamescom ist «Soko 1977», entwickelt vom Berliner Studio Paintbucket Games. Im Spiel übernimmst du die Rolle eines Ermittlers in einer Sonderkommission, die einen geplanten Brandanschlag einer linksextremistischen Terrorzelle verhindern muss. Das Game spielt in den 70er Jahren und soll an den Terror der Roten Armee Fraktion (RAF) erinnern.1
Das Projekt wurde von der Bundeszentrale für politische Bildung (bpb) mit 400.000 Euro finanziert. «Soko 1977» wird ganz normal über die Plattform Steam erscheinen – kein Bildungs-Label, kein erhobener Zeigefinger. Wer tiefer in die Geschichte einsteigen will, kann per Klick historische Infos abrufen. Oder man zockt es einfach durch.1
Paintbucket-Chef Jörg Friedrich sieht ein steigendes Interesse an solchen Spielen: „Games werden stärker wahrgenommen als ein Medium, mit dem man politische Inhalte vermitteln kann – das ist gut.“1
Paintbucket Games hatte auch im vergangenen Jahr schon ein Serious Game auf der Gamescom: «Wer ist Bilal?» thematisiert die Gefahren des Islamismus und wurde aus NRW-Landesmitteln finanziert. Das Ergebnis kann sich sehen lassen – knapp 50.000 Downloads aus den App-Stores und über eine Million Klicks auf der Webseite seit Februar.1
NRW-Medienminister Nathanael Liminski (CDU) macht klar, warum das Land auf solche Formate setzt: „Wer Jugendliche ernst nehmen und für Themen wie Desinformation und Extremismus sensibilisieren will, muss sie dort abholen, wo sie sich informieren und orientieren.“1
Bei der Gamescom-Eröffnungsfeier – mit dabei waren Bundesfinanzminister Lars Klingbeil (SPD) und NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU) – wurde außerdem «Grenzgänger» vorgestellt. Das Point-and-Click-Adventure lässt dich die Flucht aus der DDR in den frühen 80er Jahren erleben: die Konflikte mit dem SED-Staat, die riskante Flucht und das schwierige Ankommen im Westen. Finanziert wurde es von der Stiftung Orte der deutschen Demokratiegeschichte und dem hessischen Digitalministerium.1
Playing-History-Geschäftsführer Martin Thiele-Schwez betont: „Das Thema wird in Grautönen vermittelt, wir wollen kein simples Schwarz-Weiß-Denken.“ Sein Berliner Unternehmen mit 13 Beschäftigten entwickelt Games unter anderem auch für die Bildungsstätte Anne Frank und das Deutsche Historische Museum.1
Die Aussichten für Serious Games in Deutschland sind positiv – da sind sich die Entwickler einig. Kulturinstitutionen öffnen sich dem Medium immer mehr. Allerdings gibt es auch einen Haken: Gute Serious Games brauchen laut Thiele-Schwez mindestens ein sechsstelliges Euro-Budget. Wer glaubt, mit kleinstem Einsatz ein richtig gutes Spiel entwickeln zu können, liegt falsch.1
Eines ist klar: Wenn Lernen so funktioniert, dass man es gar nicht merkt, ist das die coolste Art der Wissensvermittlung überhaupt. Serious Games haben das drauf – und die Gaming-Community in NRW und ganz Deutschland darf gespannt sein, was als nächstes kommt.
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